Saalfeld fehlt Geld für Brücken

Saalfeld  Der neue Zeisssteg ist bald fertig. Doch bei Altüberwegen herrscht Sanierungsstau. Oder Anwohner zahlen gleich selbst.

Anwohner müssen die Brücke am Restaurant „Eschenstübel“ selbst erneuern, „da seitens der Stadt Saalfeld derzeit keine Mittel zur Verfügung stehen“.

Anwohner müssen die Brücke am Restaurant „Eschenstübel“ selbst erneuern, „da seitens der Stadt Saalfeld derzeit keine Mittel zur Verfügung stehen“.

Foto: Guido Berg

Das Thema Brücken ist heikel in Saalfeld, nicht nur wegen des sich seit 2017 hinziehenden Neubaus des Zeisssteges über die Saale. Insbesondere die vorhandenen Brücken sind teilweise in einem erbärmlichen Zustand. Eine OTZ-Anfrage an die Stadtverwaltung nach dem Zustand der Brücken in der Feengrottenstadt blieb zunächst unbeantwortet. Stadtsprecher Martin Hauswald verwies lediglich auf die nächste Bauausschuss-Sitzung, die erst am 6. November stattfindet. Da werde „das Tiefbauamt einen umfassenden Bericht geben“. Aktuell seien auch für dieses Jahr noch nicht alle Brückenprüfungen abgeschlossen.

„Am 15. Dezember ,feiern‘ wir das Fünfjährige ...“

Gleichzeitig sorgt die ausbleibende Sanierung von Brücken für Unmut bei den Saalfeldern. Etwa bei der Wirtin des Restaurants „Eschenstübel“ an der alten Gehegstraße. Das Gasthaus, bekannt für Original Thüringer Klöße und selbst gebackenen Kuchen, ist samt eines weiteren Grundstückes vom Stadtzentrum her nur über eine kleine, offensichtlich abgängige Holzbohlenbrücke über den Köditzbach zu erreichen. Bereits im September hatte sich der Bauausschuss mit der maroden Brücke zu beschäftigen. Da bewilligte er eine Grunddienstbarkeit für das Gasthaus „Eschenstübel“ und ein weiteres Grundstück auf der stadtabgewandten Köditzbach-Seite.

Der Grund wird im Antragstext durch die Bauverwaltung unumwunden klar ausgedrückt: „Die Eigentümer der Flurstücke ... bauen und finanzieren die Brücke über den Köditzbach, da seitens der Stadt Saalfeld derzeit keine Mittel zur Verfügung stehen.“ Die Brücke diene der Erschließung dieser Flurstücke und sei die einzige Zugänglichkeit zur darauf befindlichen Gaststätte. Und weiter: Die Grundstückseigentümer erhielten „ein Geh- und Fahrtrecht als Grunddienstbarkeit“. Und: „Im Gegenzug sichern diese zu, dass die Brücke allen Fußgängern und Radfahrern zugänglich bleiben wird.“

Die Situation sei „ärgerlich“, erklärte Eschenstübel-Wirtin Simone Mittenzwei der OTZ. Mehr wolle sie dazu nicht sagen. Etwas redseliger ist da Wilfried Menzel, der an der Eisenstraße Ecke Haeckelstraße wohnt. Die dortige Brücke über die Weira wurde am 15. Dezember 2014 für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Damit dieses Datum nicht vergessen wird, hat Menzel ein Schild mit dem Sperrungsdatum an seinen Grundstückszaun gepinnt, dazu der ironische Satz: „Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Brücke.“

Der Blick der Völker auf die kleine Weira-Brücke hat bisher nichts genützt. „Am 15. Dezember ,feiern‘ wir das Fünfjährige“, erklärte er der OTZ mit wenig Hoffnung auf baldige Abhilfe. Schließlich hatte auch ein erster OTZ-Bericht über die Brücke vor seiner Haustür keine Abhilfe geschaffen. Und auch nicht ein OTZ-Bericht, der bereits 2014 unter der Überschrift erschien: „Jede dritte Saalfelder Brücke marode: Mehrere Sperrungen drohen“.

Mit Sorge blickt Wilfried Menzel auf den Brückenasphalt, der bei starker Sommerhitze durch Löcher in der Brücke hindurchzufließen scheint. Mit Sorge blickt Menzel auch auf eine über die Weira gehende und mittlerweile freiliegende Gasleitung, die vom Versorger nur notdürftig mit Gummiband umwickelt wurde. Die Leitung werde erst erneuert, wenn auch die Brücke erneuert wird, habe der Energielieferant ihm mitgeteilt, berichtet Menzel.

Immerhin beim Zeisssteg gibt es Licht am Ende des Tunnels. „Aktuell wird der Bauzeitenplan eingehalten“, teilte Stadtsprecher Hauswald mit. Und: „Die Fertigstellung der Brücke erfolgt bis Mitte November.“ Dazu sagt Wilfried Menzel, der Mann von der maroden Weira-Brücke: „Die Brücken, wo man ein Bändchen durchschneiden kann, sind die lukrativsten.“

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