„Pianopunkt“

Saalfeld: Klavierbau ist harte Arbeit

Chiara Schönau
| Lesedauer: 3 Minuten
Michael Schulze ist Klavierbauer und zu diesem Beruf gehört mehr als nur ein Instrument stimmen zu können.

Michael Schulze ist Klavierbauer und zu diesem Beruf gehört mehr als nur ein Instrument stimmen zu können.

Foto: Chiara Schönau

Saalfeld.  2015 hat Michael Schulze „Pianopunkt“ gegründet. Er ist gelernter Klavierbauer und dazu gehört mehr, als nur ein Klavier stimmen zu können.

Die rund 60 Quadratmeter der Ladenfläche sind vollgestellt. Direkt neben der Eingangstür steht ein großer, mattschwarzer Flügel, der im Moment noch zum Schutz unter einer Abdeckungsplane versteckt ist. Drum herum stehen weitere Klaviere, mal in schwarz, weiß oder einem hellen Braunton. In der hinteren Ecke des Raumes sitzt Michael Schulze in seiner Werkstatt konzentriert an Leimarbeiten für das Instrument eines Kunden.

Schulze ist seit 2015 der Inhaber von „Pianopunkt“ in Saalfeld. Der gelernte Klavier- und Cembalobauer ist einer von wenigen in Thüringen, die das Handwerk noch ausüben. Es sei ein absoluter Nischenberuf. „Es gibt einen Unterschied zwischen den großen Unternehmen und den kleinen Handwerksbetrieben“, sagte Michael Schulze. „Das Handwerk an sich können Sie dort nicht erleben. Bei mir kann man den ganzen Prozess begleiten. Mir ist wichtig, dass nichts versteckt wird“. „Der ganze Prozess“ umfasst dabei einiges: Von der Herstellung eines Klaviers, bis zu den Reparaturarbeiten, wenn ein Instrument restauriert, oder gestimmt werden soll.

Ein vielfältiger Beruf, der auch ein Knochenjob sein kann

„Fast alle, die ich kenne, sind auf einem anderen Weg in diesen Beruf gekommen“, meinte Schulze. So war es auch bei ihm. Zunächst hat er an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar studiert, wo er Abschlüsse als Diplom-Musiker und Diplom-Musiklehrer erlangte. In den darauffolgenden Jahren unterrichtete er Klavierschüler an der Musikschule in Rudolstadt. „Das Unterrichten hat mich selbst nicht glücklich gemacht“, hieß es. So kam er schließlich zum Klavierbau.

Wenn Michael Schulze nicht in seinen Räumlichkeiten mit seiner Werkstatt in Saalfeld anzutreffen ist, dann ist er meist für seine Kunden unterwegs. Bei Hausbesuchen gehöre für ihn einiges über das grundlegende Stimmen des Instruments hinaus dazu, zum Beispiel auch eine ordentliche Reinigung. „Im Idealfall wird ein Instrument besser, wenn ich es betreue“, sagte der Klavierbauer.

Abseits der Privatkunden betreue Schulze hauptsächlich Musikschulen und Künstler. Einen Flügel direkt vor einem Konzert vorzubereiten, gehört zu seinen liebsten Aufgaben. „Dann hat man Ruhe und ist meistens ungestört“, erklärte er. „Im Idealfall hat man die Zeit beim Stimmen an die Feinheiten zu gehen“. Sofern es sein Terminkalender erlaubt, hört er sich die Auftritte im Anschluss auch gerne an, um seine eigene Arbeit beurteilen zu können.

Trotz allem ist der Beruf eines Klavierbauers körperlich sehr anstrengend. Transporte eines Instruments werden mithilfe eines Tragegurts, der um den Oberkörper geschlungen wird, in Angriff genommen. „Es ist wirkliche Knochenarbeit“, sagte Schulze.

In naher Zukunft sehe der Inhaber von „Pianopunkt“ noch keine allzu großen Veränderungen. In vielleicht zehn Jahren müsse er sich erste Gedanken machen, ob er sein Geschäft irgendwann auflösen oder einen Nachfolger finden wolle. „Für den Klavierbau wünsche ich mir, dass wir es schaffen, in einem guten fachlichen Austausch unsere Handwerkserkenntnisse zu erhalten.“, meinte er. „Es sind die Geheimnisse, die ein Instrument gut machen“. Doch jetzt heißt es erstmal weiter machen. Zur Tür seines Ladens kommt ein älterer Herr herein, mit dem Michael Schulze bereits den nächsten Termin hat.