Saalfeld hat neuen katholischen Pfarrer

Saalfeld  37-Jähriger folgt Bruno Wagner in der Corpus-Christi-Gemeinde Saalfeld nach. Pilgerfahrt von 80 Katholiken aus dem Landkreis nach Rom

David Wolf ist neuer katholischer Pfarrer in Saalfeld

David Wolf ist neuer katholischer Pfarrer in Saalfeld

Foto: Ulf Rathgeber

Für die Saalfelder Corpus-Christi-Gemeinde war der 1. September ein besonderer Tag. Zur Pfarrereinführung von David Wolf wurden viele Gäste begrüßt. Auch von dessen vorherigem Wirkungsbereich Jena. „Es waren elf Ministranten aus Jena und vier aus Saalfeld beim Gottesdienst mit dabei“, berichtete der neue Pfarrer von der für Saalfeld ungewohnt hohen Zahl von Messdienern.

„Es war ein sehr feierlicher, schöner Gottesdienst mit sehr vielen Menschen“, sagte Pfarreiratsmitglied Birgit Moecke. „Mit dabei waren viele Mitglieder aus den früheren Gemeinden und aus unseren Nachbargemeinden.“ Der Gottesdienst wurde durch die Familienschola, die Corpus Christi Kids und die Kirchenband musikalisch gestaltet. „Als krönenden Abschluss gab es noch ein Konzert vom Männervokalkreis ,Cantate Domino‘.“

Aufgewachsen ist David Wolf als jüngster von drei Brüdern in Erfurt. Der Vater fungierte als stellvertretender Caritas-Direktor und war gleichzeitig Vizepräsident vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Die Mutter arbeitete als Kindergärtnerin. Neben dem Elternhaus wurde das Heranwachsen in der St. Martini-Gemeinde für den neuen Saalfelder Pfarrer prägend. Vor allem der Dienst als Ministrant. Neben der Gottesdienst-Mitgestaltung übernahm er noch eine andere wichtige Aufgabe von seinen beiden Brüdern. „Ich habe zwei Jahre die Kirchturmuhr von St. Martini aufgezogen.“

Die Brüder waren es auch, die den Weg in die katholische Stadtjugend vorgegangen waren. „Ich habe mich dort in der Jugendgruppe wohl gefühlt“, so Wolf. „Es war für mich eine Freude, in der Kirche zu sein und vieles mitzuerleben und mitzutragen.“ Dazu gehörten religiöse Kinderwochen, Sternsinger-Aktionen oder die jährlichen Bistumswallfahrten, bei denen Wolf als Jugendlicher die Aufgabe als einer der Ordner übernahm.

Einen weiteren wesentlichen Einfluss auf die zukünftige Berufswahl hatten der befreundete Kaplan Egon Bierschenk und der Gesang im Russenchor, der im Erfurter Priesterseminar gegründet worden war. „Die Liturgie im Gottesdienst mit dem byzantinischen Ritus war anders“, so Wolf. Ikonenwände und der stärkere Einsatz von Weihrauch auch. Der Eintritt ins Priesterseminar direkt nach dem Abitur war die logische Konsequenz einer langen geistlichen Entwicklung.

Zehn Semester Studium – zwei davon in Salzburg – ebneten den Weg zur Priesterweihe. Zwischendurch pausierte David Wolf für ein Jahr, lebte und arbeitete in der Diaspora-Gemeinde in Schleusingen mit ihren 30 Gottesdienstbesuchern und lernte nebenbei für die Diplomprüfung.

Eine Station als Diakon in Ilmenau schloss sich an. „Die Kinder- und Jugendarbeit habe ich gerne gemacht.“ Wolf engagierte sich besonders in der Ministranten-Schulung und hielt Religionsunterricht. Der Gottesdienst stand aber durchgehend im Zentrum. „Predigen ist eine Herausforderung“, sagte der neue Saalfelder Pfarrer. „Es ist nicht immer einfach, Gedanken und die rechten Worte zu finden, um auf die verschiedenen Anlässe eingehen zu können.“

Die Priesterweihe am 30. Mai 2009 im Erfurter Dom St. Marien war für Wolf „eindrucksvoll“. Es gab „Bestärkung durch die Familie und die Mitbrüder. Im Freundeskreis ist meine Entscheidung verstanden worden“.

Vier Jahre Dienst als Kaplan in Mühlhausen sind „eine Zeit der Fülle gewesen“, so der 37-Jährige. Der Religionsunterricht, die Kinderbibelwoche, die Sternsingeraktion und viele weitere Aktivitäten zeigten das „Miteinander in einer lebendigen Gemeinde“. Der Strukturwandel innerhalb der katholischen Kirche, wie vielerorts in Thüringen, war schon damals eine einschneidende Entwicklung. 2013 folgte der Wechsel in die Gemeinde „St. Johannes Baptist“ in Jena. „Dort war alles anders. Es ist eine große, wachsende Pfarrei. Es gibt eine Fülle an Möglichkeiten und viele junge Familien.“

Wolf betreute 40 Firmlinge und 60 Ministranten. „Jeden Sonntag gibt es 9.30 Uhr einen Kindergottesdienst.“ Auch in der Gemeinde mit 7300 Mitgliedern übernahm er wieder die Ministrantenausbildung. Ausflüge wurden organisiert, oder religiöse Kinderwochen. Zudem war David Wolf für die Firmvorbereitung zuständig.

Der Weg nach Saalfeld – nun endlich als Pfarrer – fiel dann leicht. Als Nachfolger von Bruno Wagner beschreitet David Wolf jetzt „komplettes Neuland. Es ist ein großer Schritt“. Verwaltung, Organisation und Management zählt er auf. Eine viel stärkere Verantwortung kommt noch hinzu. Wertvolle Unterstützung erhielt er in den ersten Wochen vor allem von den Gemeindegliedern Birgit Moecke, Rita Schwarz und Christel Materna.

„Es war ein einfacher Start. Bruno Wagner hat mir viel geholfen. Die Gemeinde ist offen, interessiert und tritt mit vielen Wünschen an einen jungen Pfarrer heran.“ Birgit Moecke meinte, es gebe neben all dem Positiven im Neuanfang hier und da vereinzelt kritische Stimmen. „Aber, er hat viele Mitmenschen, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen, um die Eingewöhnung so angenehm wie möglich zu gestalten. Dass der neue Pfarrer so jung ist, ist eine Chance für alle, das Gemeindeleben zu bereichern.“

Die Corpus-Christi-Kirche selbst findet David Wolf sehr schön. Ganz besonders mag er das große, bunte Sakramentsfenster. Leicht gefallen ist ihm der Weg in die Feengrottenstadt mit seinen 1300 Katholiken auch, weil sich Diakon Mathias Kugler und er schon viele Jahre kennen. „Ich bin froh, dass Mathias so engagiert ist. Offiziell ist er ja jetzt noch in der Elternzeit.“

Für den neuen Pfarrer ging es in den ersten Wochen darum, Kontakt zu den kirchlichen Gruppen und den Familien herzustellen und zu pflegen. Wie bei seinen Vorgängerstationen möchte sich David Wolf auch in Saalfeld besonders der Ministrantenschulung widmen.

„Ich wünsche ihm, dass er seine Rolle als Gemeindeführer findet und als dieser auch akzeptiert wird“, sagte Birgit Moecke. Ganz besonders hofft sie, dass der neue Pfarrer so wenig wie möglich von bürokratischen Aufgaben vereinnahmt wird und die so wertvolle Zeit und Kraft für die Seelsorge findet. „Ich wünsche mir auch, dass seine Predigten weiterhin so prägnant sind.“ Einiges hat sich in der Corpus-Christi-Gemeinde bereits geändert. Noch viel mehr wird sich in den kommenden Jahren für die Katholiken im Landkreis verändern. Zunächst soll per Anfang 2020 eine Sekretärin im Saalfelder Pfarrhaus als Kontaktperson für einige Verwaltungsaufgaben da sein. Viel größer wird die Umstellung, wenn die vier Gemeinden Saalfeld, Rudolstadt, Bad Blankenburg und Schwarza-Nord 2021 fusionieren. „So Gott will, werde ich die zukünftige Pfarrei übernehmen“, sagte Wolf. „Es wird eine Zeit der Ideen und der Neuausrichtung.“

Ein Schritt hin zu verstärkten Gemeinsamkeiten der Katholiken im Landkreis ist die Rom-Wallfahrt in dieser Woche, „auf die ich mich schon sehr gefreut habe“, sagte David Wolf. In der ewigen Stadt wird es eine anregende gemeinsame Pilgerzeit und viele gemeinsame Gebete geben, so der 37-Jährige. Nicht nur für den Pfarrer ergibt sich dadurch die Gelegenheit, Menschen aus den vier Pfarreien intensiver kennenzulernen.

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