Saalfeld-Rudolstadt: Weniger Arbeitslose, mehr Stellen

Saalfeld/Rudolstadt.  Der Arbeitsmarkt im Landkreis unterlag in den vergangenen zehn Jahren einem gravierenden Wandel. Doch wo arbeiten die Leute eigentlich?

Gut zu sehen ist in dieser Darstellung, wie sich die Zahl der Arbeitslosen und der offenen Stellen im Landkreis in den vergangenen zehn Jahren entwickelt haben.

Gut zu sehen ist in dieser Darstellung, wie sich die Zahl der Arbeitslosen und der offenen Stellen im Landkreis in den vergangenen zehn Jahren entwickelt haben.

Foto: Bundesagentur für Arbeit

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Als Uwe-Jens Kremlitschka vor 20 Jahren nach Saalfeld kam, um die dortige Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit übergangsweise für ein Vierteljahr zu übernehmen, war die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Saalfeld-Rudolstadt noch fünfstellig. Die Quote lag im Jahresdurchschnitt bei 16,8 Prozent, unter den erwerbsfähigen Frauen war fast jede Fünfte ohne Job. Hinzu kamen noch über 2000 Menschen, die man in ABM und Ein-Euro-Jobs versteckte.

Zahl der Arbeitslosen 2007 erstmals unter 10.000

Zwei Jahrzehnte später fährt Kremlitschka, der in Jena zu Hause ist, noch immer jeden Tag als Geschäftsführer des Jobcenters nach Saalfeld. Der Arbeitsmarkt aber hat sich in dieser Zeit gravierend gewandelt. Das belegen die nackten Zahlen. 2007 sank die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis im Jahresdurchschnitt erstmals unter 10.000, vier Jahre später rutschte die Quote zum ersten Mal unter zehn Prozent. Bis 2013 halbierte sich die Arbeitslosenzahl noch einmal, heute liegt sie im Jahresdurchschnitt bei 2866. Die Quote erreichte ihren Tiefststand im vorigen November mit 4,7 Prozent.

„Besser sein als Bremen“, gab der Chef des Jobcenters vor zehn Jahren als Ziel aus, das seinerzeit noch schwer erreichbar schien. Inzwischen steht Saalfeld-Rudolstadt bei der Arbeitslosenquote nicht nur besser als Bremen da, das im Dezember bei 9,8 Prozent lag, sondern auch als Berlin, Nordrhein-Westfalen, das Saarland, Schleswig-Holstein oder Hamburg.

Dreimal so viele offene Stellen wie im Jahr 2009

Gleichzeitig hat sich die Zahl der offenen Stellen in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich erhöht; sie hat sich von 372 im Jahre 2009 auf jetzt 1328 sogar mehr als verdreifacht. Dabei reden wir von regulären sozialversicherungspflichtigen Jobs. Jede einzelne Stelle kann im Internet nachgelesen werden - vom Filialleiter bei Lidl in Saalfeld bis zum Wareneingangsprüfer bei den Saugbaggerherstellern von RSP in Saalfeld. Ja, es sind Zeitarbeitsjobs darunter. Ihr Anteil geht aber zurück.

„2019 war, wie erwartet, ein gutes Jahr für den Arbeitsmarkt“, konstatiert auch Holger Bock, Vorsitzender der Geschäftsführung der Jenaer Arbeitsagentur, die sich sozusagen um die Vermittlung frischer Arbeitsloser kümmert. Aufgrund der breiten Wirtschaftsstruktur sei die konjunkturelle Eintrübung im Agenturbezirk gering ausgefallen. „Ich rechne damit, dass sich im neuen Jahr der Markt in unserer Region stabilisieren wird. Eine große Herausforderung wird es sein, mit dem verfügbaren Arbeitskräftepotenzial den Bedarf der Unternehmen zu decken“, so der Dittrichshütter.

Zeitarbeit bei Jobs erst an zehnter Stelle der Branchen

Interessant ist ein Blick darauf, in welchen Branchen sich die aktuell mehr als 35.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis bewegen. Dabei zeigt sich, dass fast die Hälfte ihren Lohn und ihr Brot in zwei Wirtschaftszweigen verdienen: Gut 10.000 Leute arbeiten im verarbeitenden Gewerbe, also der Industrie, weitere gut 7000 im Gesundheits- und Sozialwesen, wo beispielsweise in der Altenpflege auch die größte Nachfrage besteht. Danach kommen mit Abstand die Kfz-Branche mit mehr als 4000 Beschäftigten und die Baubranche mit 2500. In öffentlichen Verwaltungen arbeiten etwa 1600 Frauen und Männer, im Verkehrsgewerbe 1400 und in der Bildung knapp 1200. Zeitarbeit, die gesondert aufgeführt wird, kommt im Landkreis mit knapp 800 Beschäftigten sogar noch nach dem gebeutelten Gastgewerbe erst an zehnter Stelle.

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