Saalfeld will wertvollen Annenaltar kaufen

Saalfeld  Seit 1928 ist das Kunstwerk eine Leihgabe im Saalfelder Stadtmuseum. Nun will das Haus Sachsen-Meiningen Geld

Das Haus Sachsen-Meiningen will den Oberpreilipper Annenaltar verkaufen. Will die Stadt Saalfeld, in deren Stadtmuseum der Altar seit 1928 hängt, die Käuferin sein, muss sie einem Gutachten zufolge 224.000 Euro aufbringen.

Das Haus Sachsen-Meiningen will den Oberpreilipper Annenaltar verkaufen. Will die Stadt Saalfeld, in deren Stadtmuseum der Altar seit 1928 hängt, die Käuferin sein, muss sie einem Gutachten zufolge 224.000 Euro aufbringen.

Foto: Guido Berg

Vier mittelalterliche Altäre, versammelt in einem Raum, bilden im Saalfelder Stadtmuseum ein einmaliges Ensemble. Doch mit dieser anmutigen Vierheit könnte es bald vorbei sein: Der Leihgeber des „Oberpreilipper Annenaltars“, das Herzogliche Haus Sachsen-Meiningen, will das religiöse Triptychon am Markt verkaufen, informierte Saalfelds Bürgermeister Steffen Kania (CDU) in der Vorwoche den Stadtrat.

Es sei denn, die Stadt Saalfeld wolle das aus der Oberpreilipper Kirche stammende und seit 1928 im Klostermuseum hängende Kunstwerk selbst kaufen. In einem Gutachten des Auktionshauses Christie‘s, vorgelegt durch den Treuhänder Wolf von Trotha, ist das schöne Stück auf 224.000 Euro geschätzt worden, erläuterte der Bürgermeister. Für diese Summe könne Saalfeld den Altar kaufen.

„Ein hervorragendes Stück Kultur“

Gefertigt wurde der Oberpreilipper Annenaltar im Jahr 1498 in Saalfeld durch einen namentlichen nicht bekannten Meister, von dem nur bekannt ist, dass von ihm auch der Kürbitzer Altar stammt. Der Altar aus Oberpreilipp hat einen Mittelschrein und jeweils links und rechts einen Flügel. Abgebildet sind biblische Figuren. Zentrale Figur ist die heilige Anna, die Mutter Marias und somit Großmutter von Jesus Christus. Auf dem Arm hält sie sowohl Maria als auch das Jesus-Kind, wobei Jesus voluminöser abgebildet ist als Maria, was seine Bedeutung unterstreichen soll, erklärte die wissenschaftliche Museumsmitarbeiterin Claudia Streitberger am Dienstag der OTZ.

„Das ist eines unserer wertvollsten Ausstellungsstücke“, betonte Claudia Streitberger, sowohl hinsichtlich des künstlerischen als auch des preislichen Wertes. Es wäre aus ihrer Sicht sehr bedauerlich, könnte der Altar nicht mehr im Saalfelder Klostermuseum gezeigt werden.

Diese Ansicht vertreten auch die Saalfelder Stadträte. Einstimmig erteilten sie dem Bürgermeister das Mandat, in die Verkaufsverhandlungen einzutreten. Gleichzeitig genehmigten sie dafür maximal 80.000 Euro aus dem Stadthaushalt. Dem Bürgermeister zufolge muss Saalfeld die Summe von 224.000 Euro nicht selbst aufbringen.

Im Antragstext an den Stadtrat heißt es, die Summe stelle für Saalfeld „eine große Herausforderung“ dar. Daher ist die Stadt im Gespräch mit der Thüringer Staatskanzlei, die dieselbe Summe aufbringen wolle wie die Stadt Saalfeld. „Wir wollen versuchen, den Kaufpreis nach unten zu drücken“, kündigte der Bürgermeister an. Es bestehe die Hoffnung, den Eigenanteil der Stadt sogar noch senken zu können.

Bereits im Jahr 2001 hatte die Stadt den Freistaat Thüringen sowie die Kulturstiftung der Länder an ihrer Seite. Damals kauften sie zu dritt den Oberpreilipper Marienaltar und den Obernitzer Altar für 890.000 D-Mark, heißt es im Antragstext an den Stadtrat. Auch die Marionetten der ehemaligen Roland-Bühne Saalfeld wurden 2010 durch eine große gemeinsame Anstrengung der Saalfelder Stadtgesellschaft auf einer Auktion für 16.000 Euro zurückgekauft, die OTZ berichtete.

Auch beim Oberpreilipper Annenaltar will Saalfeld nicht sehen, dass er in privaten Sammlungen verschwindet. Das Kunstwerk „gehört zur Stadt Saalfeld“, betonte Bürgermeister Kania. Parteiübergreifend herrscht darüber Einigkeit. „Das ist ein hervorragendes Stück Kultur“, erklärte Stadtrat Eric. H. Weigelt (Die Jungen). Es sollte unbedingt versucht werden, den Altar in Saalfeld zu halten. Stadtrat Joachim Heinecke (FDP) wünscht der Stadt „gutes Verhandlungsgeschick“.

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