Saalfelder Kirchenchöre trotzen Corona

Saalfeld.  Kantor Andreas Marquart erhält Unterstützung in Sachen Probenräume - Stiftungsvolumen für die Chorarbeit wächst weiter.

Eine besondere Abendmotette mit den Thüringer Sängerknaben gab es Ende Juli in der Gertrudiskirche in Saalfeld-Graba. Während die Zuhörer aus Abstandsgründen neben dem Kirchenschiff auch im Chorraum Platz nahmen, befanden sich die jungen Sänger auf den Emporen. 

Eine besondere Abendmotette mit den Thüringer Sängerknaben gab es Ende Juli in der Gertrudiskirche in Saalfeld-Graba. Während die Zuhörer aus Abstandsgründen neben dem Kirchenschiff auch im Chorraum Platz nahmen, befanden sich die jungen Sänger auf den Emporen. 

Foto: Robin Kraska

Chorproben unter erschwerten Bedingungen gibt es seit März für Kantor Andreas Marquart. Seit Corona können die „Thüringer Sängerknaben“, der „Mädelchor“ und der „Oratorienchor“ nur unter Einschränkungen ihrer Leidenschaft nachgehen. Sie tun es aber weiterhin mit Freude und Enthusiasmus, berichtete Marquart bei der Jahreshauptversammlung des Vereins „Freunde der Thüringer Sängerknaben“.

Das Kantorat als Probenzentrum durfte und darf nicht genutzt werden. Um überhaupt Chorwerke einüben zu können, mussten die Proben umgestaltet werden. Abstände sind, wie anderenorts auch, nötig. Teilweise konnte nur die Hälfte der Sängerinnen und Sänger – wie in der Gertrudiskirche zu den Chorwochen – bei den Gesangsübungen in dem Gotteshaus dabei sein.

Probenwochen in Graba statt der traditionellen Chorreise

Da die winterkalte Zeit schon bald anbricht, suchte der Kantor mit seiner Assistentin Lisa Gräbner mögliche Alternativen. „Wir haben Unterstützung vom Bildungszentrum (BZ), vom Landrat mit der Schlosskapelle und der SAMAG erhalten“, ist Andreas Marquart dankbar. Besonders erwähnte er die Hilfe des Geschäftsführers des BZ, Christoph Majewski, der selbst einst als Sängerknabe Chormitglied war.

Die traditionelle Chorreise der „Sängerknaben“ musste in diesem Jahr ausfallen. Stattdessen gab es die Probenwochen für die Kinder und Jugendlichen in Graba, bei denen die Chöre aufgeteilt wurden und zwischendurch verschiedenen Freizeitaktivitäten nachgehen konnten. „Alle hatten viel Spaß“, freute sich der Kantor auch über den Zusammenhalt in schwierigen Zeiten.

Ausgefallen ist 2020 auch das Ehemaligentreffen, berichtete der Vorsitzende des 370 Mitglieder umfassenden Fördervereins, Hardy Brömel. Zum 70-jährigen Jubiläum der Gründung der „Thüringer Sängerknaben“ hätte – wie immer im fünfjährigen Turnus – ein großes Chorwochenende gefeiert werden sollen. Nachholtermin mit Konzerten und Feiern unter anderem auf dem Bergfried sowie einem Gala-Abend im „Meininger Hof“ ist 2022.

Der Verein hatte sich in diesem Jahr finanziell an der Modernisierung und Sanierung des Kantoratseingangsbereichs beteiligt. „Tatsächlich ist der Kantoratshof zwischenzeitlich nahezu fertig gestellt“, ist der Vereinsvorsitzende zufrieden. Ein Zuschuss von 5800 Euro half bei der Neugestaltung durch den Evangelischen Kirchgemeindeverband Saalfeld. Andere Zuwendungen gingen unter anderem direkt in die Chorarbeit, Geschenke für die Knaben und Mädels zu Geburtstagen und Weihnachten sowie die Freizeitkleidung für neue Chorsänger wurden finanziert. Der größte finanzielle Aufwand ist die Finanzierung der Chorassistentenstelle.

Zur Jahreshauptversammlung wurde die Projektidee für eine neue Publikation über Walter Schönheit vorgestellt. Der ehemalige Kantor hatte ab den 1950er-Jahren den Chor der „Thüringer Sängerknaben“ über Jahrzehnte zu einem bemerkenswerten Niveau geführt. Die Anregung für die Publikation kam vom Sängerknaben Hans-Ulrich Schwenkbier. Mehrere Autoren sollen ihre Erinnerungen an Schönheit niederschreiben.

Chorfamilientag wird zu einem besonderen Erlebnis

Der Chorfamilientag 2020 wurde auch dank des schönen Wetters und trotz der coronabedingten Einschränkungen zu einem besonderen Erlebnis.

Die Mitglieder der „Thüringer Sängerknaben“ und des „Mädelchors“ trafen sich im Garten des Evangelischen Gemeindehauses Am Hohen Ufer zusammen mit ihren Eltern und den Mitgliedern des Vereins. Es wurde erzählt, gespielt, gelacht, gegessen und getrunken.

Am späteren Nachmittag gab es noch einen musikalischen Auftritt. „Obwohl der Chorfamilientag mit einem großen Zeitaufwand und einem großen Engagement einhergeht, hat er doch gezeigt, dass er zum `Wir-Gefühl beiträgt und dass sich die Jungs, Mädels und Eltern freuen, auch mal ein Dankeschön zu bekommen“, so der Vereinsvorsitzende Hardy Brömel.

Der 2015 gegründete Stiftungsfonds hat unterdessen eine Höhe von über 86.000 Euro erreicht, berichtete Kassierer Christian Möcke. „Für die großzügige Unterstützung bei der kontinuierlichen Dotierung unseres Stiftungsfonds sind wir sehr dankbar. Für 2020 erhielten wir eine Finanzierungszusage durch die Stiftung der Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt in Höhe von 10.000 Euro.“