Saalfelder kritisieren Gesetz: Solarstrom wird „vernichtet“

Saalfeld.  Stephan Scheil und Jürgen Brengel betreiben Photovoltaik-Anlagen. Sie ärgert: Wenn die Sonne scheint, wird die Solarstrom-Produktion ausgebremst.

Stephan Scheil, Inhaber und Geschäftsführer der Sacos Soft- und Hardware GmbH in Saalfeld, betreibt auf dem Dach seines Unternehmens eine Photovoltaikanlage. Er hat gut lachen, wenn die Sonne scheint - auch wenn seine Solaranlage auf 7o Prozent seiner Höchstleistung begrenzt ist im Zuge einer Änderung im Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Stephan Scheil, Inhaber und Geschäftsführer der Sacos Soft- und Hardware GmbH in Saalfeld, betreibt auf dem Dach seines Unternehmens eine Photovoltaikanlage. Er hat gut lachen, wenn die Sonne scheint - auch wenn seine Solaranlage auf 7o Prozent seiner Höchstleistung begrenzt ist im Zuge einer Änderung im Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Foto: Guido Berg / OTZ

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Stephan Scheil und Jürgen Brengel haben etwas gemeinsam: Beide betreiben in Saalfeld jeweils eine Photovoltaik-Anlage. Scheil ist Inhaber und Geschäftsführer der Sacos Soft- und Hardware GmbH im Gewerbegebiet am Mittleren Watzenbach. Brengel ist Geschäftsführer der Saalfelder Tafel in Gorndorf.

Und noch etwas haben beide gemeinsam: Sie sind überrascht und verärgert darüber, dass ihre Photovoltaikanlagen auf 70 Prozent ihrer Höchstleistung begrenzt sind. Basis dafür ist eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) von 2012. Der angegebene Grund ist eine Vermeidung von Überlastungen des Stromnetzes, die Gewährleistung der Stromnetzstabilität.

„Wir werden per Gesetz gezwungen, Energie zu vernichten“

Das führt zu der Situation, dass die Spitzenleistung der Anlage über die Mittagsstunde gekappt wird. Stephan Scheil: Die Leistungsangabe auf dem Monitor steigt am Vormittag bis zu 70 Prozent der Maximalleistung und verharrt dort über die Mittagszeit. Der Sacos-Chef ist davon nicht amüsiert: „Die Solarbranche wird abgeschaltet, wenn die Sonne scheint.“ Von seiner 26-Kilowatt-Anlage darf er nur maximal 20 Kilowatt nutzen. Scheils Urteil ist eindeutig: „Wir werden per Gesetz gezwungen, Energie zu vernichten.“

Auch Jürgen Brengel ist über die sogenannte 70-Prozent-Regel oder auch oder „Wirkleistungsbegrenzung“ verärgert. Kalkuliert hatte er mit der 100-prozentigen Leistung, „die Kalkulation wird dadurch geschmälert“, sagt er. „Da brauche ich auch keine Energiewende“, so seine Kritik.

Das Argument der Netzüberlastung bei starkem Sonnenschein lässt Sacos-Chef Scheil nicht gelten. „Die Gesetze sind gegen den Umweltschutz gemacht“, sagt er, der mit seiner Photovoltaikanlage nicht nur 96 Prozent des Energiebedarfs seiner Firma deckt, sondern auch sein E-Auto damit auflädt. Sein Argument gegen die 70-Prozent-Regelung: Überschüssiger Solarstrom in Zeiten hoher Sonnenenergie könnte gespeichert werden.

Speicherung ist „besser, als die Stromvernichtung im eigenen Haus“

Scheil hält selbst in seinem Firmengebäude große Lithium-Ionen-Batterien vor. Neben Batterien gebe andere Speichermöglichkeiten, etwa, in dem überschüssiger Ökostrom dazu genutzt wird, Wasserstoff durch Wasserelektrolyse herzustellen und in großen unterirdischen Kavernen zu lagern. Das Schlagwort heißt „Power-to-Gas“. „Die Technologie ist da“, sagt Scheil. Die Zwischenspeicherung von überschüssigem Strom geschehe zwar unter gewissen Verlusten. Das sei jedoch „sehr viel besser, als die Stromvernichtung im eigenen Haus“.

Große Solaranlagen sind nicht von der 70-Prozent-Regelung betroffen. Sie sind per Funk mit den Netzbetreibern verbunden und können von diesen in Spitzenzeiten komplett abgeschaltet werden, berichtet Scheil. Im Frühjahr, bei wolkenfreiem Himmel und 15 Grad Außentemperatur, wenn die Photovoltaikanlagen ihre Maximalleistung bringen, „dann gehen die großen Anlagen komplett vom Netz“. Scheil nennt als Beispiel die große Solaranlage im Saalfelder Ortsteil Köditz.

„Ich kann Photovoltaik nur jedem empfehlen, ob geschäftlich oder privat“

Bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist es nach Auskunft bei Geschäftsführer Andreas Krauße mittlerweile nahezu jedes Dach mit einer Solaranlage ausgerüstet. Das Problem der beiden anderen Photovoltaik-Betreiber habe die Awo aber nicht, da sie ihren Solarstrom nicht ins Netz einspeise, sondern zu 100 Prozent selber nutze. Die Anlagen der Awo produzierten Strom, mit dem 35 Einfamilienhäuser versorgt werden könnten. Allerdings: Obwohl die Awo nicht ins Netz einspeise, müsse sie Netzentgelte bezahlen, was der Awo-Chef bemängelt. Dennoch: „Ich kann Photovoltaik nur jedem empfehlen, ob geschäftlich oder privat“, erklärt Krauße. Im Schnitt habe sich eine Solaranlage nach sieben bis acht Jahren bezahlt gemacht.

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