Saalfelder Zahnarzt hilft in Myanmar als „Swimming Doctor“

Saalfeld.  Sebastian Luthardt hilft in Entwicklungsländern. “Drei Löffel Zucker in die Coca Cola“ - oft fehlt es dort an Aufklärung über Zahngesundheit.

Der junge Saalfelder Zahnarzt Sebastian Luthardt ist zurück von seinem dritten Hilfseinsatz auf einem schwimmenden Hospitalschiff in Myanmar, der "Swimming Doctors 3". Vom Schiff aus werden auch Schulen besucht, um den Schülern dort das Zähneputzen beizubringen.

Der junge Saalfelder Zahnarzt Sebastian Luthardt ist zurück von seinem dritten Hilfseinsatz auf einem schwimmenden Hospitalschiff in Myanmar, der "Swimming Doctors 3". Vom Schiff aus werden auch Schulen besucht, um den Schülern dort das Zähneputzen beizubringen.

Foto: Sebastian Luthardt

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Sebastian Luthardt wollte etwas zurückgeben. Nach dem Abitur auf dem Sportgymnasium in Erfurt stand er vor der Frage: Leistungsschwimmer oder Studium? Der Sohn einer Saalfelder Zahnärztin entschied sich für das Zahnarzt-Studium in Dresden, dass er erfolgreich abschloss. Kurzum: Ihm ging es gut, einem Studienfreund ebenso und sie wollten etwas zurückgeben.

Auf der Isla del Sol, der Sonneninsel im Titicacasee in Bolivien, gibt es eine kleine Zahnstation. Dort halfen die jungen Ärzte jedem, der es nötig hatte, und das waren nicht wenige. Sie sahen viele zerstörte Zähne und der Grund dafür ist Armut und der daraus resultierende Mangel an Bildung. „Das war unser größter Schock: Es gibt Leute, die noch extra drei Löffel Zucker in die Coca Cola schütten“, erzählt der 32-Jährige, der seit vier Jahren angestellter Zahnarzt in der Praxis seiner Mutter ist.

Vier Wochen dauerte ihr Einsatz auf der Sonneninsel. Es waren lange vier Wochen, es gab kein Internet, und der junge Saalfelder erinnert sich, er habe noch nie so viele Bücher gelesen, wie in dieser Zeit. Aber er hat durchgehalten und hätte nun mit Fug und Recht sagen können: Ich habe etwas zurückgegeben. Das war es.

Er nahm ihnen die Zahnschmerzen, sie schenkten ihm ihre Dankbarkeit

Doch so kam es nicht. Ihm war klar geworden, dass er in Bolivien nicht nur gegeben hat. Er hat auch genommen, er hat auch etwas bekommen. Er hat vielen Menschen ihre Zahnschmerzen genommen und sie schenkten ihm ihre liebenswürdige Dankbarkeit. Einer Dankbarkeit, die es ihm angetan hat, einer, nach der er, so sagt er es lachend, süchtig geworden ist.

Der junge Arzt unternahm weitere Hilfseinsätze in Entwicklungsländern. Gerade ist er zurück von seiner dritten Fahrt auf einem schwimmenden Hospitalschiff in Myanmar. Auf dem Schiff „Swimming Doctors 3“ werden jährlich 17.000 Patienten aller Altersgruppen betreut. Das Schiff läuft zwölfmal im Jahr am ersten Tag jeden Monats aus und versorgt auf einer festen Route innerhalb von drei Wochen zentral gelegene Dörfer im Irrawaddy-Delta. Auch die prophylaktische Vorsorge in Schulen und deren Ausstattung mit Zahnbürsten und Zahnpasta ist eine der vielen Aufgaben, die die Ärzte auf dem Schiff haben. Unterstützt werden die „Swimming Doctors“ u.a. von der Stiftung „Life“, die Sebastian Luthardt wegen ihres „gläsernen“ Spendenkontos sehr schätzt.

Seine Dusche auf der „Swimming Doctors 3“: Wassereimer und Kelle

Sebastian Luthardt entspricht keinesfalls dem Klischee des Porsche-fahrenden deutschen Zahnarztes. Er kommt mit wenig Komfort aus. Seine Dusche auf der „Swimming Doctors 3“ besteht aus einem Wassereimer und einer Kelle - „kein Problem für mich“, sagt er lachend. Wenn er auch sagt, dass einige seiner ehemaligen Kommilitonen schon eher materiell orientiert seien, treffe das auf ihn nicht zu. Schon gar nicht nach einer Rückkehr aus Myanmar: „Nach so einem Einsatz spielen materielle Dinge keine Rolle mehr.“ Man blicke dann „weit über den Tellerrand hinaus und hat nicht mehr diesen Tunnelblick“. Sehr beeindruckt hat ihn die Tatsache, dass derjenige, der in Myanmar einem Obdachlosen etwas zusteckt, auch derjenige ist, der in diesem Moment „danke“ sagt.

Ende 2020 will der ledige Saalfelder wieder auf der „Swimming Doctors 3“ arbeiten. Unentgeltlich wie immer, Kost und Logis sind frei. Bis es soweit ist, hat Sebastian Luthardt noch diese Prüfung zu bestehen: Anfang März verteidigt er seine Doktorarbeit über die zahnmedizinische Verwendung des Werkstoffes Zirkon. Und auch das steht noch „auf der Agenda“: Perspektivisch würde er auch gern einmal in Nepal arbeiten – „weil es mir so viel gibt“.

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