Saalfelds Gewerbetreibende wollen keinen zweiten Lockdown

Saalfeld.  Eine Umfrage unter Saalfelds Händlern ergibt ein klares Stimmungsbild. Der Bürgermeister mahnt zur Einhaltung der Hygieneregeln.

„Wenn wir uns alle an die Hygieneregeln halten, dann müsste es vielleicht ohne Lockdown zu schaffen sein.“ – Birgit und Markus Lange vom Fotostudio Lange in Saalfeld.

„Wenn wir uns alle an die Hygieneregeln halten, dann müsste es vielleicht ohne Lockdown zu schaffen sein.“ – Birgit und Markus Lange vom Fotostudio Lange in Saalfeld.

Foto: Guido Berg

Die Gewerbetreibenden der Saalfelder Innenstadt stehen einem erneuten Corona-Lockdown nahezu geschlossen kritisch und ablehnend gegenüber. Die Stimmung ist geprägt von besorgter Nachdenklichkeit bis hin zur puren Existenzangst. Das ergab eine Zufallsumfrage unserer Redaktion am Dienstag. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

„Ich will keinen Lockdown – es sei denn, es muss sein.“ So beschreibt Kleiderhändler Sven Antemann seine Haltung. Mit 98 Prozent Umsatzeinbußen bei der ersten Corona-Schließung im Frühjahr ist er noch „mit einem blauen Auge“ davon gekommen. Er rät jetzt: „Nerven behalten – Schulen, Kindergärten und Läden sollten geöffnet bleiben.“

Zudem will Sven Antemann eine Gerechtigkeitsdiskussion: „Nicht nur die Mittelständler, auch die Konzerne sollen Steuern zahlen, damit der Staat seinen Aufgaben gerecht werden kann.“ Besonders im Blick hat er damit einen großen, weltweit tätigen Konzern für Online-Handel.

Ein Lockdown „wäre zum Teil katastrophal für die Händler“, sagt auch Werbering-Vorstand Oliver Brömel. Deshalb begrüßt er explizit die Ankündigung des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke), der sich am Montag gegen pauschale Schließungen von Schulen, Geschäften oder Restaurants ausgesprochen hat. Andere Länder diskutieren indes bereits über einen weiteres Herunterfahren des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens. Brömel sagt: „Ruhig Blut“ und „keine Panik“ ist jetzt eine „sehr, sehr gute Haltung“.

Kania: Die Stadt ist aktuell gut gerüstet

Auch Saalfelds Bürgermeister Steffen Kania (CDU) erklärte am Montag auf Anfrage, er hoffe, „dass ein zweiter Lockdown nicht erforderlich ist, denn dies würde neben den Einschränkungen für die Bürgerinnen und Bürger eine weitreichende Schwächung der Wirtschaft, des Handels und der Gastronomie nach sich ziehen.“ Die Stadt Saalfeld sei „aktuell gut gerüstet und aufgestellt“.

Kania erklärte weiter: „Ich rufe die Saalfelderinnen und Saalfelder dazu auf, die jetzt geltenden Hygieneregeln zu befolgen, damit ein weiterer Anstieg der Infektionszahlen vermieden werden kann. Jeder einzelne kann mit wenig Aufwand dazu beitragen, sich und seine Mitmenschen zu schützen und gemeinsam die Krise so gut wie möglich zu bewältigen.“

„Ich habe Angst – Existenzangst“, gab Isabel Hiekel unumwunden zu. Die Betreiberin des Cafés Eleven am Oberen Tor erzählt, schon den ersten Lockdown vom 20. März bis zum 15. Mai habe sie nur überstanden „dank der Familie und einer Förderung des Landes“. Und eines Vermieters, der viel Verständnis für die besondere Lage aufbrachte. Ein Patentrezept bei steigendenden Corona-Zahlen habe auch sie nicht. Isabel Hiekel: „Ich möchte nicht in der Haut der Politiker stecken, die die Entscheidungen treffen müssen.“

„Es müsste ohne Lockdown zu schaffen sein“

Wenn es nach Sylvia Kohl vom „Juwelier Schneider“ geht, hätte es auch den Lockdown vom Frühjahr nicht geben müssen. Nun hat sie für große Summen Ware für das Weihnachtsgeschäft eingekauft; bei einem erneuten Lockdown hätte sie diese Investition „in den Sand gesetzt“. Auch Carmen Weber ist in ihrem Geschenke- und Einrichtungsgeschäft „Stil“ gerade dabei, Weihnachtsware einzuräumen. Ein Lockdown wäre „eine üble Sache“, sagt sie und verweist darauf: „Wir stehen ja in Saalfeld noch ganz gut da.“

Viele Gedanken machen sich auch Birgit und Markus Lange vom Fotostudio Lange – um sich und um andere. Markus Lange hat einen Bekannten, der steht wirtschaftlich auf zwei Standbeinen, denn er ist in der Veranstaltungsbranche tätig und betreibt eine Kneipe. Beide Metiers sind nun durch Corona beeinträchtigt oder gefährdet. Birgit Lange hofft letztlich: „Wenn wir uns alle an die Hygieneregeln halten, dann müsste es vielleicht ohne Lockdown zu schaffen sein.“