Saalfelds Radfahrer sind oft zu illegalem Fahren gezwungen

Saalfeld.  Radverkehrskonzept: Bürgerspaziergang vom Bahnhof zum Markt. Verkehrsexperte: „Es ist unsere Aufgabe, die Radfahrer aus der Illegalität zu holen.“

Beim Bürgerspaziergang mit  dem Radverkehrsexperten Tobias Schönefeld (rechts) in Saalfeld im Rahmen des Radverkehrskonzeptes.

Beim Bürgerspaziergang mit  dem Radverkehrsexperten Tobias Schönefeld (rechts) in Saalfeld im Rahmen des Radverkehrskonzeptes.

Foto: Guido Berg

Saalfelds Radfahrer nutzen entweder die vorhandene Radinfrastruktur nicht oder kaum. Oder sie fahren notgedrungen in illegaler Weise durch die Stadt. Das ist das Fazit eines Bürgerspazierganges am Mittwoch vom Saalfelder Bahnhof bis zum Marktplatz im Rahmen der Erstellung des Saalfelder Radverkehrskonzeptes. Radverkehrsexperte Tobias Schönefeld sagte angesichts der Tatsache, dass nahezu alle Radfahrer einschließlich ranghoher Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Saalstraße entgegen der Einbahnstraßen-Richtung befahren: „Es ist unsere Aufgabe, die Radfahrer aus der Illegalität zu holen.“

Wer hat Vorfahrt? „Immer der Stärkere!“

Los ging es schon am Bahnhof. Kaum einer der anwesenden Radfahrer nutzt am Bahnhofskreisel die Radspur durch den Kreisel. Schönefeld hat auch eine Idee, warum das so ist: Wer im Kreisel wann Vorrang hat, „ist bei der Normalbevölkerung nicht ganz klar“. Eine Bürgerin antwortete prompt: „Immer der Stärkere!“ Schönefelder klärte auf: Bei der Einfahrt eines Autos in den Kreisel hat der Fußgänger zu warten. Bei der Ausfahrt des Autos aus dem Kreisel hat der Fußgänger Vorrang.

Zur Konfusion der Radfahrer trägt der Bahnhofskreisel auch deshalb bei, weil die Kreisinsel mit einem roten Band umgeben ist, das der roten Radmarkierung zum Verwechseln ähnlich sieht. Dabei dient der rote Inselring lediglich den Lkw-Fahrern als zusätzliches Signal, damit sie die Insel nicht überfahren.

„Würden Sie ihr Fahrrad am Bahnhof abstellen?“, wollte Radverkehrsexperte Schönefeld wissen. Und auch hier stellten die anwesenden Radfahrer der momentanen Situation kein gutes Zeugnis aus: Wohl niemand würde das tun, schon gar nicht, wenn es sich um ein teures E-Bike handelt. Dazu Schönefeld: In der Perspektive müsse eine Einschließmöglichkeit geschaffen werden: „E-Bikes am Bahnhof werden uns in der Zukunft noch intensiv beschäftigen.“

Neuer Übergang über die Bahnhofsstraße geplant

Nächste Station des Spaziergangs war die Kreuzung Bahnhofsstraße / Hüttenstraße. Schönefeld stellte dort zwei Fragen, die von den Radfahrern fast durchweg bejaht wurden: „Wer hatte hier schon mal einen Konflikt?“ und „Wer hat sich schon einmal falsch verhalten an dieser Stelle?“ Die Abzweigung zur Hüttenstraße gilt als Gefahrenstelle, diese Redaktion berichtete. Dazu Schönefeld: „Dieser Knotenpunkt ist insgesamt ein Problemfall.“

Die Radler kämen wegen des Gefälles auf der Saalebrücke mit viel zu hoher Geschwindigkeit an. Der Straßenraum Hüttenstraße sei ungewöhnlich groß aufgrund des Lkw-Lieferverkehrs bei der Samag. Möglich wäre eine Mittelinsel auf der Hüttenstraße bzw. eine Verringerung der Breite. Aber: „Eine vollständige Lösung aller Probleme werden wir hier nicht hinkriegen.“

Eine echte Nachricht verkündete die Bauverwaltung am Saaltor. Direkt auf Höhe von „Tony’s Subs & Bagels“ soll ein Übergang für Fußgänger über die Bahnhofsstraße geschaffen werden inklusive einer Mittelinsel. Wer nämlich als Fußgänger vom Bahnhof Richtung Stadt korrekt auf der rechten Seite über die Brücke läuft, hat spätestens auf Saaltor-Höhe das Bedürfnis, die Straße zu queren und auf der Saalstraße weiter zu laufen. Dass Radfahrer es ihnen gleichtun wollen, bestätigten die Anwesenden, wenn es auch nicht legal ist.

Deshalb wünschen sich Saalfelds Radfahrer die Saalstraße als Fahrradstraße, wo das Rad Vorrang hat vor dem Auto. „In Leipzig funktioniert es doch auch“, so eine Radfahrerin. Allerdings, so Schönefeld, müsste dann der durchgehende Autoverkehr raus aus der Saalstraße. „Dann haben wir Rudolstädter Verhältnisse“, meinte ein Bürger, womit er Nachteile für Innenstadthändler und in Folge dessen leerstehende Ladengeschäfte meinte. Autos würden überschätzt, entgegnete Schönefeld später auf dem Markt. Wichtiger sei Aufenthaltsqualität: „Die Portemonnaie-Dichte ist im Fußgängerverkehr am höchsten.“