Betreutes Wohnen eingeweiht

Selbstbestimmt leben im Pfahlbau

Zwischen Klosterquartier und Johanniskirche entstand für 1,6 Millionen Euro ein neues Betreutes Wohnen für Senioren. Nun wurde Einweihung gefeiert.

Projektbegleiterin Veronika Fleck freut sich mit Ingrid Wolschendorf (89), der ersten Mieterin im Haus Franziskus. Die Rentnerin bewohnt seit 23. Oktober ein Zimmer im Dachgeschoss.

Projektbegleiterin Veronika Fleck freut sich mit Ingrid Wolschendorf (89), der ersten Mieterin im Haus Franziskus. Die Rentnerin bewohnt seit 23. Oktober ein Zimmer im Dachgeschoss.

Foto: Robin Kraska

Seit Juli 2018 wurde in der Barfüßergasse gebaut, mit Kran, unter Vollsperrung, in Pfahlbauweise und das alles bei wenig Platz. Einfach sei es nicht gewesen, sagte Klaus Scholtissek, Vorsitzender der Geschäftsführung der Diakoniestiftung Weimar-Bad Lobenstein. Sie errichtete in Saalfelds Innenstadt für 1,6 Millionen Euro das Haus Franziskus, einen Neubau mit drei Geschossen und Wohngemeinschaften mit jeweils fünf Einzelzimmern für Senioren. In den drei WGs sollen alte Menschen so lange wie möglich zusammenleben, selbstbestimmt und autark, und dennoch in Gemeinschaft.

Zur feierlichen Eröffnung am Freitag segnete Pfarrer Axel Kramme, Rektor der Diakoniestiftung, das in dezentem Grau und sandfarbenen Tönen gehaltene Haus mit Mansarddach, Sonnenterrasse im Erdgeschoss und Balkonen auf den Etagen ein. Saalfelds Pfarrerin Christina Weigel verwies auf die Sichtnähe zum namengebenden Franziskanerkloster. Mit dem Haus Franziskus sei ein Ort des „Beschützen und beschützt werdens“ entstanden, so die evangelische Geistliche.

Saalfelds erste Beigeordnete Bettina Fiedler (CDU), lobte das Haus gar als einen neuen „Mittelpunkt der Nächstenliebe“ im Herzen der Stadt, den man ruhigen Gewissens als „genial zentral“ bezeichnen könne. Die Diakonie habe eine „mustergültige Symbiose“ geschaffen und auch städtebaulich gewinnbringendes geschaffen. „Das Konzept, Senioren-WGs mitten im Zentrum anzubieten, hilft auch, als alter Mensch nicht unsichtbar zu werden“, fand die Stellvertreterin des Bürgermeisters. „Hier werden Not, Leid und Schwäche als Teil des Lebens nicht weggeklickt, sondern sich ihnen gestellt.“

Mit Pfahltrick Archäologenkosten gespart

Veronika Fleck, seit 20 Jahren Leiterin der benachbarten Tagespflege und Projektbegleiterin, führte Interessierte durchs Gebäude, das seinen bis zu 15 Bewohnern helle und große Küchen sowie Gemeinschaftsräume bietet. Rückzugsmöglichkeiten bieten die eigenen, selbst zu möblierenden Wohnzimmer mit Bad.

Bereits am 23. Oktober zog mit Ingrid Wolschendorf aus Saalfeld die erste Mieterin ein. Seitdem bewohnt die 89-Jährige ein Zimmer in der Dachgeschoss-WG. Noch ist sie dort die einzige Bewohnerin, doch mit einigen weiteren Damen aus dem ersten Stock hat sie schon guten Kontakt geknüpft. „Endlich bin ich nicht mehr ganz alleine im Haus, wir treffen uns oft auf einen Kaffee“, freut sie sich, die auch die Angebote der Tagespflege nutzt. Nachdem ihr Mann im Dezember vergangenen Jahres in ein Probstzellaer Pflegeheim musste, stand auch für Ingrid Wolschendorf die Wohnfrage im Raum. Nun fühlt sich die rüstige Seniorin sehr wohl und bereut ihre Entscheidung nicht. Freie Plätze gibt es noch, Interessierte erfahren bei der Diakonie Saalfeld mehr. Veronika Fleck nennt etwa 550 Euro als Grund- und Warmmiete für ein Zimmer. Verschiedene Extras, wie Pflegeleistungen oder eine Nachtwache, sind möglich.

Martin Gebhardt, Geschäftsbereichsleiter Altenhilfe, kommentierte manchen Zweifel an der ungewöhnlichen Pfahlbauweise wie folgt: „Alle sagten uns immer wieder: Das geht nicht! Und dann kam einer, der nicht wusste, dass es nicht geht und hat es einfach gemacht!“ Gebhardt bezog sich auf das Weimarer Architekturbüro Gerotekten von Jörg Lammert, mit dem gemeinsam die Idee zu einem Pfahlbau entstand.

Diakonie-Chef Klaus Scholtissek erklärt, warum: „Da der Baugrund inmitten der Altstadt liegt, hätte er vorher eigentlich komplett archäologisch untersucht werden müssen. Das wäre auf dieser Fläche aber viel zu aufwendig und teuer gewesen. Und so mussten die Untersuchungen nur im direkten Gründungsbereich der Pfähle stattfinden!“ Dies sei ihnen insofern zupass gekommen, als dass Planungen inmitten der Stadt grundsätzlich aufwendiger seien, als auf der Grünen Wiese.

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