Stadtrat diskutiert über geplanten Solarpark bei Leutenberg

Leutenberg  Eine Landshuter Firma plant einen Solarpark auf dem ehemaligen Holzverladeplatz am Bahnhof in Leutenberg. Zudem war der Umbau der Sormitzbrücke am Kreisverkehr Thema im Rat, denn hier soll für Fischotter ein Durchlass errichtet werden.

Auf der weiß eingezeichneten Fläche gegenüber des Bahnhofs soll der Solarpark Leutenberg entstehen. Treten keine Verzögerungen auf, könnte hier bereits 2020 eine Strommenge erzeugt werden, die dem Bedarf von fast 200 Haushalten entspräche.

Auf der weiß eingezeichneten Fläche gegenüber des Bahnhofs soll der Solarpark Leutenberg entstehen. Treten keine Verzögerungen auf, könnte hier bereits 2020 eine Strommenge erzeugt werden, die dem Bedarf von fast 200 Haushalten entspräche.

Foto: Ecker Elektro GbR

Nach einigen Anlagen auf Hallendächern wie etwa bei der Firma Rameder in Munschwitz und dem im vorigen Jahr vom Stadtrat gebilligten Vattenfall-Solarpark am Pumpspeicher-Oberbecken Löhma zeichnet sich für die Stadt Leutenberg ein weiteres Sonnenstrom-Großprojekt ab: Auf dem ehemaligen Holzverladeplatz am Bahnhof will die Elektro Ecker GbR aus Landshut eine Anlage mit bis zu 700 Kilowatt Spitzenleistung errichten.

Firmenchef Josef Ecker berichtete am Montagabend vor dem Stadtrat, seine Firma sei auf der Suche nach Photovoltaik-Standorten in Leutenberg zwar bereits fündig geworden, jedoch habe man doch mehrfach verhandeln müssen, bis man sich mit dem Besitzer handelseinig wurde. Das etwa 11.500 Quadratmeter messende Areal an der Rosenthaler Straße war noch im vorigen Jahr für knapp 12.000 Euro als Verhandlungsbasis auf einem Anzeigenportal im Internet angeboten worden.

Laut Ecker soll der Solarpark Leutenberg, dessen Strom wegen der Nähe zur Bahnlinie sowie wegen der Umnutzung einer sonst brachliegenden Gewerbefläche mit einem Einspeise-Bonus rechnen könne, bis zu 670.000 Kilowattstunden pro Jahr liefern und damit eine Strommenge, mit der etwa 190 Drei-Personen-Haushalte auskämen. Weil er und seine Firma „a bisserl konservativ“ seien, verbaue man nur deutsche Produkte, so zum Beispiel Wechselrichter von SMA Kassel und PV-Module von Heckert Solar aus Chemnitz.

Mit dem Solarpark werde eine sinnvolle Nutzung der Fläche für zumindest 30 Jahre gesichert, es werde außer beim Bau keine Lärm- oder Verkehrsbelastung geben und man gewinne so „grüne Energie aus der Gegend“, warb der Niederbayer für sein Vorhaben, wobei er einräumen musste, dass es der Region dank der Wasserkraftwerke ohnehin nicht an klimafreundlich erzeugter Energie mangelt.

Auf die Frage von Sitzungsbesucher Jochen Hiebel sowie von Stadtratsmitgliedern, welchen Nutzen Leutenberg aus der mit rund 800.000 Euro veranschlagten Investition ziehen könne, verwies Ecker zum einen auf die Wartung der Anlage durch örtliche Firmen und die Bewirtschaftung einer bislang brachliegenden Fläche. Direkte Einnahmen aber kann die Kommune nicht erwarten:

Wegen der relativ niedrigen Investitionskosten und der geringen Gewinnmargen durch die Stromeinspeisung sowie durch den begleitenden steuerrechtlichen Aufwand rechne sich weder eine Bürger-Beteiligungsgesellschaft noch die Gründung einer in Leutenberg ansässigen Betreiberfirma, die die kommunalen Kassen mit Gewerbesteuer beglücken könnte. Ohnehin sei beim Ertrag „keine wahnsinnige Summe“ zu erwarten, unterstrich Ecker. Steuerlich profitieren könne Leutenberg, wenn der Solarpark nach der Errichtung möglichst bald an örtliche Investoren und Betreiber verkauft werde – genau darum werde sich sein Unternehmen bemühen, versicherte er.

Stadtratsmitglied Helga Zapf (FDP) zeigte sich trotzdem skeptisch – immerhin würde mit dem Solarpark die letzte größere Gewerbefläche in der Stadt für Jahrzehnte belegt, ohne auch nur einen zusätzlichen Arbeitsplatz zu bringen. Zu beschließen hatte der Stadtrat zum Vorhaben noch nichts, da das Unternehmen nun erst einmal einen Bebauungsplan in Auftrag geben wird, mit dessen Vorlage erst im nächsten Jahr zu rechnen ist.

Fast eine weitere Dreiviertelstunde beschäftigte dann der Fischotter respektive der zu dessen Frommen erfolgte Umbau der Sormitzbrücke am Kreisverkehr den Stadtrat. Oliver Hildebrandt von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und Planer Stephan Gunkel vom Erfurter Flussbüro erläuterten, wie bereits gegenüber dieser Zeitung geschehen, erneut Sinn und Zweck des DUH-Fischotterprojekts in Thüringen, mit dem seit 2012 insgesamt 23 Brücken für den geschützten Wassermarder passierbar gemacht wurden.

Sorge wegen eventueller Durchfluss-Verengung

Als Knackpunkt der Diskussion erwies sich die Sorge um die Sicherheit vor Hochwasser. Helga Zapf und Ronny Nichterlein (CDU) monierten, dass angesichts mutmaßlich häufigerer Niederschlags-Extreme eine Verengung des Sormitz-Durchlaufs durch den Einbau einer Stein-Berme als Otter-Wanderhilfe kontraproduktiv sei. Gunkel hielt dem entgegen, dass man auf Kritik von Anwohnern reagiert und die genehmigte Größe der Berme mehr als halbiert habe.

Damit würden bei einem theoretischen Jahrhundert-Hochwasser statt 61 nun sogar 67 Zentimeter Luft zwischen Brückenunterseite und Fluss verbleiben.

Dass es Fluten mit noch höheren Wasserständen geben könnte, sei freilich nicht auszuschließen, meinte Gunkel. Jedoch sei nun einmal das sogenannte HQ 100 der gesetzliche Bemessungsrahmen.

Der Planer hatte am Montagnachmittag, als die Sormitz dank kräftigen Dauerregens deutlich mehr als die durchschnittliche Wassermenge führte, an der Brücke ein Foto gemacht, das zeigt, wie die Berme noch immer deutlich aus dem Wasser ragt: „Es funktioniert also wie gedacht“, bekräftigte Gunkel.

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