Dramatische Suche nach Saalfelder Klinikchefin

Saalfeld.  50 Polizisten und zehn Hunde mit Führern suchen seit Donnerstag nach der vermissten Saalfelderin - bis Freitagabend vergeblich.

In Saalfeld wurde nach der Klinikchefin der Thüringen-Kliniken gesucht.

In Saalfeld wurde nach der Klinikchefin der Thüringen-Kliniken gesucht.

Foto: dpa

„Mit Einbruch der Dunkelheit müssen wir abbrechen“, sagt Nico Bennewitz. „Und suchen morgen weiter, wenn sich neue Anhaltspunkte ergeben.“ Der Kriminaloberkommissar der Saalfelder Polizei leitet die Suche nach der Vermissten, die zu diesem Zeitpunkt am späten Freitagnachmittag schon seit über 30 Stunden vermisst wird. Rund 50 Polizeibeamte, zehn Rettungshunde aus ganz Thüringen, ihre Führer und ein Polizeihubschrauber waren in dieser Zeit im Einsatz – ohne Erfolg.

Das letzte Lebenszeichen der Frau stammt von Donnerstagfrüh, als sie mit blauer Jeans, schwarzer Jacke und schwarzen Sportschuhen ihre Wohnung in Saalfeld verließ. Seitdem fehlt von der Geschäftsführerin der Thüringen-Kliniken jede Spur.

Gegen 14 Uhr am Donnerstag erstattet ihr Ehemann, ein bekannter Saalfelder Unternehmer, bei der Polizei eine Vermisstenanzeige, ungewöhnlich früh für das Verschwinden einer erwachsenen Person. Zunächst ohne Einbeziehung der Öffentlichkeit laufen die Suchmaßnahmen der Polizei an. Die Ortung des Handys bleibt erfolglos, weil das Gerät aus ist. Angehörige, Freunde und Kollegen werden befragt und machen sich unabhängig von den Maßnahmen der Polizei auf die Suche. Dann fordert die Einsatzleitung die auf die Suche von Menschen spezialisierte Hundestaffel aus Marlishausen an. Dabei konzentriert man sich zunächst auf das Wohnumfeld am Wachserzweg, denn die Chefin des mit rund 2000 Mitarbeitern größten Arbeitgebers in der Region ist seit Anfang voriger Woche im Krankenstand. Dass sie mit ihrem Husky-Hund unterwegs war, kann die Polizei nicht bestätigen.

Öffentlichkeitsfahndung von 4.02 Uhr wird hundertfach geteilt

Als die Suche bis in die Nacht hinein erfolglos bleibt – ein Hubschrauber konnte wegen der Witterung nicht aufsteigen –, entschloss man sich zur Öffentlichkeitsfahndung. Um 4.02 Uhr in der Nacht verlässt die Vermisstenmeldung mit Foto der Gesuchten den Polizeiticker. Danach wird die Information hundertfach geteilt. Die Geschäftsführerin, die vor ihrer Berufung lange Jahre als Prokuristin in dem Krankenhaus arbeitete, gilt unter den Mitarbeitern als anerkannt und beliebt. Im Dezember 2019 wurde sie vom Aufsichtsrat der Klinik als Teil einer Doppelspitze mit Chefarzt Thomas Kröhnert in die Klinikleitung berufen. Die studierte Betriebswirtin kümmert sich um den kaufmännischen Bereich.

Am Freitag geht die Suche mit allen verfügbaren Kräften weiter. Zu Hunden und Hubschrauber, der längere Zeit im Bereich des Wittmannsgereuther Tales und an den Hängen der Saalfelder Höhe unterwegs ist, gesellt sich ein Zug der Bereitschaftspolizei aus Rudolstadt. Die Frauen und Männer kommen vor allem im Bereich des Siechenbaches zum Einsatz, während sich die Hundeführer auf ein etwa drei Quadratkilometer großes Gebiet in Richtung Wittmannsgereuth und Arnsgereuth konzentrieren. Der Hinweis einer Zeugin, die Manuela Faber in Saalfeld gesehen haben will, bestätigt sich nicht. Im Krankenhaus in Saalfeld, wo man die Mitarbeiter am Morgen über das Intranet informiert hatte, kommt ein Mantrailer zum Einsatz. „Wir haben Dachboden und Kellerräume der Klinik abgesucht. Nichts“, sagt Nico Bennewitz. Hinweise auf ein Verbrechen oder ein anderes Motiv für das Verschwinden gebe es nicht.

Die Vermisste ist offiziell seit dem 1. Januar dieses Jahres Geschäftsführerin der Thüringen-Klinik GmbH mit Standorten in Saalfeld, Rudolstadt und Pößneck und einem Jahresumsatz von rund 145 Millionen Euro. Alleiniger Gesellschafter des kommunalen Krankenhaus der Regelversorgung ist der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.

Hinweise zu dem Vermisstenfall nimmt die Kriminalpolizei Saalfeld weiter unter Telefon 03672/417 14 64 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.