Tanztee löst Diskothek in Saalfeld-Rudolstadt locker ab

Saalfeld/Rudolstadt.  Die drei Veranstaltungsexperten des Landkreises sprechen über Trends, Wirtschaftlichkeit und Zusammenhalt im Städtedreieck.

Salonfähig: Die Bad Blankenburger Stadthalle wird wieder häufiger zu einem  Ballsaal statt zu einer Diskothek.

Salonfähig: Die Bad Blankenburger Stadthalle wird wieder häufiger zu einem Ballsaal statt zu einer Diskothek.

Foto: Roberto Burian

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Das wissen die drei Veranstaltungsmänner des Städtedreiecks, die in der ersten Reihe sitzen. Und das tun sie mehr als nur sinnbildlich. Rudolstadts Veranstaltungsreferent Frank Grünert, Stadthallen-Chef Matthias Gropp und Meininger-Hof-Werkleiter Tobias Fritzsche sind sich in mehreren Sachen einig: Alles hat sein Für und Wider.

Als ein Beispiel nennen sie den Eintrittspreis zum Saalfelder Marktfest, während das Altstadtfest in Rudolstadt kostenlos bleibt. Grünert versteht es als Geste der Förderer und Spender, die es ermöglichen, auch gerade für Familien und Menschen mit einem geringeren Einkommen, ein abwechslungsreiches Programm zu ermöglichen. Auch gerade der Geldbeutel ist es, der in Saalfeld die Eintrittspreise vergleichsweise niedrig hält. „Woanders würde man für die Künstler, die nach Saalfeld kommen, deutlich mehr bezahlen“, argumentiert Fritzsche.

Über ein zu geringes Angebot kann sich wohl kaum jemand beschweren, dessen sind sie sich sicher. „Es gibt für jeden Geschmack etwas und alles ist gut erreichbar“, sagt der Werkleiter und vergleicht die oft angepriesenen Großstädte mit dem Dreiklang: „Bis in einen anderen Stadtteil innerhalb von Berlin bräuchte ich länger, als von hier aus in die nächste größere Stadt.“

Qual der Wahl: fatal, aber manchmal unvermeidbar

Bewusst werden große Termine, sofern es möglich ist, nicht auf dieselben Tage oder Wochenenden gelegt. „An eine Sache erinnere ich mich aber“, sagt Fritzsche lächelnd. „Vor einiger Zeit hatten wir am selben Abend Schwanensee-Aufführungen in der Stadthalle und im Meininger Hof. In der Außenwirkung natürlich fatal, aber im Einzelfall einfach nicht zu vermeiden.“ Prinzipiell sei das Ablehnen schwierig, wenn eine Veranstaltung zum einen räumlich geeignet, zum anderen zeitlich machbar sei. „Bei Einmietung hat man keine Wahl.“

Räumlich geeignet: das ist das Stichwort. Werden die Einrichtungen des Städtedreiecks weiterempfohlen? „Ja, man muss entscheiden, was am besten passt“, sagt Fritzsche. Ob die erwartete Besucheranzahl in die Entscheidung hineinspielt, Kulissen oder Akustik: Weiterempfehlen würde er beispielsweise die Stadthalle in Bad Blankenburg. Dessen Leiter Matthias Gropp sieht es ähnlich: „Geht lieber nach Saalfeld – das habe ich schon oft gesagt.“ In seinem großen Saal sind beispielsweise selten One-Man-Shows zu erleben. Ausnahmen gibt es dennoch. „Olaf Schubert, keine Frage!“ Er sei ebenso wie „Elsterglanz“ ein Publikumsmagnet. „Nach 20 Jahren Berufserfahrung kann man das etwa einschätzen, schließlich hat man auch schon oft daneben gegriffen“, gibt Gropp zu.

Der 25. Abklatsch zieht nicht mehr

Es gibt eine weitere Beobachtung, die alle drei Experten gleichsam machen: der Trend geht weg von der Diskothek und hin zum Tanztee. „Vor 15 Jahren hatten wir noch sieben Disko-Veranstaltungen im Jahr. Heute sind es null. Es hat rein wirtschaftliche Gründe: Wir spüren die Demografie“, erklärt Gropp. Heute könne er das Haus mit solchen Genres nicht mehr füllen. „Jugendliche brauchen immer andere Reize, wechselnde Locations. Das eine Wochenende eine alte Industriehalle, das nächste Wochenende etwas schickes.“

Frank Grünert kann das bestätigen: „Unterdessen läuft der Tanztee im Löwensaal sehr gut.“ Fritzsche ergänzt: „Auch solche Sachen wie Volksmusik, Musicals und Operetten gehen immer.“ Gropp setzt auch dabei auf A-Künstler. „Mit dem 25. Abklatsch lockst du niemanden mehr.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren