Tausende Bachforellen schlüpfen früher als sonst

Bad Blankenburg.  Schuld sind milde Temperaturen. Die Eier müssen täglich kontrolliert werden. Ein Besuch bei der Forellenbrutstation Werretal in Bad Blankenburg.

Arbeitseinsatz in der Bad Blankenburger Forellenzuchtanlage. Während Manfred Wiegand (oben) das Laub aus dem Hälterbecken fischt, spült Bernd Hörnlein die befruchteten Bachforelleneier. 

Arbeitseinsatz in der Bad Blankenburger Forellenzuchtanlage. Während Manfred Wiegand (oben) das Laub aus dem Hälterbecken fischt, spült Bernd Hörnlein die befruchteten Bachforelleneier. 

Foto: Roberto Burian

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In der Forellenbrutstation Werretal sind die Arbeiten der Mitglieder des Bruthausteams in vollem Gange. Herr über die Forellenbrut ist der Fischereisportverein Unteres Schwarzatal. Bereits seit 50 Jahren kümmert er sich vor Ort um den Forellennachwuchs. Das Haus wurde in den Jahren 1965 bis 1968 erbaut. Gespeist wird die Anlage von der Braunsdorfer beziehungsweise Dittersdorfer Werre.

„Es geht uns nicht in erster Linie darum, etwas zum Angeln zu haben“, sagt der Vorsitzende Werner Schumann. Vielmehr trage der Verein mit dem Besatz zur Erhaltung der heimischen Art bei. Die Kinderstube der späteren Flossenträger fordert jeden Tag eine Intensiv-Betreuung. Tausende stecknadelkopfgroße gallertartige Kügelchen mit schwarzen Pünktchen lagern im Fisch-Bruthaus an der Schwarza. Die schwarzen Pünktchen – das sind Augen, und die Kügelchen, die werden in den nächsten Tagen zu gut ein Zentimeter langen Miniforellen. Von wegen „kühles Nass”: Im Bruthaus fließt etwa sechs Grad kaltes Bachwasser durch die Brutrinnen. Das sind zwei bis vier Grad wärmer, als es zu dieser Jahreszeit üblich ist, und damit ist der Schlupf von Bachforellen zirka drei Wochen früher als noch vor zehn Jahren.

Winzige Krebse für hungrige Jungforellen

Tägliche Kontrollen sichern gute Bedingungen zum Gelingen der Brutsaison, die im November begonnen hatte und noch bis April andauern wird. Zu den täglichen Aufgaben im Bruthaus gehören die Kontrolle und Regulierung der Wassermengen in den Brutrinnen, das Auslesen der unbefruchteten und verpilzten Eier, das Absaugen von Sedimenten aus den Brutrinnen sowie das Auslesen toter Brütlinge.

Die Vereinsmitglieder Manfred Schmidt und Stefan Franke wechseln sich bei der Brutpflege mit weiteren rüstigen Senioren ab. Die Erfolgsquote ist super: Rund 95 Prozent der befruchteten Eier werden zum Brütling - in der freien Natur entspricht das laut Schmidt dagegen etwa der Ausschussquote. Viel Arbeit haben die Angler vom ersten so genannten Abstreichen der Fische Anfang November bis zum Aussetzen der letzten Fische Anfang Mai. Das frühe Schlüpfen in diesem Jahr erhöht den Aufwand noch einmal: Nach etwa vier Wochen haben die Miniforellen ihren Dottersack aufgebraucht und haben Hunger. Weil die Forellen nicht an fertige Fischpellets gewöhnt werden sollen, bekommen sie winzige Krebse, die die Angler selbst heranzüchten.

Bis sie im Bachwasser schwimmen dürfen, müssen sich die Flossenfreunde aber noch bis in den April hinein gedulden. Doch bis aus den schwarzäugigen Kugeln und dotterumhüllten Minifischen richtige Bachforellen geworden sind und diese dann auf dem Teller landen, dauert es drei Jahre. Von den 180.000 befruchteten Eiern werden die meisten den Ausflug in die Thüringer Bäche und Flüsse allerdings nicht überleben. Zu viele natürliche Feinde, wie etwa Vögel, haben Appetit auf die kleinen Forellen. Durch die Trockenheit der vergangenen Jahre, die steigenden Wassertemperaturen und den damit verbundenen niedrigeren Sauerstoffgehalt produzieren in den Gewässern immer weniger Fische ausreichend Laich, um den Bestand zu sichern.

Tag der offenen Tür im März

Der Angelverein der Fröbelstadt habe Glück mit seinem Forellenstamm im Rinnetal: Dort seien etwa 90 Prozent fortpflanzungsfähig, heißt es von den Verantwortlichen. In der ersten Märzwoche soll wieder ein „Tag der offenen Tür“ stattfinden. Jede Menge Wissenswertes über die Hege, Pflege und Aufzucht der heimischen Bachforelle, deren regelmäßiger Verzehr ja bekanntlich zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung gehört, bekommen die Interessenten dann von den Fachleuten mitgeteilt. Und ebenfalls im Frühjahr werden die Petrijünger eine Reinigungsaktion starten. Gemäß ihrem Selbstverständnis als Naturschützer wollen sie das Bachbett und die Uferzonen der Rinne von der Mündung bis zum Anger im Stadtgebiet von Müll beräumen. Ziel ist, dass dieser wertvolle Lebensraum für Tier und Mensch nach dem Fischsterben im November 2016 erhalten bleibt. Damit wollen die Angelfreunde den Bürgern zeigen, dass man nicht nur ernten kann, sondern hegen, pflegen und schützen muss, wenn man seiner Passion auch weiterhin nachgehen will.

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