Thüringer Papiertheaterfestival im Schieferpark Lehesten steht vor der Tür

Schmiedebach  Zum vierten Mal findet nächste Woche das Thüringer Papiertheaterfestival im Schieferpark Lehesten statt. Die Besucher erwarten 13 Bühnen und 39 Aufführungen.

Ludwig und Leanthe Peil in ihrem Museum mit einer vergrößerten Figur aus Schillers „Die Räuber“.

Ludwig und Leanthe Peil in ihrem Museum mit einer vergrößerten Figur aus Schillers „Die Räuber“.

Foto: Robin Kraska

Für zwei Dinge ist der kleine Lehestener Ortsteil mindestens deutschlandweit bekannt, wenn nicht darüber hinaus: sein Papiertheatermuseum sowie Paul und Leanthe Peil. Die beiden Mainzer sind seit Jahren fasziniert von der Miniatur, sammelten Puppenhäuser, Krippen, Kaufläden und Marionetten. Später entdeckten sie die Bandbreite des Figurentheaters für sich und kauften 2011 die alte Dorfschule in Schmiedebach, in der sich ein Marionetten- und Papiertheatermuseum einrichteten. Ein Alleinstellungsmerkmal.

„Es gibt sonst nur ein weiteres dieser Art, und zwar im hessischen Hanau“, sagt Ludwig Peil. Ihr 2016 ins Leben gerufene Thüringer Figurentheaterfest geht dieses Jahr in die vierte Auflage. Von 26. bis 29. Juli werden 13 Bühnen aus Deutschland, Österreich und Dänemark insgesamt 39 Aufführungen geben. Die Bandbreite der Stücke sei enorm, wie auch die inhaltliche Vielfalt der Kunstform selbst. „Viele denken bei Marionetten und Figurentheater an reine Kinderstücke, etwas, das sich nicht wirklich an Erwachsene richten könne“, hat Leanthe Peil beobachtet.

Dass es nicht so ist, beweisen erotisch-freche Tannhäuser-Inszenierungen und Dramen der Weltliteratur, wie Schillers Wilhelm Tell, die schon im Schieferpark vorgeführt worden sind.

Besonders freut sich Ludwig Peil – außerhalb der Ferienzeit Mathelehrer – auf „The Flood“ (Die Flut) eines Papiertheaters aus Kopenhagen, das die Musik des britischen Rockpoeten Peter Gabriel zum Thema hat. „Einer der Spieler hat in Dänemark eine eigene Band – eine sehr reizvolle Kombi!“, verspricht Peil. Auch mit Originalstücken von Pink Floyd gibt es ein vergleichbares Stück. Seine Premiere feiert „Wagnis-Eisenbahn“, ein Stück des Papiertheaters am Ring, Nürnberg. „Inhalt sind hier die ersten Fahrten mit der Eisenbahn in Deutschland, als noch die abenteuerlichsten Mythen übers Zugfahren in den Köpfens steckten“, erklärt Ludwig Peil. „Man nahm an, es sei ungesund, weil die Landschaft so schnell an einem vorbeizieht.“ 50 Jahre Mondlandung thematisiert „Die Reise zum Mond“, nach der Vorlage von Jules Verne.

„Mit der Fauststoff-Bearbeitung ‚Faust und Fäustchen‘ haben wir auch die Saalfelder Roland-Bühne um Spielerin Anne Gallinat zu Gast“, freut sich der 67-Jährige. Der spezifische Reiz des Papier- und Figurentheaters liegt für das Ehepaar in seiner eigentümlichen Einfachheit, ungeachtet der oft filigran gestalteten Figuren und detailreicher Bühnendesigns. „Es ist unglaublich, welche Wirkung, welche Illusionen mit mechanischen Bewegung, Licht und Musik sowie der Erzählerstimme erzielt werden“, findet Peil. Beleuchtung und Musik sind in der Regel die einzigen elektronischen Komponenten.

Leanthe Peil sieht für die ungebrochene Faszination an der Kunstform auch eine evolutionäre Erklärung. „Licht zieht uns Menschen magisch an“, sagt sie und schaltet die Illumination für eine der unzähligen Bühnen im Museum an – es gibt nur einen groben Eindruck von der Stimmung, die bei den Vorführungen herrscht. „Manche Spieler verwenden sogar Kerzen“, sagt Ludwig Peil. Das Papiertheater galt in seiner Hochzeit von 1870 bis 1920 als klar großbürgerlich, „das Fernsehen des 19. Jahrhunderts“, doch heute sei die Szene bunt gemischt.

„Es lässt einen nicht los“, sagt Ludwig Peil. Und verrät schon die Spätveranstaltung. „Wir freuen uns auf ,Der Fischer und seine Frau‘ als Marionettenstück“.

Thüringer Papiertheaterfestival im Schieferpark Lehesten: 26. bis 28. Juli. Karten und Auskünfte unter E-Mail l.peil@gmx.de oder Handy 0151/57427901

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