Unterschöblings Jahrtausendprojekt

Unterschöbling.  22 Jahre nach der ersten Antragstellung und vier Bürgermeister später wird die Straße im Ortskern von Unterschöbling erneuert.

In Unterschöbling wird derzeit eine gefährliche Kurve entschärft. Ortsteilbürgermeister Matthias Bock, Tiefbauamtsmitarbeiter Johannes Hofmann und Bürgermeister Marco Waschkowski schauen sich auf der Baustelle um und überzeugen sich vom Vorankommen der Arbeiten.

In Unterschöbling wird derzeit eine gefährliche Kurve entschärft. Ortsteilbürgermeister Matthias Bock, Tiefbauamtsmitarbeiter Johannes Hofmann und Bürgermeister Marco Waschkowski schauen sich auf der Baustelle um und überzeugen sich vom Vorankommen der Arbeiten.

Foto: Henry Trefz

Johannes Hofmann kann sich noch gut erinnern. Der Tiefbauexperte im Bauamt der Stadtverwaltung Königsee berichtet vom Brief des Unterschöblinger Heimatvereins an den damaligen Bürgermeister Karl-Heinz Hoppe. Vereinsvorsitzende Inge Möller schrieb im März 1998 von der Hoffnung, dass das Ende eines Pachtvertrages ein altes Problem endlich lösen könne.

Wer heute vor Ort steht, kann es sich fast nicht mehr vorstellen, aber mitten hinein in die zentrale Kreuzung unterhalb der Kirche ragte damals ein Gartengrundstück, das die Stadt als Eigentümer langfristig verpachtet hatte. Die Folge: Jedwedes Auto, das größer als ein Pkw war, musste sehr weit ausholen, um die Kurve zu bewältigen. Besonders die Müllautos, aber auch der Schulbus hatten arge Not und öfters war es mehr als knapp. Der Pachtvertrag stand zur Löschung an – und seitdem mahlen schwerfällig die Mühlen der Bürokratie.

Nicht, dass man unwillig gewesen ist, aber außer den Beeten waren auch ein Strommast und ein Verteilerschrank im Weg. Die Energieversorger hätten einer Umsetzung zugestimmt, allerdings auf städtische Kosten. Und an den hohen Summen scheiterte das Projekt.

Gesamtkosten belaufen sich auf 300.000 Euro

So dauerte es bis ins Jahr 2012, als zumindest Zaun und Böschung verschwanden, der Mast aber war weiter im Weg. Und an der Stelle blieb – auch zum Zeichen, dass es ein Provisorium ist – nur Schotter als Untergrund. Sehr zum Leidwesen der Anwohner unterhalb der abschüssigen Kreuzung, die dem Geröll bei Regen öfter „Guten Tag“ sagten, als es allen lieb sein konnte.

Ein Jahr später hatte auch der Stromnetzbetreiber ein Einsehen. Weil ohnehin neue Leitungen verlegt wurden, kamen Mast und Verteilerschrank aus dem Weg und eine schicke Böschungsmauer wurde errichtet. Der Schotter im Kurveninneren aber blieb liegen. Dafür wurde immerhin die Planung in Auftrag gegeben.

2019 dann ergab sich endlich eine gute Förderchance, als das Rinnetal zum Schwerpunkt in der Dorferneuerung erklärt wurde.

Und so baut der lokale Straßenbaubetrieb Hafermann aus Sitzendorf seit Anfang Juni auf der dann 300 Meter langen Strecke im Ort, muss dabei auch die Straßenentwässerung neu einbauen, damit Starkregen wenigstens zum größten Teil unterirdisch entwässert werden kann und nicht auf der Straße läuft. Fast zwei Drittel der Bausumme von gut 300.000 Euro werden gefördert und wenn alles gut läuft, kommt am Kreuzungsende in Richtung Lichta sogar noch ein Stück Straße mit in die Erneuerungskur.

Bis Ende August soll das alles passiert sein. Damit hielte sich wegen der nahen Ferien auch der verlängerte Schulweg zur Ersatzhaltestelle für Unterschöblings Kinder – etwas 400 Meter bis an den Abzweig in Lichta – in zeitlichen Grenzen.

Weitere Projekte geplant

Im Königseer Haushalt ist in der Abteilung Straßenbau das Unterschöblinger Projekt ein Schwergewicht. „Außerdem wollen wir noch in Dörnfeld an der Heide den Weg zum Seifenbrunnen in Richtung der Waldrandroute bauen und in diesem Zusammenhang auch das Versprechen an die Jägerhof-Betreiberin Maria Braun einlösen, die öffentliche Zufahrt in Ordnung zu bringen“, sagt Bürgermeister Marco Waschkowski (parteilos).

Das Trio komplett macht ein ländliches Wegebauprojekt am Rückbergweg, von dem Egelsdorf und Oberschöbling profitieren. Hier soll der erste Bauabschnitt von Oberschöbling in Richtung Egelsdorf auch in diesem Jahr noch gebaut werden.

Geld muss aber nicht nur für den reinen Bau vorgesehen werden, sondern auch für Planungsleistungen. Die 400 Meter lange Schulstraße in Egelsdorf, heißer Anwärter auf den Titel „schlimmste Straße“ in der Flächenstadt Königsee, soll saniert werden. Auch ein Förderantrag ist gestellt, ohne das Okay des Wasser- und Abwasserverbands Ilmenau (Wavi) aber, das bislang noch fehlt, macht ein Bau keinen Sinn.

Auch auf der Liste steht Horba, wo ebenfalls vom Ortseingang bis zur alten Schule die Ortsdurchfahrt gebaut werden soll, allerdings als Gemeinschaftsmaßnahme mit allen Versorgern. Wann dies mit allen Beteiligten abgestimmt ist, steht allerdings noch nicht fest.

Vielleicht aber wird in der Zeit, die bis dahin vergeht, auch ein guter Kompromiss für eine Umleitung gefunden. Mal eben durch die Gartenwege fahren, wie das in Unterschöbling klappt, wird nicht so einfach. Ähnlich komplex wird dereinst auch die Ortslage Unterhain, wo alle Versorgungsleitungen noch auf dem Stand von vor 30 Jahren sind.

Die Unterschöblinger sehen derweil den Schotter hoffentlich bald nur noch auf alten Fotos.