Gerichtsbericht

Verfolgungsjagd im Städtedreieck endet vor dem Jugendrichter

Rudolstadt.  Gerichtsbericht über das Verhängnis einer durchgebrannten Sicherung bei einem 20-Jährigen

Der Anwalt des nach einer Polizeiverfolgungsjagd gefassten Angeklagten aus Neuhaus im Rudolstädter Gerichtssaal.

Der Anwalt des nach einer Polizeiverfolgungsjagd gefassten Angeklagten aus Neuhaus im Rudolstädter Gerichtssaal.

Foto: Henry Trefz

Wer sich ein Motorrad kauft, eine Yamaha, die über 300 Sachen schafft, will sie auch fahren. Das war bei Rico* aus Neuhaus nicht anders, zumal er kurz zuvor die beiden Mazda MX5, aus denen er ein fahrbereites Modell machen wollte, resigniert wieder verkauft hatte. Seit März stand das schwarze Teil - 2500 Euro hatte er hingeblättert - in der Garage. Dass der 20-jährige nur einen 2017 erworbenen Pkw-Führerschein besaß, plante er zu ändern.

Er plante es noch, als ihn an 10. Juni 2019 die Hummeln stachen und er mit dem Teil bei seiner Freundin in Rudolstadt vorfuhr. Ohne Lappen, dafür mit einer gefälschten Plakette und den woanders abgebauten Zulassungszeichen des Landratsamtes fuhr er los. Der Augenschein hätte ihn vielleicht davonkommen lassen, wenn nicht nachmittags auf dem Heimweg noch in Rudolstadt einer Motorradstreife der Polizei der verdächtig laute Auspuff und die durchschimmernde Karkasse am Hinterreifen aufgefallen wären. Kurz vor der Start-Tankstelle erhielt er ein unmissverständliches Anhaltezeichen - und entschied sich zur Flucht.

Nach den Spitzengeschwindigkeiten wäre ihm dies auch gelungen, doch nicht im Berufsverkehr. Das mit dem Abschütteln wurde nichts und so ging es mit deutlich jenseits von 100 km/h in in vielen Autos und über zahlreiche Sperrlinien hinweg nach Saalfeld hinein, an der Fingersteinkreuzung über eine rote Ampel, am „Meininger Hof“ nach rechts in den Promenadenweg, wo das Polizeimotorrad ihn überholte, aber trotz Kollision nicht zum Stehen brachte Jetzt bog er links ab, raste die Sonneberger hinunter, schlitterte am und durchs Obertor über den Fußweg in Richtung Markt, raste geradeaus weiter durch die Fußgängerzone der Blankenburger Straße aufs gleichnamige Tor zu, wo er zu spät die Sperrkette sah und mit ihr kollidierte. Erst jetzt überwältigte ihn sein Verfolger.

Mit Vollgas durch die Fußgängerzone

All dies ist am Montag nicht strittig, als Jugendrichter Andreas Spahn den Fall verhandelt. Am Ende der Beweisaufnahme aber bleibt die große Frage, wie die Justiz die Sache ahndet. Die Staatsanwältin machte einen strengen Antrag, sah die Möglichkeit, den Heranwachsenden noch nach Jugendstrafrecht zu verurteilen damit als verwirkt an, dass ein Fahrerlaubnisinhaber wissen müsse, was er tue und forderte sechs Monate Freiheitsstrafe auf zwei Jahre zur Bewährung und den ebenso langen Entzug der Fahrerlaubnis.

Den gerade im zweiten Anlauf ausgelernten Kfz-Mechatroniker würde dies sehr hart treffen, deswegen findet auch sein Verteidiger, dass der bereits seit der Tat im Juni erfolgte Einzug hier Strafe genug sei. Auch sei dieser Fall geradezu ein Paradebeispiel einer jugendlichen Verfehlung und daher mit jedweder Maßnahme aus dem Jugendstrafrechtskatalog gerecht geahndet.

Prinzipiell schlug sich auch der Richter auf diese Seite. Auch die Verpflichtung zur Teilnahme an einem Verkehrsunterricht schien auf den ersten Blick recht milde. Allerdings sieht auch er weiter drei Monate Fahrerlaubnissperre als das Mindeste an und entscheidet außerdem - im Jugendstrafrecht eigentlich unüblich - darauf, dass Rico die Kosten des Verfahrens inklusive seines eigenen Anwalts bezahlen muss. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. * Name geändert

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