Volles Haus versus vorsichtige Gäste

Landkreis.  Seit vergangenem Freitag dürfen die Hotels in Thüringen wieder öffnen. Wir haben uns im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt umgehört, wie die ersten Tagen waren.

Das Flair-Hotel Mellestollen in Saalfeld öffnete direkt am Stichtag, hier Seniorchef Werner Pröschold mit Mitarbeitern Carmen Weidemann und Monika Föckel sowie Vierbeiner „Sunny“ (von links).

Das Flair-Hotel Mellestollen in Saalfeld öffnete direkt am Stichtag, hier Seniorchef Werner Pröschold mit Mitarbeitern Carmen Weidemann und Monika Föckel sowie Vierbeiner „Sunny“ (von links).

Foto: Robin Kraska

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Die Normalität kehrt in kleinen Schritten zurück, auch der Tourismus wird langsam wieder hochgefahren. Seit Freitag dürfen Hotels im Freistaat unter Auflagen öffnen. Wie war die Resonanz in der Tourismusregion Saalfeld-Rudolstadt? Wir haben bei Hoteliers nachgefragt.

Im „Waldhotel am Stausee“ nahe Bucha hat Inhaber Volker Kullmann den Stichtag 15. Mai genutzt und seine Herberge mit Blick auf das Wasser wieder aufgesperrt. Doch bisher ist die Resonanz verhalten. „Das Tagesgeschäft ist nicht so aufbauend“, bekennt der Gastronom. „Wir hätten viele Ehemaligentreffen, größere Familienfeiern und so weiter gehabt. Die fallen nun ersatzlos weg“, sagt er. „Eine große Gruppe auf Abstand zu setzen, ist ja auch komisch“.

Für die Hygieneauflagen und Sicherheitsmaßnahmen habe er eine „gute vierstellige Summe“ investieren müssen. Erschwerend komme die aktuelle Straßensperrung zwischen Bucha und der Staumauer hinzu, zumal auch das Essen-zum-Mitnehmen-Angebot nicht so gut angenommen worden sei, wie erhofft. Politisch hätte Kullmann es besser gefunden, bis einschließlich Himmelfahrtstag noch nicht wieder öffnen zu lassen. Der Föderalismus falle uns „jetzt womöglich auf die Füße.“

Corona zum Renovieren genutzt

Direkt an der Alterbucht betreibt Mandy Gräfe-Mörl das Hotel „Saalestrand“ und hat volles Haus. „Unsere Bücher sind voll, wir waren für den ganzen Sommer fast ausgebucht“, sagt sie. „Die meisten haben schon im letzten Jahr gebucht und natürlich darauf gewartet, ihren Aufenthalt antreten zu können“. Neben den Fremdenzimmer gibt es einen Biergartenbetrieb mit Essensausgabe, die Gaststube drinnen bleibt aber vorerst zu.

Im Leutenberger Hotel Gasthof „Garküche“ wartet man hingegen bis zum Herrentag mit dem Wiedereintritt in die Beherbergung und Verköstigung. Inhaber Hermann Schmidt: „Wir hatten seit Anfang des Jahres gründlich saniert und lange zu tun gehabt. Letztlich konnten wir durch Corona sogar durcharbeiten“, sagt er. Die Kunde, wieder öffnen zu dürfen, sei kurzfristig und überraschend gekommen. „Nun mussten wir uns sputen, um alles rechtzeitig fertig zu bekommen“.

Überstürzen wollten sie aber nichts, deswegen die eine Woche Verzögerung. „Am Freitag war uns zu kurzfristig, wir planen lieber länger im Voraus“, sagt Schmidt. Für den Feiertag und das lange Wochenende sowie Pfingsten seien bereits alle Zimmer belegt, reserviert in den letzten zehn Tagen. Seit Februar seien insgesamt über 200 Buchungen eingegangen. „Die Leute freuen sich einfach, dass es wieder losgeht“, meint er. Die Abstandsregel einzuhalten, sei in der Garküche „gar kein Problem“.

Ebenfalls auf Zeit setzt Gerda Klages im Kains Hof in Weißen. „Der Aufwand, um Laufkundschaft und Übernachtungsgäste nicht zu nahe kommen zu lassen, wäre zu groß“, sagt sie. Wegen der Abstandsregelungen sei das Fachwerkobjekt derzeit ohnehin nur zur Hälfte belegbar. „Ich kann ja nicht einfach schnell anbauen“. Gerda Klages hofft aus Pfingsten als Start, „aber das wird vom Reproduktionsfaktor abhängen“.

Himmelfahrt schon gut gebucht

Im Flair-Hotel Waldfrieden Schwarzmühle hat Hotelier Sascha Schwarze die für Jahresende geplanten Sanierungsarbeiten vorgezogen. Schwarze bemerkt im Gespräch mit Branchenkollegen ein „Informationschaos, das es einem nicht leichter macht“. Mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) gebe es immerhin eine „gebündelte Informationsquelle“ in schwierigem Fahrwasser.

Von verhaltener Resonanz am ersten Wochenende berichtet uns Carsten Lauerbach vom „Thüringerhof“ in Rudolstadt. „Die Kunden sind sehr vorsichtig, es muss sich erst noch warmlaufen“, hat er beobachtet. „Doch jetzt geht es langsam wieder los, die ersten Buchungen kommen rein, vor allem für Verwandtenbesuche“, sagt er. Von der Kostendeckung sei er freilich noch weit entfernt. „Wir leben von Familienfeiern und Gruppen. Es dürfen sich ja aber nicht mehr als zwei Hausstände zusammensetzen“.

Lauterbach befürchtet, „dass es viele Gaststätten nicht schaffen werden“. Er selbst ist aber optimistisch. „Fördergelder kamen an, die Versicherung hat auch teilweise gezahlt“, sagt er. Zudem sei die Essensabholung gut angenommen worden. Für Donnerstag seien schon einige Buchungen von Urlaubern im System, „darunter viele Biker“. Was Carsten Lauterbach verwundert: „Meinem Eindruck nach wussten viele gar nicht, dass es ab Freitag bei den Hotels weiter geht“.

Eine gewisse Vorsicht beobachtet auch Sven Pröschold, einer der beiden Mitinhaber des Flair-Hotels Mellestollen bei Saalfeld. „Wir müssen ohnehin erst langsam wieder hochfahren, hatten ja auch Kurzarbeit“, sagt er, der am Freitag wieder öffnete. Ihre oft langjährigen Stammgästen hätten sie daran erinnert, dass jetzt wieder Aufenthalte möglich sind.

Über die gesamte Himmelfahrtswoche sei gut gebucht, die Auslastung liege bei rund 70 Prozent. Gerade Motorradfahrer, Einzelreisende, Paare und Kleingruppen nutzten die ersten Tage nach der langen Zwangspause. „Wir sind im Ganzen zufrieden, auch wenn das Restaurant eher schleppend angelaufen ist“, sagt Sven Pröschold. „Und wir hatten natürlich auch gut damit zu tun, die vielen Stornierungen zu bearbeiten“.

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