Vom Greifenstein in die Vogue: Sandra Jung aus Bad Blankenburg

Bad Blankenburg  Falknerin Sandra Jung ist in den Medien präsent und ein beliebter Talkshow-Gast

In ihrem Septemberheft veröffentlichte die deutsche Ausgabe der Modezeitschrift Vogue eine Reportage über Sandra Jung, die mit ihrem Partner Benedikt Nyssen (kleines Bild) die Falknerei auf Burg Greifenstein betreibt.

In ihrem Septemberheft veröffentlichte die deutsche Ausgabe der Modezeitschrift Vogue eine Reportage über Sandra Jung, die mit ihrem Partner Benedikt Nyssen (kleines Bild) die Falknerei auf Burg Greifenstein betreibt.

Foto: Roberto Burian

Sie hat sich in einer besonders extremen Männerdomäne einen Namen gemacht: Ihre Welt dreht sich in Bad Blankenburg um stolze Adler, neugierige Eulen und flinke Falken. Sandra Jung ist von Beruf Falknerin und eine der wenige Frauen in diesem Metier. Über den Mut, sich diesen Traum zu erfüllen, erzählt sie in ihrem Buch „Die Herrscher der Lüfte und ich“. Derzeit ist sie in den Medien präsent und ein beliebter Talkshow-Gast.

Gerade erst war sie Gast in einer der beliebtesten Sendungen am Sonntagvormittag: dem „ZDF-Fernsehgarten“. Die 27-Jährige brachte ihren Weißkopfseeadler Ellie mit in die Sonntagsshow und ließ den majestätischen Vogel fliegen. Moderatorin Andrea Kiewel ist der Adler nicht so ganz geheuer, wie sie offen zugibt. Ganz anders hingegen Sandra Jung. Die junge Falknerin brennt für ihren Beruf und weiß: „Adler lassen sich zu nichts zwingen. Sie haben ihren eigenen Kopf.“

Auch in der NDR-Talkshow traf sie kürzlich den richtigen Ton. „Das ist kein Hobby, das ist auch nicht bloß ein Beruf, das ist eine Berufung“, verdeutlicht sie die Hingabe, die dahinter steckt.

Im September schaffte es die gebürtige Rheinländerin sogar in das berühmteste Modeheft der Welt, die deutsche Ausgabe der Vogue. „Die Resonanz auf die bisherigen Termine war jedes Mal überwältigend“, bilanziert Partner Benedikt Nyssen. Deutschlandweit reisten Interessenten an, um mehr über die Tätigkeit der beiden Jungfalkner, die Greife oder das Mysterium Eule, von den alten Griechen als Sinnbild der Weisheit hymnisch verehrt, zu erfahren. Wobei es offensichtlich nicht allein darum geht, Fachwissen zu vermitteln, sondern in einer Sprache zu referieren, die beim Publikum ankommt.

„Wir werden das sehr gute Ergebnis vom vergangenen Jahr wahrscheinlich noch einmal toppen können und liegen derzeit bei zirka 15.000 Besuchern. Dabei haben uns die Gäste mitgeteilt, dass sie eine Strecke von 500 Kilometern in Kauf genommen haben, um hier vorbeizuschauen“, schwärmt Nyssen.

Manche Dinge verändern sich nicht. Sie sind immer schon da, solange man sich erinnern kann. Für Sandra Jung ist das ihr brennendes Interesse an Vögeln, das sie seit ihrer Kindheit begleitet. Der Sprung ins kalte Wasser hat sich gelohnt – inzwischen ist sie eine gefragte Expertin.

Das kann aber auch bedeuten, dass mal kurzfristig Anrufe kommen, wenn ihre Hilfe benötigt wird. „Am Freitagabend 21.30 Uhr klingelte mein Telefon. Eine Frau aus Arnstadt rief an, dass ein Mäusebussard mit einem Auto kollidierte. Wir haben uns dann getroffen, und jetzt ist der Bursche bei uns in Pflege“, teilt sie mit.

Darüber hinaus lassen sich die Chefs immer etwas Neues einfallen. So werden ab November auch Falknerkurse angeboten und damit auch niemand die Adler in großen Höhen aus den Augen verliert, kann man kostenfrei Ferngläser für das Flugprogramm ausleihen.

Im Hintergrund hört man die lauten Rufe von Baby-Seeadler Oskar. Er gehört mit Truthahngeier Pedro und Uhu Gabi zu den Neuen. Etwas entfernt warten die anderen Adler. Die Falknerin hebt den vom schweren Lederhandschuh geschützten Arm, ein Steinadler segelt mit mächtigen Schwingen herbei, die Krallen angewinkelt am Körper. Eine kurze Handbewegung der 27-Jährigen, und der Vogel erhebt sich wieder in die Luft, um wenige Meter auf einem Baumstumpf zu landen und seinen wachen Blick auf die Falknerin zu richten. Die Frage im Blick lautet: „Gibt es noch Nachschlag?“

Ein Greifvogel, der am Himmel kreist – für viele der Inbegriff von Freiheit. In zwei Stunden landen die Akrobaten der Lüfte wieder mit Schwung auf Hüten, Kappen oder dem mehr oder weniger üppigen Haupthaar der Zuschauer. Diese jauchzen, lachen oder verharren mit verdutztem Gesicht sekundenlang regungslos auf ihrer Bank. Man hat eben nicht jeden Tag einen Greifvogel auf dem Kopf hocken. Die Redensart „Du hast einen Vogel“ gewinnt in der Falknerei auf der Burg Greifenstein, hoch oben über der Stadt, eine ganz reale Bedeutung.

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