Kinder helfen Kindern

Vorbereitet, wenn’s ernst wird

Gräfenthal.  Gräfenthaler Grundschüler lernen mit Rettungssanitätern alles Wichtige zum Thema Notfall und Erste Hilfe.

Die Schüler Max Müller (links) und Hannes Liebmann zeigen ihre Teilnahmeurkunden. Unter anderem galt es, sich gegenseitig zu verbinden.

Die Schüler Max Müller (links) und Hannes Liebmann zeigen ihre Teilnahmeurkunden. Unter anderem galt es, sich gegenseitig zu verbinden.

Foto: Robin Kraska

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Zeuge einer Notsituation zu werden, ist für Erwachsene nicht leicht, für Kinder erst recht nicht. Wie man sich dann richtig verhält, vermittelt das gemeinsame Projekt „Erste Hilfe - kinderleicht“ des DRK Rettungsdienstes Saalfeld und der Thüringen-Kliniken: Rettungsassistenten, Sanitäter und Mitarbeiter der Notfallaufnahme des Saalfelder Krankenhauses bereisen ehrenamtlich Grundschulen im ganzen Landkreis, um die Jüngsten spielerisch an das wichtige Thema heranzuführen. Das Team schreibt im Vorjahr alle Grundschulen an, die Teilnahme ist kostenfrei. Am Donnerstag machten sie in Gräfenthal Station.

Rettungsassistentin Corinna Hantke stieg mit der kleinen, selbsterdachten Geschichte von „Sani und dem Zaubervogel“ in den Stationsbetrieb ein: Ein sprechender Wundervogel begleitet Rettungssanitäterin Susanne „Sani“ bei ihrem spannenden Arbeitstag, der immer neue Herausforderungen bereithält.

Kindgerecht ans Thema heranführen

Bei Corinna Hantke selbst lernten die derzeit insgesamt 44 Schüler alles zur stabilen Seitenlage. Freiwillige mimten den Verletzten, der versorgt werden muss. „Die Kinder bringen ganz unterschiedliches Vorwissen mit, einige sind schon sehr gut informiert“, sagt sie. Was die stabile Seitenlage überhaupt ist, wussten die meisten Knirpse. Aber warum ist sie erforderlich? Zum Beispiel, damit Unfallopfer mit Kopfverletzungen nicht an ihrem eigenen Erbrochenen ersticken können, erklärte die Rettungsassistentin. Nicht drastisch, aber offen sprach sie an, welche Verletzungen und Symptome es geben kann und wie zu reagieren ist.

Nachdem die Seitenlage passte, wurde an einem künstlichen Torso die Herzdruckmassage ausprobiert. Natürlich könne niemand von Kindern verlangen, im echten Leben Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen. „Uns geht es aber auch darum, sie überhaupt an das Thema heranzubringen und eventuelle Hemmschwellen abzubauen“, sagt Corinna Hantke. „Außerdem kann es schon viel wert sein, wenn ein Kind im Ernstfall einem Erwachsenen sagen kann, was er zu tun hat“.

Schulleiterin Grit Scheidig sieht auch einen ganz praktischen Vorteil: „Früher oder später werden alle ihren Führerschein machen wollen. Da ist es nicht verkehrt, wenn der Kurs in der Fahrschule nicht die allererste Berührung mit dem Thema ist“. 17 Grundschulen besucht die Initiative in diesem Jahr, Lehesten hat den Auftakt gemacht. Das Interesse der Bildungseinrichtungen an dem Projekt wachse stetig.

Wie man einen Notruf richtig absetzt

„Ganz wichtig ist: Helfen heißt auch, Hilfe zu holen!“, sagte Hantke ihrer Gruppe. Wie man einen Notruf richtig absetzt und welche W-Fragen dabei auf keinen Fall fehlen dürfen, war Thema an der zweiten Station mit Rettungsassistent Nico Frommelt. Von ihm erfuhren die Schüler, dass man immer die Pflicht hat, zumindest den Notruf zu wählen und ihn auf keinen Fall missbrauchen dürfe. „Die Rettungsleitstellen sehen heute grundsätzlich alle Anrufernummern auf ihren Apparaten“, so Frommelt. Mit einem echten Telefon spielten sie eine Notrufsituation sowohl in der Position des Anrufers, als auch der Leitstelle durch. Als kindgerechtes und fiktives Szenario diente der Unfall zweier Mädchen auf dem Gräfenthaler Schulhof, die gestürzt sind. Was ist passiert, welche Verletzungen gibt es, haben die Opfer schmerzen, wenn ja, wo?

Schließlich galt es an Station drei, sich gegenseitig anhand einer Demonstrationspuppe zu verbinden. Das Material stellt die Klinik. Stolz präsentierten die Jungen und Mädchen ihre weißen Verbände an Kopf und Hand. Sowohl die Verletzungspuppe als auch der Notrufkoffer konnten vom Erlös des „Benefiz Rave“ letztes Jahr auf der Heidecksburg angeschafft werden. Rund 3.000 Euro seien dabei fürs Projekt zusammengekommen, sagte Corinna Hantke, die den Kindern künftig gerne auch eine kleine Handreichung mit in den Ranzen geben würde, in der das Gelernte nachgelesen werden kann. Die Teilnahmeurkunde für jeden und etwas Süßes zum Abschluss gibt es hingegen schon jetzt.

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