Wetterrückblick: Fünftwärmster August seit 1940 in Saalfeld-Rudolstadt

Neuhaus  Witterungsrückblick August: Der Monat endet mit Wasserbomben und Fallböen.

Eine klassische Spätsommer-Aufnahme: die Bergwiese bei Lauschar.

Eine klassische Spätsommer-Aufnahme: die Bergwiese bei Lauschar.

Foto: R. Manig

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Beginnen wir mit der letzten Augustwoche – mit Fallböen und Wasserbomben. Wenn man nur die Horizontale beachtet, war da kaum Bewegung in der Atmosphäre. Im Osten verweilte das blockierende Hoch Corinna. An ihrer Westflanke wurde sehr warme und – das macht den Unterschied zur Horizontalen – sehr labile Luft nach Deutschland geführt. So gab es täglich das gleiche Spiel: morgens kaum Wolken, kaum Wind und eine belastende Schwüle.

Da kaum Dynamik in der Atmosphäre vorhanden war, brauchte es einen anderen Auslöser, um die Gewitterentwicklung in Gang zu bringen. Neben der Sonneneinstrahlung (Wärmegewitter) ist es die Orographie, die den entscheidenden Kick bringt. In unserem weiteren Umfeld sind es immer wieder die gleichen Regionen, an denen die ersten Entwicklungen einsetzen und die sogenannte „Auslöse“ erfolgt.

Neuhaus selbst gehört in der Regel nicht dazu, obwohl es natürlich in den vielen Jahren schon einige Treffer gab. Es variiert nur immer etwas je nach der vorherrschenden Windrichtung, auch wenn sie nur sehr schwach ist. Innerhalb nur einer Stunde kann sich ein solches Gewitter aus gewissermaßen heiterem Himmel bis zur vollständigen Reife entwickeln – um dann wieder in sich zusammen zu fallen. Und da es nur eine schwache, kaum merkliche Höhenströmung gab, passiert dies eben oft an Ort und Stelle – mit verheerenden Auswirkungen für die Betroffenen.

Gleich einer Wasserbombe fielen innerhalb kürzester Zeit enorme Wassermassen herab, oft 50 bis 60 Liter pro Quadratmeter, vereinzelt wie im Saale-Orla-Kreis über 100 Liter. Das Wasser ist das Eine, der Wind das Andere. Als Begleiterscheinung bei diesen Gewittern gab es örtlich auch schwere Fallböen, sogenannte Downbursts. Ursache für einen schweren Downburst ist oft eine relativ trockene Luftschicht im mittleren Niveau – und diese war gegeben.

In diesen Bereich fällt der Niederschlag und verdunstet zu einem gewissen Teil. Durch die entstehende Verdunstungskälte wird die Luft stark abgekühlt und somit der Abwind weiter beschleunigt. Am Boden breitet sich der Abwind mit oft zerstörerischer Wirkung vom Zentrum her nach allen Seiten aus, nimmt mit zunehmender Entfernung jedoch sehr schnell ab.

An der Wetterstation fiel in dem Zeitraum der Gewitteraktivitäten nicht einmal ein Liter pro Quadratmeter. Allerdings stieg die Lufttemperatur täglich über 25 Grad Celsius und fiel nicht unter 17, wärmster Tag war der 28. August mit einen mittleren Temperatur von 22,2 Grad. Das absolute Monatsmaximum wurde allerdings am ersten Augusttag erreicht – 27,5 Grad.

Früher war es einmal so, dass nach der Stännicha Kerwa der Sommer vorbei war, früher war eben alles anders. Die erste Augustdekade verlief hingegen relativ entspannt. Zwar konnten an vier Tagen Gewitter beobachtet werden, für Neuhaus selbst waren keine aufregenden Ereignisse zu verzeichnen. Einziger Höhepunkt – ein fetter Regenschauer am Vormittag des 7. August, der Schauer des Monats in Neuhaus.

Die zweite Augustdekade verlief etwas entspannter, obwohl es bis zum 14. August durch Tief Yap wieder einmal richtigen Tiefdruckeinfluss gab. Viel Regen gab es erneut nicht, nur am 14. August als Abschluss einen Husch maritime Polarluft, das Thermometer sank wieder einmal unter die 10-Grad-Marke. Am 21. August überquerte uns auf ihrem Weg nach Russland Hoch Corinna und brachte noch einmal kurzzeitig einen frischen Schwall maritimer Polarluft nach Mitteleuropa.

In dieser Luftmasse wurde dann am Morgen die Tiefsttemperatur des Monats mit 7,0 gemessen. Das war allerdings eine der kleinen Ausnahmen, wo es mal etwas frischer war. Selbst am Tag der Sommerfrische im Schwarzatal stieg dort die Temperatur auf 33,0 Grad und ging damit völlig am Thema des Tages vorbei.

Zum Ende des letzten Sommermonats lag die Mitteltemperatur desselben bei 16,5 Grad Celsius und ist somit fünftwärmster August seit 1940 sowie mit gerade mal 40 Liter pro Quadratmeter siebentrockenster August seit 1940.

Immerhin 207 Stunden Sonnenschein bedeuten ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem klimatologischen Mittel. So richtig trübe Tage gab es nur zwei, hingegen 21, an denen die Sonne länger als 5 Stunden schien. Was die Trockenheit mit der Natur anrichtet, braucht man nicht mehr zu kommentieren, es ist zu augenscheinlich.

Was in diesem Spätsommer aufgefallen ist: Es gibt weniger Wespen als in den letzten Jahren, und sie sind sehr schlank.

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