Windpocken in Saalfelder Kita: Ungeimpfte Kinder 16 Tage ausgeschlossen

Saalfeld  Nachgehakt: In einer Saalfelder Kita ist ein Kind an Windpocken erkrankt. Auf Anweisung des Gesundheitsamtes dürfen ungeimpfte Kinder für die Dauer von 16 Tagen die Kita nicht besuchen.

Die Leiterin der betroffenen Kita bestätigte am Montag das Auftreten einer Windpocken-Erkrankung in ihrer Einrichtung. Symbolfoto: Sophia Kembowski

Die Leiterin der betroffenen Kita bestätigte am Montag das Auftreten einer Windpocken-Erkrankung in ihrer Einrichtung. Symbolfoto: Sophia Kembowski

Foto: Sophia Kembowski

Windpocken-Infektionen werden von den Gesundheitsämtern sehr ernst genommen. Diese Erfahrung machten im August Eltern eines Kindes, das in einer Saalfelder Kita betreut wird. Als in der Einrichtung ein Windpocken-Fall auftrat, wurde den Eltern dieses Kindes vom Gesundheitsamt des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt mitgeteilt, ihr Kind habe die Kita für die Dauer von 16 Tagen zu meiden. Das Kind dürfe sich der Kita nicht nähern.

Es handelte sich dabei nicht um das Kind, das erkrankte, sondern um ein nicht-infiziertes Kind, das lediglich keine Impfung gegen Windpocken erhalten hatte. Nicht weil die Eltern gegen Impfungen seien. Das Kind habe vielmehr wegen anderer Krankheiten nicht rechtzeitig geimpft werden können.

„Betretungsverbot“ für die Kita ausgesprochen

Die Leiterin der betroffenen Kita bestätigte am Montag das Auftreten einer Windpocken-Erkrankung in ihrer Einrichtung. Die Erkrankung des Kita-Kindes liege bereits einige Tage zurück. Es habe sich um einen Einzelfall gehandelt, weitere Erkrankungen seien nicht aufgetreten. Auf Anweisung des Gesundheitsamtes des Landkreises seien bei mehreren, nicht gegen Windpocken geimpften Kindern ein „Betretungsverbot“ für die Kita ausgesprochen worden. Derart strikte Anweisungen habe es bei Windpocken das erste Mal gegeben. In der Vergangenheit sei bei Windpocken-Erkrankungen nicht in dieser konsequenten Weise vorgegangen worden.

Ausgelöst werden die Windpocken durch das Varizella-Zoster-Virus, das sehr leicht per Tröpfcheninfektion übertragen werden kann. Der Name der Erkrankungen verweist auf die leichte Übertragbarkeit der Viren durch die Luft.

Das Gesundheitsamt Saalfeld-Rudolstadt bestätigte am Montag die OTZ-Recherchen. Demnach wurde dem Gesundheitsamt am 5. August dieses Jahres eine Windpockenerkrankung von einem Kind gemeldet, das eine Saalfelder Kita besucht. Daraufhin habe das Gesundheitsamt alle Kontaktpersonen in der Einrichtung ermittelt und eine Impfausweiskontrolle vorgenommen. Das Gesundheitsamt weiter gegenüber der OTZ: „Für nicht ausreichend immunisierte Kinder wurden Besuchsverbote für den Zeitraum von bis zu 16 Tagen ausgesprochen.“

Ein ungeschütztes Kind ist „ansteckungsverdächtig“

Das Infektionsschutzgesetz schreibe vor, dass ein Kind nicht in den Kindergarten, die Schule oder eine andere Gemeinschaftseinrichtung gehen darf, wenn es an bestimmten Infektionskrankheiten erkrankt ist oder ein entsprechender Krankheitsverdacht besteht. Kinder ohne Impfungen oder einen Nachweis darüber, selbst bereits erkrankt gewesen zu sein, gelten als empfänglich für diese Infektionskrankheit, so das Gesundheitsamt weiter: „Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Krankheitserreger infiziert zu haben, ist sehr hoch. Damit ist ein solches (ungeschütztes) Kind ansteckungsverdächtig.“

Die Eltern eines der Kita verwiesenen Kinder erklärte der OTZ, sie hätten verstanden, dass das Betretungsverbot auch zum Schutz ihres Kindes ausgesprochen wurde. Dennoch habe sie die Schutzmaßnahme hart getroffen. Die Eltern hätten zur Sicherstellung der Betreuung Minusstunden und unbezahlten Urlaub nehmen müssen. „Der Arbeitgeber ist mir fast an den Hals gegangen“, erklärte ein Elternteil der OTZ.

Keine Kind-Krankschreibung für die Eltern

Besonders hart sei die Schutzmaßnahme auch deshalb für die Eltern gewesen, weil es in diesem Fall keine Kind-Krankschreibung für die Eltern gibt. Das Gesundheitsamt in Saalfeld bestätigte dies: „Eine Krankschreibung des Kindes erfolgt in der Regel nicht, wenn es nicht selbst erkrankt ist.“ Für die Zeit des Besuchsverbotes könnten bei ansteckungsverdächtigen Kindern keine Entschädigungen nach Paragraf 56 Infektionsschutzgesetz geltend gemacht werden.

Die Eltern erklären weiter, dass die Maßnahme für sie völlig überraschend kam: „Man wird überrumpelt!“ Dazu verweist die Leiterin der betroffenen Saalfelder Kita auf die Betreuungsverträge, die alle Eltern unterschrieben hätten. Darin sei die Möglichkeit eines Betretungsverbotes als Schutzmaßnahme bei bestimmten Infektionskrankheiten aufgeführt. Die Kita-Leiterin: „Man überliest das immer so schnell...“ Das Gesundheitsamt erklärt: „Wir machen die Eltern im Rahmen von Impfberatungen stets darauf aufmerksam, dass bei Auftreten bestimmter Infektionskrankheiten mit einem Besuchsverbot zu rechnen ist, wenn keine Immunisierung vorliegt.“ Generell folge das Gesundheitsamt den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Institutes (RKI) in Berlin. Das RKI empfiehlt die Impfung gegen Windpocken seit 2004.

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