Saalfelds Feuerwehrchef: „Wir brauchen mehr Wasser“

Saalfelds Feuerwehrchef, Stadtbrandmeister Andreas Schüner, über Waldbrände, den Nachwuchs und Feuerwehr-Frauen

Saalfelds Stadtbrandmeister und Wehrführer Andreas Schüner

Saalfelds Stadtbrandmeister und Wehrführer Andreas Schüner

Foto: Guido Berg

Herr Schüner, wie hat die Feuerwehr Saalfeld den heißen Sommer 2019 bisher überstanden?

Hier in Saalfeld relativ gut.Wir sind von großen Waldbränden verschont worden. Unsere Feuerwehr war aber im ganzen Landkreis unterwegs. Im Stadtgebiet selbst haben wir Glück gehabt, da gab es nur zwei, drei kleine Brände.

Keine Großbrände?

Nein, keine großen Wald- oder Flächenbrände. Das hat sich alles wirklich in Maßen gehalten. Und doch einen Dank an die Kameraden, die sich bei den brütenden Temperaturen der Aufgabe stellen mussten.

Sind Sie denn technisch gut ausgerüstet, um auch Waldbrände zu bekämpfen? Schließlich sind Sie eine Stadtfeuerwehr.

Sind wir. Bei Waldbränden brauchen die Fahrzeuge Wasser. Es gibt Landkreistechnik, die extra dafür angeschafft worden ist. Etwa das Tanklöschfahrzeug 4000, so dass 4000 bis 5000 Liter Wasser zur Verfügung stehen. Deshalb fahren wir auch Einsätze nach Wurzbach oder über Schmiedefeld nach Lichte oder sonstwo hin, dahin, wo eben Wasser gebraucht wird. Dann haben wir noch kleine Brandlöschfahrzeuge, die auch dafür da sind, Waldbrände zu löschen. Die dafür geeignet sind, auch auf Waldwegen zu fahren. Wegen der Größe der Fahrzeuge ist es nicht ganz einfach, überall im Wald herumzufahren.

Wie sieht Ihre grundsätzliche Ausstattung aus? Haben Sie alles, was Sie brauchen?

Wir haben gute neue Technik hier. So besitzen wir neben dem Löschfahrzeug ein Tanklöschfahrzeug, eine neue Drehleiter, für Autounfälle Spreizer und Schere großen Ausmaßes, einen Schlauchcontainer und ein Logistikfahrzeug. Ja, wir sind breit aufgestellt.

Wenn Sie mal träumen dürften? Was würden Sie sich gerne zulegen?

Das wäre Wolkenkuckucksheim. Ich denke mal, die Feuerwehr Saalfeld ist schon gut ausgestattet. Die ganze Technik muss ja auch bedient und unterhalten werden von den Kameraden. Viel mehr könnte ja dann keiner mehr bewältigen.

Wie sieht es bei den neuen Ortsteilen aus? Da ist doch noch Investitionsbedarf?

Unterschiedlich. Das älteste Fahrzeug ist von 1967. Dagegen wird Schmiedefeld in diesem Jahr ein neues städtisches Auto bekommen. Das passiert im Zusammenhang mit der Eingemeindung. Leider aber hat das Land die Fördermittel gestrichen, sonst hätten wir vielleicht jetzt einen Fördermittelbescheid für ein neues Auto in Wittgendorf. Daher muss die Anschaffung geschoben werden.

Auf das nächste Jahr?

Ja. Dann ist die Situation so: Der Landkreis stellt in Reichmannsdorf ein neues Löschfahrzeug hin für die Aufgaben des Landkreises im Rahmen des Katastrophenschutz. Wir sehen, dass erst einmal etwas passiert. Die restliche Fahrzeugausstattung bleibt natürlich für die Brandschutzbedarfsplanung bis 2025 ein großes Thema.

Zurück zu den Waldbränden. Was sagen Sie zu der bundesdeutschen Debatte über die Anschaffung von Löschflugzeugen? Braucht die Feuerwehr in Deutschland Löschflugzeuge?

Wann man an das Waldbrandgebiet in der Lausitz denkt: Wir haben bei uns, toi toi toi, in den ganzen Jahren wenig mit Waldbränden zu tun gehabt. Wobei große Waldbrände hier durch die Berge und teilweise Nichtbefahrbarkeit noch eine andere Dimension darstellen würden als vielleicht in der Lausitz, wo die Wälder durchzogen sind mit Waldwegen. Aber hier über den Wald zu fliegen... Ich meine, man muss dafür auch das Wasser haben. Es wäre sehr schwierig, das Wasser im Stausee aufzunehmen. Das Thema ist also nicht ganz einfach.

Also aus Ihrer Sicht wäre solches Geld wohl besser direkt bei den Feuerwehren angelegt, zum Beispiel bei den kleinen freiwilligen Feuerwehren?

Das Problem muss auf der Bundesebene gelöst werden. Ich spreche mich dafür aus, dass, wenn der Bund Löschflugzeuge kauft, dies mit zusätzlichen Bundesmitteln geschieht und nicht auf Kosten der Feuerwehren. Gelingt das, können Löschflugzeuge eine gute Sache sein.

Fünf Kubikmeter Wasser und der Boden ist trocken

Rechnen Sie damit, dass Thüringen auch vom Klimawandel und damit von trockenen und absterbenden Wäldern betroffen sein wird?

Damit haben wir seit Jahren gerechnet. Schon vor vielen Jahren haben wir angefangen, im Winter Altholz, Reisigholz und Resthölzer zu verbrennen, weil sie in heißen Sommer eine zusätzliche Brandgefahr bedeuten. Ein weiteres Problem ist der Löschwassermangel. Die Löschwasserreservoire sind teilweise nicht mehr vorhanden. Die Löschwasserteiche im Stadtgebiet und auf der Saalfelder Höhe haben aufgrund der Hitze eine Oberflächenabsenkung von 20 bis 30 Zentimeter erfahren. Es fehlt eine ganze Menge Wasser, und es kommt insbesondere im Sommer keins nach.

Was können Sie da tun?

Im Zuge der Eingemeindung haben wir eine Aufstellung gemacht, wo Löschwasser vorhanden ist. Die Situation ist vielgestaltig. Einige Teiche können wieder hergestellt werden, dass sie auch dicht sind. Auch Zisternen müssen wieder hergestellt werden. Wir haben auch die Situation, dass bei Bauarbeiten Wasseradern zerstört wurden. Damit werden wir uns intensiv beschäftigen.

Die beste Feuerwehr nutzt nichts, wenn sie bei einem Waldbrand kein Wasser hat!

Gut, man kann auch mit Hacke und Schaufel etwas machen, aber das erfordert Manpower, die nicht immer zur Verfügung steht. Das beste Mittel ist Wasser.

Aber das fehlt manchmal...

Bei einem Brand oben auf der Katze am Kulm ist klar geworden, dass viel Wasser benötigt wird. Auf der Katze gibt es kein Wasser. Wir mussten das Wasser aus der Stadt hinauf schaffen. Dort haben wir obendrein gemerkt, wie trocken der Boden ist. Da kann ich fünf Kubikmeter Wasser darauf schütten – und es ist so trocken wie vorher.

Wie sieht es beim Nachwuchs auf? Ist die Feuerwehr attraktiv für junge Leute?

Wir haben unterschiedliche Tendenzen. Hier in der Stadt Saalfeld ist die Jugendfeuerwehr voll. Da kann im Moment keiner weiter aufgenommen werden. Man muss die Kinder ja auch beteiligen können. Das sind 18 Mann in zwei Gruppen. In anderen Jugendfeuerwehren sieht es nicht so gut aus. Oben auf der Saalfelder Höhe, zum Beispiel in Wittgendorf, sind gar keine Kinder im entsprechenden Alter da. Die Jugendfeuerwehr ist deshalb aufgelöst worden. Wir versuchen, die Kinder aus mehreren Dörfern zentral zu sammeln. So hatten wir letztens in Reschwitz ein Jugendzeltlager mit Jugendlichen von der Saalfelder Höhe und aus Polen.

Sie sagten: 18 Mann...

... und Frauen. Das ist bei der Jugendfeuerwehr gang und gäbe, dass da Jungs und Mädels zusammen sind.

Aber bei Ihnen in der Stadtfeuerwehr sehe ich bei den Hauptamtlichen nur Männer...

Unter den neun Hauptamtlichen ist auch eine Frau.

Was sagen Sie zu Frauen im Feuerwehrberuf?

Es gibt sicher die unterschiedlichsten Meinungen. Ich sage, es ist wie bei den Männern: Die einen sind intensiver dabei, die anderen nicht. Frauen, die sich dafür entscheiden, wollen sich unter den Männern beweisen, und das gelingt ihnen aus meiner Sicht auch.

Wie kann die Politik den Beruf des Feuerwehrmanns und der Feuerwehrfrau attraktiver machen? Was könnte die Politik für Ihre Zunft tun?

Wir haben seit 2008 das Gesetz, dass hauptamtlich Beschäftigte Beamte sein müssen. Alle, die vorher zu uns kamen, sind keine Beamten, sondern Angestellte. Deshalb gibt es Unterschiede in der Gleichstellung. Das schafft Unmut. Da muss von der Politik etwas gemacht werden.

Was hat Sie einst bewogen, Feuerwehrmann zu werden? Die Faszination, die vom Feuer ausgeht?

Es war so: Der Sohn eines Feuerwehrmanns sagte: Komm doch einfach mal mit! Gehen wir doch zur Feuerwehr und gucken uns das an! Und es war schön zu spüren, wenn die Sirene geht. Da guckt man nicht einfach zu, sondern man ist dabei.

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