Zwei Bänke für den Hautarzt von Leutenberg

Leutenberg.  Die Bürger der Sieben-Täler-Stadt setzen Raphael Shimshoni von der Friedensburg-Hautklinik ein Denkmal nahe seiner Wirkungsstätte.

Dermatologe Raphael Shimshoni auf „seiner“ Bank am Fußweg zur Friedensburg, die eine Plakette mit seinem Namen ziert.

Dermatologe Raphael Shimshoni auf „seiner“ Bank am Fußweg zur Friedensburg, die eine Plakette mit seinem Namen ziert.

Foto: Robin Kraska

Der Standort für die Würdigung ist durchdacht: Auf dem Fußweg hinauf zum Schloss Friedensburg laden jetzt zwei Bänke mit einer Gedenkplakette zur Rast ein. Die Leutenberger Bürgerschaft sponsorte sie mit Spendengeldern für Raphael Shimshoni, den langjährigen Leiter der Hautklinik im Schloss.

Shimshoni stand der Einrichtung von 1992 bis 2015 vor und war in der Stadt dafür bekannt, meistens auf ebendiesem Weg zu Fuß auf Arbeit zu gehen. Gestern feierten Weggefährten, Freunde und Vertreter der Stadt mit dem Mediziner die Einweihung nahe seiner alten Wirkungsstätte. „Vielen, vielen Dank“, sagte der sichtlich Gerührte. „Ohne meine tollen Mitarbeiter wäre all das, was wir auf der Friedensburg geleistet haben, nie möglich gewesen“.

Klinik als Glücksfall

Shimshoni wurde 1944 in Tel Aviv (Israel) geboren und wuchs in der Tschechoslowakei auf, wo er auch Abitur machte. Sein Studium der Zahn- und Humanmedizin führte er nach der Niederschlagung des Prager Frühlings in Westdeutschland weiter, wo er Anfang der siebziger Jahre promovierte.

Von November 1992 bis September 2015 leitete er das Fachkrankenhaus über den Dächern der Sieben-Täler-Stadt und bis September diesen Jahres praktizierte er noch in seiner eigenen Praxis in Kastl bei Amberg. „Ich bekomme immer noch viele Briefe von früheren Patienten“, sagt Shimshoni, der heute seinen 76. Geburtstag feiert.

Bürgermeister Robert Geheeb (SPD) würdigte neben Shimshonis gesundheitlichem Lebenswerk auch die Existenz des Krankenhauses als „Glücksumstand, denn man findet in Thüringen viele Schlösser und Burgen, die ganz anders aussehen“. So hingegen erhalte die Klinik das Objekt aus dem 16. Jahrhundert. Rund 80 Mitarbeiter kümmern sich um die etwa gleich große Patientenzahl.

Leutenberger Diätbrot für Patienten

„Als einzige Hautklinik in Deutschland arbeiten wir völlig ohne Antibiotika und Cortisol“, erklärt der Arzt. „Stattdessen legen wir den Fokus auf die Ernährung, die oft für Hautprobleme verantwortlich ist“. Selbst habe er immer versucht, seinen Patienten mit einem gesunden Lebensstil Vorbild zu sein. Seit Jahren lebt er vegetarisch. Vor allem von der klassischen Schulmedizin „Austherapierte“ erhoffen sich Linderung in Leutenberg. Geheeb betonte außerdem die positiven Synergien für die Stadt: „Handwerk und Betriebe profitieren ebenso von der Friedensburg. Unser Bäcker backt zum Beispiel spezielles Diätbrot für die Patienten, und wenn Angehörige zu Besuch kommen, sind sie letztlich auch Touristen unserer Region“.

Apotheker Andreas Möckel hat die schon lange geplante Aktion koordiniert und die Spenden verwaltet. „Es gab zwar hauptsächlich kleine, aber dafür sehr viele Beträge. Die Resonanz hatte eine schöne Breite unter den Leutenbergern“, findet er. Nicht zuletzt wegen der Corona-Situation musste die Einweihung allerdings verschoben werden. Herstellung und Aufbau übernahmen der Selbstständige Sebastian Bliehm und der Bauhof.

Gefragt nach Anekdoten aus seinem Arbeitsleben erinnert sich Raphael Shimshoni daran, wie er Patienten mahnte, beginnende Beschwerden nicht abzutun, sondern ernstzunehmen: „Wenn die Krankheit da ist, ist sie da. Ein ‘bisschen schwanger’ gibt es ja auch nicht“.