Zwischen Prahlgalgen und Hydro-Jet: Cursdorfs Bettenhaus und die Zukunft

Cursdorf  Unter den Sommerfrische-Programmpunkten im August war einer, der nicht nur im Wortsinne eine Premiere war, weil Cursdorf zum ersten Mal mitmachte, sondern auch einer, der den bekannten Fachwerk-Charme der Sommerfrische-Objekte brach.

Erstmals seit langem war das einsturzgefährdete frühere Bettenhaus des Hotels „Cursdorfer Höhe“ Ziel einer öffentlichen Führung. Bürgermeister Frank Eilhauer (rechts) erklärte, der Gemeinde fehle derzeit das Geld für den Abriss.

Erstmals seit langem war das einsturzgefährdete frühere Bettenhaus des Hotels „Cursdorfer Höhe“ Ziel einer öffentlichen Führung. Bürgermeister Frank Eilhauer (rechts) erklärte, der Gemeinde fehle derzeit das Geld für den Abriss.

Foto: Henry Trefz

„Wir summieren unter dem Begriff Sommerfrische nicht nur die romantischen Prachtbauten und die Gründerzeit, sondern eben auch die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts“, wird Burkhardt Kolbmüller von der Zukunftswerkstatt Schwarzatal nicht müde, zu betonen.

Das gute Dutzend Besucher, die sich am noch im Betrieb befindlichen Teil des einstigen Hotelkomplexes „Cursdorfer Höhe” trafen mochten ihm zugehört haben. Jedenfalls traf Bürgermeister Frank Eilhauer, der bereit erklärt hatte, die Führung zu übernehmen, auf reges Interesse.

Denn natürlich ist das Gebäude, das zwar Bettenhaus genannt wird, aber auch viele Service-Bereiche unter einem Dach vereinte, eine Landmarke. In den 70er-Jahren hat man die damals baumfreie Anhöhe mit ihrer spektakulären Aussicht vor allem süd- und westwärts nicht umsonst ausgewählt. Das heutige Grün, das außer dem monströsen Schornstein wenigstens im Sommer den größeren Teil des Hauses verdeckt, hilft so dem staatlich anerkannten Erholungsort, nicht bei jeder Gelegenheit auf ein schwieriges Erbe blicken zu müssen.

Längst würde die Gemeinde, die inzwischen nach erheblichem Grundschuld-Rückstand des vormaligen Eigentümers selbst im Grundbuch steht, dem Bau zu Leibe rücken, wenn sie die Mittel dafür im Haushalt fände.

Denn daran lässt der Bürgermeister beim Rundgang durch das offiziell gesperrte Gelände keinen Zweifel: Alles andere als ein Abriss ist wohl ausgeschlossen.

Dabei war das Gebäude, als es von 1973 bis 1977 gebaut wurde, auf einem sehr modernen Stand: Jede Einheit hatte ihre eigene Nasszelle, im Erdgeschoss gab es zuletzt viele Angebote, die heute zu Wellness und Fitness gehören. Noch heute sind die Aufschriften Hydro-Jet-Massage und Fitneß in damaliger Schreibweise lesbar. Sogar ein mindestens teilweise überdachtes Schwimmbad war in Planung. Doch als 1990 er gewerkschaftliche Feriendienst endete kam nach Verpachtung und Verkauf bald die Einsicht, dass die alte Konzepte nicht mehr funktionieren.

Dann begann nicht nur die Natur, das Gelände zurückzuerobern. auch viele Menschen aus nah und fern hatten die Ansicht, dass man doch die Eigentumsfrage auf der Seite lassen und viel von der Bausubstanz für eigene Zwecke nutzen könne.

Inzwischen ist vor allen das Treppenhaus so schwer passierbar, dass es keiner riskieren will, die Besucher auch ins haus hinein zu führen. Einer der Gäste, der trotz Gehhilfen, den Rundgang mitmacht erinnert sich, als er damals selbst zum Bau hier oben abkommandiert wurde.

Die anderen wollen hingegen etwas zur Zukunft wissen. Von der kann Frank Eilhauer aber nicht sprechen, ohne ein wenig weiter auszuholen.

Man sehe sich als Kommune in der Pflicht, einem möglichen, touristischen Nachfolgeprojekt an dieser Stelle den Weg zu ebnen. Und das im Wortsinne. Doch die Abrisskosten sind sechsstellig und muss wieder aus dem Haushalt gestrichen werden, weil der Kommune ein wesentlicher anderer Einnahmequell weggebrochen ist. „Wir haben 300 Hektar Kommunalwald und mit nachhaltiger Forstwirtschaft mit ihm sonst rund 180.000 Euro im Jahr eingenommen. Mit der Trockenheit, dem Borkenkäfer und den Zusammenbruch des Holzmarktpreises, sind nicht nur diese Einnahmen weg, sondern müssen rund 80.000 Euro aufgewendet werden, um das kommunale Eigentum zu schützen. Das hat Vorrang.“

Dass das Gelände trotz der Brache attraktiv ist, zeigt die Umgebung. Nicht erst der voluminöse Stahl-Wegweiser zum Hotel, der – von den Einheimischen Prahlgalgen genannt – nach der Wende zum Ortschild umfunktioniert wurde, war nötig, um für die oberhalb errichten Unterkünfte der damaligen Mitarbeiter neue Eigentümer zu finden.

Das Gelände aber könnte, wenn es nach der Gemeinde geht, dereinst eine Bungalow-Siedlung tragen. Dass sich hier oben eine Großunterkunft rechnet, daran glaubt Frank Eilhauer nicht mehr: „Die Kleinteiligkeit ist es, die heute die Touristen anzieht.“ Und die Gegend – aber das ist für die Cursdorfer natürlich selbstverständlich...

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