Bad Lobenstein: 40 Jahre trennen das älteste und das jüngste Mitglied des Stadtrates

Bad Lobenstein  Zwei Generationen im Gespräch: Fragen an Ursula Preiß und Emmanuel von Thaler

Ursula Preiß von der Liste Aktiv-Unabhängig-Fair (AUF) ist mit 74 Jahren ältestes und Emmanuel von Thaler von der Bad Lobensteiner Bürgerliste mit 34 Jahren jüngstes Mitglied des Stadtrates in Bad Lobenstein.

Foto: Peter Hagen

Das älteste und das jüngste Mitglied des neuen Bad Lobensteiner Stadtrates trennen 40 Jahre. Welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede gibt es zwischen den beiden Vertretern verschiedener Generationen für ihren Heimatort? Wir fragten nach:

Welcher Aufgabe sollte sich der Stadtrat als Erstes stellen?

Ein neuer Ausschuss sollte gebildet werden, der sich für Stadtentwicklung, Tourismus und Marketing einsetzt und mit Mitgliedern des Stadtrates besetzt ist. Dazu sollten noch sachkundige Bürger kommen, die Geschäfte betreiben. Dieser Ausschuss soll in den nächsten Jahren gemeinsam mit dem Kurentwicklungskonzept das wichtigste Standbein für die Region sein. Das Bahnhofsgebäude sollte zeitnah ­genutzt werden können. Und schnell brauchen wir das neue Domizil fürs Jugendhaus.

Wir brauchen die Erstellung eines Parkplatzkonzeptes für die Innenstadt und den Bereich vom Heinrich-Scherer-Platz über die Heinrich-Behr-Straße am Ärztehaus bis hin zum Schulzentrum.

Welche Aufgabe würden Sie in einer Prioritätenliste eher ganz unten platzieren?

Da möchte ich jetzt zunächst noch nichts einordnen. Dafür weiß ich momentan noch zu wenig und muss mich erst einarbeiten.

Ich habe hierzu unser Wahlprogramm rausgesucht und finde, dass jeder Punkt wirklich wichtig ist. Jeder Punkt ist stets wichtig für einen Teil der Bürger und ich bin im Stadtrat, um im Namen der Bürger zu agieren. Welchem Teil der Bürger soll ich jetzt weniger Unterstützung zusagen?

Was braucht Bad Lobenstein dringender: Auto-Parkplätze oder sichere Rollatoren-Wege?

Autoparkplätze, um die Geschäfte in der Innenstadt besser zu erreichen. Die älteren Menschen fahren mit dem Rollator auf dem Gehweg. Hier sollte man barrierefreie Übergänge schaffen und im Winter besser räumen und streuen.

Für mich bedeuten Rollatoren-Wege auch gute Wege, die ebenso in einem Rollstuhl oder mit einem Kinderwagen zu befahren sind. Hier muss an einigen Engstellen geschaut werden, was sich verbessern lässt. Ich nenne mal als Beispiel den Durchgang von der Schlossgasse zur Mühlgasse – dieser kann weder mit einem Rollator, noch mit einem Rollstuhl, ja selbst nicht mit einem Kinderwagen genutzt werden, weil die Rampe sehr eng und steil ist. So muss man immer den Bogen auf der Straße laufen, was nicht ungefährlich ist. Es fehlt zudem ein durchgängiger Bürgersteig an der Bayerischen Straße bis zur Median Klinik.

Parkplätze sind schon immer ein Wunsch vieler Bürger. Es gibt Ecken in Bad Lobenstein, die sind immer gut genutzt, und auch Ecken, die weniger genutzt werden. Da muss man sich das Parkplatzkonzept unter Einbeziehung der Stadtentwicklung anschauen und darauf basierend können wir versuchen, neue Parkplätze zu schaffen. Besonders wichtig ist für mich die aktuelle Situation am Heinrich-Scherer-Platz und im Bereich Heinrich-Behr-Straße am Ärztehaus sowie im Schulzentrum.

Apropos sichere Wege: Braucht die Stadt mehr Fußgängerüberwege und wo sollten diese sein?

Da sehe ich Bedarf an der Michaelisschule in der Karl-Marx-Straße, am Kulturhaus in der Straße der Jugend und an der Bäckerei Höhne in der Bayerischen Straße. In Saaldorf fehlt ein Warnhinweis auf Kinder, wo die Schüler nach dem Verlassen des Busses die B 90 überqueren müssen.

Fußgängerüberwege sind ein wichtiger Punkt, um die Sicherheit der Fußgänger zu erhöhen. Allerdings liegt da auch Verantwortung bei den Autofahrern, einige scheinen die Bedeutung der weißen Streifen auf der Straße nicht zu kennen. Bedarf sehe ich in der Karl-Marx-Straße im Schulzentrum und in der Straße der Jugend zwischen Kulturhaus und Parkplatz.

Wenn Sie freie Hand hätten – was würde mit der Almhütte oberhalb des Koseltals geschehen?

Stehenlassen, die Bauhülle ist noch gut. Es ist dort ein sehr schöner Platz im Wald.

Natürlich würde ich gerne diese Schutzhütte renoviert und in einem ordentlichen Zustand haben wollen. Aber leider wird sowas von einigen nicht respektiert und es wird die Hütte meist nicht so verlassen, wie sie vorgefunden wurde. Ich würde jedenfalls gerne dieses Gebäude erhalten.

Bekommt der Bau eines Bürgerhauses in Lichtenbrunn Ihre Unterstützung?

Ja, denn jeder Ort braucht einen Raum, um sich zu treffen oder gemeinsam zu feiern.

Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass auch die Lichtenbrunner ihr Bürgerhaus bekommen. Letztes Jahr haben die Lichtenbrunner ihre Kirmes im Vereinhaus vom VfR in Bad Lobenstein feiern müssen. Das hat für mich nix mit einer Kirmes auf dem Dorf zu tun.

Sollte Saaldorf eines Tages ähnlich interessant für Saale-Touristen werden wie Saalburg?

Ja. Saaldorf könnte eine Perle werden. Von der Landschaft her ist es das schon. Es ist schrecklich, wenn hier nichts passiert. Dabei könnte uns das Landratsamt eigentlich ein wenig unterstützen.

Definitiv besser! Hier wäre für mich ein Wassersportpark mit verschiedenen Attraktionen sehr interessant.

Gibt’s an Helmsgrün noch mehr Interessantes als nur das Moorgebiet?

Es gibt einen Biohof mit Direktvermarktung und Milchtankstelle, eine prima Feuerwehr, den Fußballverein, Sportplatz, Spielplatz, Feuerwehrteich und Badeteich. Sogar eine Eierlikör-Manufaktur. Die bestehende Freilichtbühne müsste wieder genutzt werden.

Es gibt die ehemalige Waldbühne, die gehört es wieder zu beleben und nutzbar zu machen. Des Weiteren sind es die Bürger, die dort wohnen und tatkräftig in den Vereinen tätig sind und das Dorfleben erst lebenswert machen. Ein weiterer wichtiger Anziehungspunkt ist die Milchtankstelle mit ihrem Bauernhof, wo man sich mit den Kindern mal die Kälber anschauen kann.

Was können Unterlemnitz und Oberlemnitz in den nächsten Jahren erwarten?

Unterlemnitz hat einen prima Heimatverein. Es gibt bestimmt noch mehr zu tun, aber ich kenne mich da noch nicht so aus. In Oberlemnitz sollte auf jeden Fall der Teich erhalten werden.

Den Oberlemnitzern liegt aktuell sehr viel daran, dass der Badeteich erhalten wird, das unterstütze ich. In Unterlemnitz müssen wir uns darum kümmern, dass die Brücke über die Bahn gebaut wird. Ich muss mich aber dazu erst einarbeiten, was bisher wie gelaufen ist. Ebenso müssen wir mit dem Stadtbauhof ins Gespräch kommen, wie wir die Mäharbeiten in den Ortsteilen besser gestalten können, es gibt ja nicht nur das Stadtgebiet Bad Lobenstein. Stadtratssitzungen in den Ortsteilen wären eine gute Möglichkeit, den Bürger zu Wort kommen zu lassen. Zur Stadt Bad Lobenstein gehören die Ortsteile, entsprechend sind diese einzubinden.

Welchen Grund gebe es Ihrer Meinung nach, unbedingt in Bad Lobenstein oder einem seiner Ortsteile Heimat zu finden?

Wir haben eine gute Anbindung an die A 9, einen Eisenbahn- und Busbahnhof, viele Vereine und viele Sportmöglichkeiten. Es gibt alle Schulen vor Ort und Kindergärten, die Ardesia-Therme und das Waldbad. Bad Lobenstein ist lebenswert. Ich bin gerne hier zu Hause.

Ich habe einige Zeit in Oberfranken und in München verbracht, wollte aber unbedingt wieder hierher. Weil Bad Lobenstein und die Region einfach meine Heimat ist. Wir haben wirklich alles, was wir zum Leben brauchen. Und es wird viel unternommen, um das Leben immer lebenswerter zu machen. Wir haben eine wunderbare Natur, viele Einkaufsmöglichkeiten, wenn auch nicht vergleichbar mit Großstädten, und viele Firmen, die hier ansässig sind und Arbeitsplätze in verschiedenen Bereichen bieten. Wer es dann doch etwas ruhiger will oder auch günstiger, für den haben wir unsere tollen Ortsteile.

Meine Meinung:

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