Bad Lobenstein pro Höllentalbahn

Peter Hagen
| Lesedauer: 3 Minuten
Vor wenigen Tagen rollte ein Probezug mit Holz vom tschechischen Cheb zur ZPR nach Blankenstein, hier am Bahnhof Hof. Der Testzug der Salzburger Eisenbahn Transportlogistik (SETG) demonstrierte, wie leise inzwischen der Güterverkehr möglich ist.

Vor wenigen Tagen rollte ein Probezug mit Holz vom tschechischen Cheb zur ZPR nach Blankenstein, hier am Bahnhof Hof. Der Testzug der Salzburger Eisenbahn Transportlogistik (SETG) demonstrierte, wie leise inzwischen der Güterverkehr möglich ist.

Foto: Höllennetz e.V.

Bad Lobenstein.  Beschlussantrag aller Fraktionen im Bad Lobensteiner Stadtrat für Mitgliedschaft der Kurstadt in der Verkehrsinitiative Höllennetzbahn

Zum zweiten Mal in dieser Wahlperiode haben alle Fraktionen des Stadtrats von Bad Lobenstein gemeinsam einen Beschlussantrag eingereicht.

Diesmal ging es um die Mitgliedschaft der Kurstadt in der Verkehrsinitiative Höllennetz. Die im Jahr 2005 gegründete Verkehrsinitiative verfolgt das Anliegen, den Lückenschluss bei der seit Ende des Zweiten Weltkriegs unterbrochenen Höllentalbahn herzustellen. „Die Reaktivierungsbemühungen werden unterstützt“, hieß es zur Begründung der Mitgliedschaft von Bad Lobenstein. Darüber hinaus würden die Interessen des Mittelzentrums hinsichtlich der Bedeutung dieser Anbindung beim Güter- und Personenverkehr dem Land Thüringen vorgetragen.

Chancen für Wirtschaft und Tourismus

Mit dem einstimmig gefassten Beschluss bekräftigte der Stadtrat, dass die Bahnverbindung durchs Höllental eine immense Verkürzung der Fahrzeiten zwischen den Gemeinden von Hof bis Saalfeld mit sich bringe. „Die Höllentalbahn wird für die Gemeinden an der Strecke deutlich mehr positive Auswirkungen auf die Reisezeiten haben, als zum Beispiel die Hochgeschwindigkeitsstrecke Nürnberg-Erfurt, die im südostthüringer Raum mehr negative Effekte zeigt“, so der Stadtrat. Zudem biete die Höllentalbahn Chancen für die Wirtschaft und den Tourismus.

Auch Städte wie Hof und Naila sind Mitglied in der Verkehrsinitiative, berichtete Fritz Sell, der als 1. Vorsitzender von Höllennetz e. V. zu den Stadtratsmitgliedern sprach. Er freute sich, dass durch den Beitritt von Bad Lobenstein die Kommunikation über die Landesgrenze hinweg verbessert werden könne. Obgleich es entlang der Bahnstrecke auch Gegner gäbe, habe das Projekt der Reaktivierung ab 2019 „an Schwung gewonnen“, bemerkte Sell.

Höllentalbahn-Gegner referieren auf Naturschutz

Ein „Bündnis Höllental“ hatte kürzlich eine Petition gestartet, um mit 10.000 Unterzeichnern beim Bayerischen Landtag gegen die Reaktivierung der Höllentalbahn mobil zu machen. Die Bahn-Gegner führen ins Feld, dass das Naturschutzgebiet Höllental bewahrt werden müsse. Zudem seien Anwohner entlang des Bahndamms betroffen. Auch Heilquellen und Wasserschutzgebiete würden durch den Bahnverkehr gefährdet. Eine am 22. März gestartete Online-Petition gegen die Reaktivierung hat bislang 971 Unterzeichner gefunden, das Sammelziel liegt bei 10.000 Unterschriften.

Seitens der Verkehrsinitiative Höllennetz wird unterdessen die Betroffenheit von Anwohnern nicht in Abrede gestellt. Daher solle über Themen wie Zugfrequenzen, mögliche Lärmschutzmaßnahmen, Betriebszeiten und Fahrgeschwindigkeiten geredet werden.

Ausgleichende Maßnahmen zur Sicherung von geschützten Lebensräumen

Bei der Thüringer Landesregierung liegt unterdessen eine Auswirkungsabschätzung zur Reaktivierung der Höllentalbahn vor. Vom für die Verkehrsplanungen zuständigen Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft wurde diese dem Umweltministerium zur Kenntnis gegeben. Wie es heißt, müssten durch eine länderübergreifende Koordinierung auf bayerischer und thüringischer Seite „ausgleichende Maßnahmen zur Sicherung europa- und bundesrechtlich geschützter Lebensräume und Arten“ stattfinden. Zum aktuellen Prozessstand gibt es aktuell noch keine weiteren Informationen.