Könnte sich das Szenario beim nächsten Unwetter wiederholen?

Weitisberga  Die Landesstraße zwischen der Weitisbergaer Mühle und dem Bahnhof Lichtentanne war nach dem Unwetter am 27. August besonders schlimm betroffen. Schlamm und Geröll hatten für eine Vollsperrung des Abschnitts gesorgt.

Schlamm und Geröll auf der Landesstraße zwischen dem Bahnhof Lichtentanne und der Weitisbergaer Mühle. 

Schlamm und Geröll auf der Landesstraße zwischen dem Bahnhof Lichtentanne und der Weitisbergaer Mühle. 

Foto: Dennis Zwerrenz

Am Abend des 27. August hatte der Himmel über einigen Teilen der Region seine Schleusen geöffnet. Die Folge waren abgeschwemmte Felder und mit Geröll überspülte Straßen.

Zu den besonders schlimm ­betroffenen Gebieten gehörte die Landesstraße zwischen der Weitisbergaer Mühle und dem Bahnhof Lichtentanne. Dort blieb aufgrund der Schlamm- und Gerölllawine nur die Vollsperrung des Abschnitts, der erst am nächsten Tag mit schwerer Technik wieder freigeräumt werden konnte. „Ein Szenario, das sich jederzeit wiederholen kann“, ist Reiner Kaufmann aus Weitisberga überzeugt. Denn die Ursache ist nicht allein starker Regen.

Absetzbecken sind komplett verschüttet

Von der Landesstraße knapp 500 Meter Luftlinie entfernt befindet sich der Heimatort des ­70-jährigen Rentners. Topografisch liegt Weitisberga etwa 100 Meter oberhalb der Landesstraße, in deren Richtung der so genannte Dorfbach fließt. Kein Bach im eigentlichen Sinne. An normalen Tagen eher ein Rinnsal, das aber im Einschnitt eines stark V-förmigen Geländes dahinplätschert. „Mit dem Straßenbau vor fünf Jahren sind im Ort noch mehr Flächen versiegelt worden und auch mehr Dachrinnen erfasst“, hat Reiner Kaufmann beobachtet, dass nun deutlich mehr Wasser in diesen „Dorfbach“ fließe. Bei dem Unwetter vor drei Wochen so viel, dass sich sogar von einem Kon­trollschacht der Deckel hob.

Das Wasser stürzt dann weiter talwärts und schießt unterhalb einer ehemaligen Deponie aus der Verrohrung, die dort endet. Mit welch zerstörerischer Kraft die Fluten herabstürzen, ist deutlich an den Ausspülungen im Gelände zu sehen. Und an zwei Waldwegen, die Reiner Kaufmann 1997 und 1998 selbst angelegt hatte und die sich an dem Hang zwischen Weitisberga und der Landesstraße befinden. Um diese Wege vor dem Wasser zu schützen, sind diese verrohrt worden. Vor den Rohren hatte Reiner Kaufmann Absetzbecken angelegt. „Wenn es mal stärker regnete und mehr Wasser kam, konnte mitgerissenes Geröll dort abgefangen werden. Durch das 800-Millimeter-Rohr floss lediglich das Wasser“, erklärt Reiner Kaufmann. Einmal jährlich würden die Absetzbecken ausgebaggert und aufgefangenes Geröll beseitigt.

Wirkliche Maßnahmen seien bisher ausgeblieben

Mit welcher Wucht und Menge an dieser Stelle beim jüngsten Unwetter das Wasser seine zerstörerische Arbeit leistete, ist noch lange zu sehen. Denn die beiden von Reiner Kaufmann angelegten Forstwege sind arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Von den Absetzbecken ist gar nichts mehr zu sehen. Es wurde derart viel Gestein mitgerissen, dass die bis zu 15 Kubikmeter fassenden Becken komplett gefüllt sind. Zudem liegt das Gestein auf den Wegen. Und schlimmer noch: aufgeschüttete Bereiche entlang der Wege sind abgespült worden, so dass die Durchflussrohre jetzt nahezu freiliegen. Dass an diesem Hang ständig Geröll und Erdreich abgetragen werden, scheint beim Landesamt für Bau und Verkehr bekannt zu sein. Denn Reiner Kaufmann berichtet, dass regelmäßig entlang der Landesstraße die Böschung beräumt werde, wo Fangnetze verhindern sollen, dass ständig etwas auf die Fahrbahn stürzt.

„Die Straßenverwaltung und die Verwaltung der Kommune wurden von mir schon seit den 1990er Jahren immer wieder auf den gefahrvollen Zustand an diesem Hang hingewiesen“, berichtet der Rentner. Doch wirkungsvolle Maßnahmen seien bislang ausgeblieben. Er werde nun jedenfalls mit viel Aufwand und Mühe die beiden Forstwege wieder herrichten. Doch schon mit dem nächsten stärkeren Regen droht sich zu wiederholen, dass Geröllmassen bis auf die Landesstraße herabstürzen. Denn dass jemand die Ursache beseitigt, lässt sich derzeit nicht erkennen.

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