Berufsphilatelist und jetzt Ortsteilbürgermeister in Göttengrün

Simone Zeh
| Lesedauer: 3 Minuten
Göttengrün hat einen neuen Ortsteilbürgermeister gewählt.

Göttengrün hat einen neuen Ortsteilbürgermeister gewählt.

Foto: Simone Zeh / OTZ

Göttengrün.  Gebürtiger Göttengrüner und jahrelanger Mönchengladbacher Andreas Wehner hat sich gegen Kandidaten durchgesetzt.

Einen neuen Ortsteilbürgermeister hat Göttengrün gewählt. Andreas Wehner wurde mit 64,2 Prozent im kleinen Ortsteil von Gefell mit gerade mal 98 Wahlberechtigten gewählt. „Es gab 67 Stimmen und alle waren gültig”, bescheinigte Christian Werndl, der stellvertretende Wahlleiter. Die Wahlbeteiligung lag damit bei 68,4 Prozent. Es entfielen 43 Stimmen auf Andreas Wehner, 59 Jahre alt. Das entspricht 64,2 Prozent.

Erst gab es gar keinen Kandidaten

Noch vor kurzem hatte es in Göttengrün gar keinen Kandidaten für das Ehrenamt gegeben. „Es war schon überraschend, dass sich dann sogar noch zwei Kandidaten gefunden hatten”, sagt Marcel Zapf, Bürgermeister von Gefell. Beworben hatte sich auch Klaus Kießling, 41 Jahre alt. Er erhielt von den Göttengrünern 24 Stimmen und kam auf 35,8 Prozent.

Die Wahl in Göttengrün lief außerplanmäßig, da Ortsteilbürgermeister Jürgen Hörl, der viele Jahre das Ehrenamt in seinem Wohnort ausübte, ist Ende des vorigen Jahres aus Altersgründen zurückgetreten war. Und da es jetzt zwei Kandidaten gab, hatte automatisch einer der beiden die absolute Mehrheit erreicht, so dass keine Stichwahl nötig ist. „Das relativ eindeutige Ergebnis hat mich überrascht, damit hatte ich nicht gerechnet”, sagt der Wahlsieger.

Wer ist Andreas Wehner? „Ich bin gebürtiger Göttengrüner”, berichtet er. Er verließ seine Heimat mit seiner Familie am 6. November 1989, also zur Wendezeit, und lebte in Mönchengladbach. Den Kontakt zur Heimat aber hat er nie abbrechen lassen. Vor drei Jahren kehrte er zurück nach Thüringen. „Ich habe mein Elternhaus ausbauen lassen”, so Wehner. Der Vater lebt mit im Haus. Außergewöhnlich klingt der Beruf des Göttengrüners. „Ich bin Berufsphilatelist und im Bund Philatelistischer Prüfer tätig”, sagt er. Diese Vereinigung hat rund hundert Mitglieder deutschlandweit. Andreas Wehner prüft Briefmarkenserien, genauer gesagt Serien aus den Nachkriegsserien 1945 bis 1949, die dazumal in den Westzonen herauskamen. Der Wert der zu prüfenden Marken reicht von wenigen Cent bis zu hochwertigen Marken mit vierstelligen Euro-Beträgen. Es geht um die Bestimmung und auch darum, Fälschungen zu erkennen. Kunden sind privat, aber auch Auktionshändler, die die Marken zuschicken und prüfen lassen.

Um Probleme kümmern

Was ihn bewogen hat, für die Wahl als Ortsteilbürgermeister in Göttengrün anzutreten? „Wenn kein Kandidat da ist, wird mit weißer Liste gewählt. Jeder schreibt einen Namen drauf”, so Wehner. Nicht jeder, der gewählt wird, will das Amt annehmen. “Zum Schluss wird vielleicht jemand Ortsteilbürgermeister, der nur ein oder zwei Stimmen hatte.” Das wollte er verhindern. Was er in seinem Wohnort erreichen möchte, dazu hat Andreas Wehner bereits einige Pläne: “Ich möchte Traditionen aufrechterhalten wie etwa Feiern zum Frauentag, Rentnerweihnachtsfeier, Vorabend zum 1. Mai, Bürgerstammtisch und Dorffeste. Und ich möchte mich der Anliegen und Probleme der Göttengrüner annehmen, mich darum kümmern und Lösungen finden.” Auch diverse Arbeiten am und um das Feuerwehrgerätehaus sollen in Angriff genommen und der teilweise schlechte Zustand der Bankette an der Durchgangsstraße durch Göttengrün verbessert werden. Langfristig ist die Erweiterung und energieeffiziente Erneuerung der Straßenbeleuchtung in Göttengrün ein Ziel.

Eigentlich dauert die Amtszeit des Ortsteilbürgermeisters fünf Jahre, sie gilt aber für den neu Gewählten in Göttengrün erst einmal nur bis zum Ende der Amtszeit des Stadtrates. Im Jahr 2019 war die letzte Wahl in Gefell, also wird 2024 wieder gewählt – auch der Ortsteilbürgermeister in Göttengrün.