Bruno Hartmann aus Gefell gehört zu den fünf offiziellen Pilzberatern im Saale-Orla-Kreis

Gefell  Experten bewahren die Pfanne vorm Satanspilz. Die Zunft hat aber Nachwuchssorgen.

Seit 1983 ist Bruno Hartmann aus Gefell ehrenamtlich als Pilzberater tätig.

Seit 1983 ist Bruno Hartmann aus Gefell ehrenamtlich als Pilzberater tätig.

Foto: Peter Hagen

Körbeweise werden derzeit Pilze aus den Wäldern getragen. Trotz heißem Sommer. „Die hohe Pilzzeit ist der September und Oktober“, sagt Bruno Hartmann, „da brauchen wir Wärme und Feuchtigkeit.“ Und das habe in diesem Jahr geklappt.

Bruno Hartmann ist ein ­Experte der Mykologie, also der Pilzkunde. Der 71-jährige Gefeller gehört zu jenen fünf Pilzberatern, die im Saale-Orla-Kreis offiziell als Spezialisten empfohlen werden, wenn Zweifel an der Genießbarkeit von Pilzfunden aufkommen. „Wir waren früher mal allein im Kreis Schleiz zehn Pilzberater“, verdeutlicht Bruno Hartmann, wie dringend auch auf diesem Gebiet Nachwuchs benötigt werde. Zumal der Bedarf an sachkundiger Auskunft vorhanden ist. „In diesem Jahr hatte ich bisher 37 Beratungen“, ist von Bruno Hartmann zu erfahren. Im gesamten vorigen Jahr seien es 13 gewesen. „Das war ein ­extrem schlechtes Pilzjahr, die Trockenheit hatte deutlich länger angedauert“, hat der 71-Jährige dafür eine Erklärung.

Schon seit 1983 ist Bruno Hartmann als Pilzberater tätig. Das große Interesse an der Natur habe ihn dazu bewegt. Nicht zuletzt trat er in die Fußstapsen seines Vaters. In einem Lehrgang erfolgte die Ausbildung zum Kreispilzsachverständigen, wie das seinerzeit hieß. Als Ortsbeauftragter für Pilzaufklärung begann er, nicht so kundigen Sammlern dabei zu helfen, die genießbaren von den ungenießbaren Funden zu trennen. Oder schlimmstenfalls sogar Giftpilze rechtzeitig zu enttarnen. Zu den gefährlichsten in der Oberland-Region gehören der Knollenblätterpilz, der Pantherpilz und der Fliegenpilz.

Wie lebensbedrohlich Giftpilze tatsächlich sein können, daran kann sich Bruno Hartmann mit einem Beispiel aus DDR-Zeiten erinnern. Eine Familie hatte sich eine Pilzmahlzeit zubereitet. Zwischen den Bovisten befand sich ein grüner Knollenblätterpilz. Nach dem Essen bekam ein elfjähriges Kind akute gesundheitliche Probleme und war noch in die Berliner Charité eingeliefert worden. Doch trotz aller ärztlichen Mühen starb der Junge an der Vergiftung.

Es ist vor allem die Verwechslungsmöglichkeit, die für Laien zur Gefahr werden kann. So könne leicht der ungenießbare Bitterling für den Steinpilz gehalten werden oder der Satanspilz für den Hexenröhrling. „Wenn beim braunen Fliegenpilz die weißen Tupfen abgewaschen sind, ähnelt er schnell dem braunen Scheidenstreifling oder Perlpilz“, nennt Bruno Hartmann ein weiteres Beispiel.

Er kenne um die 200 verschiedene Pilzarten, schätzt der Gefeller. „Aber man lernt immer dazu.“ Jetzt erst am Feiertag sei ihm erstmals ein Strubbelkopf vorgelegt worden. Der wird als Speisepilz nicht empfohlen. Dessen Farbstoffe dienten einst zum Färben von Kleidungsstücken und können bei Verzehr Unverträglichkeitsreaktionen auslösen.

Es muss auch nicht jeder Pilz in der Pfanne landen, manchmal erfreue allein der Anblick. Wie beim bislang exotischsten Exemplar, das Bruno Hartmann bei Tanna fotografierte: den Tintenfischpilz. Ursprünglich ist dieser in Australien und Neuseeland heimisch, bis Sporen mit Wolltransporten nach Europa eingeschleppt worden sein müssen.

Welche Tipps hat der Fachmann für Pilzsammler? Zunächst räumt er mit dem weit verbreiteten Irrglauben auf, das die Pilze knapp über dem Waldboden abgeschnitten werden sollten. „Richtig ist es, den Pilz vorsichtig auszuhebeln“, sagt Bruno Hartmann. Das wäre aus zwei Gründen wichtig: „Das Stielende dient zur Pilzbestimmung, gerade bei leicht verwechselbaren Exemplaren. Und nicht zuletzt ist die Schädigung für das Pilzgeflecht geringer.“ Stehenlassen sollte man Pilze, die schon rein äußerlich ältere Exemplare sind, damit diese ihre Sporen ablegen können. Auch wenn beispielsweise Maronen schon leicht mit Schimmel befallen sind, gehören diese nicht in den Korb. „Bei Pilzen gilt die allgemeine Lebensmittelhygiene“, fasst es der Berater zusammen.

Sollte sich jemand für die ehrenamtliche Tätigkeit als Pilzberater interessieren, dann findet er bei der Thüringer Arbeitsgemeinschaft Mykologie die entsprechenden Ansprechpartner.

Pilzberatung

Bruno Hartmann, Gefell, Reuther Straße 19, Telefon 036649/826 45

Jürgen Eisentraut, Hirschberg, Amtsgerichtsweg 1, Telefon 036644/213 33

Klaus Haßmann, Sparnberg, Ortsstraße 53, Telefon 036644/217 09

Harald Jahn, Neustadt an der Orla, Walkmühlenstraße 22, Telefon 036481/506 22

Heinrich Lenfert, Triptis, Burkhardtstraße 29, Telefon 036482/325 14

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