Corona-Station in Schleiz platzt offenbar aus allen Nähten

Schleiz.  Donnerstag waren alle 15 Plätze auf der Station im Krankenhaus in Schleiz belegt.

Miriam Sorge von Verdi (v.l.) neben Philipp Motzke, der die Kekspackungen von Ursula Preiß zusammen mit Christina Fleck holt, die den Mitarbeitern des Krankenhauses einen Blumenstrauß als Anerkennung für ihre Leistungen und das Pflichtgefühl mitbrachte.

Miriam Sorge von Verdi (v.l.) neben Philipp Motzke, der die Kekspackungen von Ursula Preiß zusammen mit Christina Fleck holt, die den Mitarbeitern des Krankenhauses einen Blumenstrauß als Anerkennung für ihre Leistungen und das Pflichtgefühl mitbrachte.

Foto: Oliver Nowak

Eigentlich wollte die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) auch am Donnerstag wieder einen Warnstreik für die Beschäftigten des Schleizer Krankenhauses abhalten. Doch die Corona-Station platzt offenbar aus allen Nähten und so stellen sich die Beschäftigten ihrer Verantwortung gegenüber der Bevölkerung und arbeiteten, anstatt für die Sicherung ihrer Arbeitsplätze zu streiken. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Live-Blog

Der Gewerkschaftssekretär von Verdi, Philipp Motzke, stand am Donnerstagmittag dennoch vor dem Schleizer Krankenhaus, um eine Sprechstunde für die Beschäftigten des Krankenhauses abzuhalten. Die gut 15 Kilogramm Kekse, welche die 76-jährige Bad Lobensteiner Stadträtin Ursula Preiß in 18 unterschiedlichen Sorten für diesen Tag gebacken hatte, waren dabei quasi das Süße zu den bitteren Nachrichten:

Die eilig am Ende vergangener Woche eingerichtete Corona-Station platzt aus allen Nähten, denn dort gibt es nur Platz für 15 Patienten. Am Donnerstag war die Station voll. Acht positiv getestete Coronapatienten lagen in den Betten, vier davon pflegebedürftig. Die sieben weiteren Betten waren mit Verdachtsfällen belegt. Das Problem: Die Zahl der Coronapatienten im Krankenhaus zu reduzieren ist nahezu unmöglich, wenn es sich um Pflegefälle handelt.

„Die Pflegeheime nehmen in der Regel keine Coronapatienten mehr zurück, solange die Erkrankung noch aktiv ist, neue Pflegebedürftige Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, werden erst recht nicht aufgenommen und auch die ambulanten Pflegedienste wollen keine Coronapatienten versorgen“, erklärt Philipp Motzke.

Hinzu komme die Situation, dass die Testergebnisse der Coronaverdachtsfälle auf sich warten ließen. Patienten, die am Montag einen Coronatest machten, hatten teilweise bis Mittwochnachmittag noch kein Ergebnis und mussten deshalb auf der Corona-Station untergebracht werden, bis ihr Test negativ ausfiel. Die Zahl der Coronaverdachtsfälle nehme jedoch mehr und mehr zu, heißt es aus Krankenhauskreisen.

Ebenso problematisch ist die Situation beim Pflegepersonal auf dieser Station. Lediglich 14 Pflegekräfte sind dort vorhanden. Sie müssen in Früh-, Spät- und Nachtschicht eingeteilt werden. Manche haben jedoch nur eine halbe Stelle. Die Schutzmaßnahmen des Pflegepersonals, um eine Ansteckung am Patienten zu verhindern, sind gewaltig zeitaufwendig. Hinzu kommt, dass bei den coronainfizierten Fällen meist zwei Pflegekräfte zusammenarbeiten müssen.

Corona-Fälle in Einrichtungen des DRK in Schleiz und Tanna