Dach dicht auf der Nikolauskapelle Dörflas

Dörflas  Möschlitzer Dachdeckerbetrieb kümmert sich seit Generationen um die kleinste Kirche Mitteldeutschlands

Sebastian Hofmann (l.) und Florian Zeh bei den Arbeiten an der Nikolauskapelle Dörflas.

Sebastian Hofmann (l.) und Florian Zeh bei den Arbeiten an der Nikolauskapelle Dörflas.

Foto: Soeren Zeh

An einem idyllischen Ort, umgeben von Wiesen, Feldern und Wäldern findet man die kleinste Kirche Mitteldeutschlands, die Nikolaus­kapelle Dörflas.

Sie steht auf einem Höhen­plateau am Rande des winzigen Ortes. Aus einem anspruchsvoll gestalteten Buch, das der Förderverein Nikolauskapelle Dörflas anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Wiedereinweihung der Kirche herausgegeben hat, erfährt man vieles über die Geschichte dieser Gegend sowie der kleinen Kirche. Von 1916 bis 1945 besaß die Familie Wetzel aus Gera das Rittergut Dörflas. Der Fabrikant Karl Wilhelm Wetzel fasste 1935 nach einer gelungenen Augenoperation den Entschluss, eine Kapelle errichten zu lassen. ­Innerhalb von drei Monaten führte die Firma Raabe aus Crispendorf diesen Bau aus.

„Mein Vater, Dachdeckermeister Friedhold Hermann, hat 1935 das Dach dieser neuen Kapelle gedeckt“, ließ Waldemar Hermann, Seniorchef der Dachdeckerfirma Zeh aus Möschlitz, wissen. Friedhold Hermann fiel im Krieg und Waldemar Hermann gründete den Betrieb 1957 neu, den sein Schwiegersohn Soeren Zeh seit dem Jahr 2000 weiterführt. Bis heute wird die Familientradition des Dachdeckerhandwerkes fortgeführt.

Einen Beweis dafür lieferten vor einigen Tagen zwei Urenkel Friedhold Hermanns, die auf dem Dach der Kapelle Schadstellen ausbesserten – Florian, der Sohn von Simone Zeh und sein Großcousin Sebastian Hofmann. Die beiden erlebten während der Arbeit emotionale Momente. „Diesen Nagel hatte unser Urgroßvater in der Hand“, staunten sie und stellten gemeinsam mit Simones Vater Waldemar Hermann fest: „Der Naturschiefer ist noch bestens erhalten. Allerdings rosten die Nägel und verschleißen durch Windeinflüsse.“ Bisher hatten die Dachdecker immer nur kleine Schäden an der Kirche aus­zubessern. Diesmal war es etwas mehr.

Auf dem Dach der kleinen ­Kapelle zu arbeiten, das sei ungewöhnlich, meinten die jungen Handwerker, die ganz andere Höhen gewöhnt sind. Unter anderem kletterten sie auch schon auf den Dächern von Schloss Burgk herum.

Vor 84 Jahren wurde das Dach der Nikolauskapelle gedeckt, berichtet Pfarrer a. D. Klaus Herden, Ehrenvorsitzender des Fördervereins Nikolauskapelle. „Da war ich gerade ein Jahr alt“, sagte er lächelnd. „So einen tollen haltbaren Schiefer bekommt man heute nicht mehr.“ Eingeweiht wurde die Kapelle am 31. Oktober 1935. Drei Dachdeckergenerationen gab es seitdem, die mal nach dem Kapellendach schauten.

Mit einer Drohne verschaffte sich Dachdeckermeister Soeren Zeh kürzlich ein Zustandsbild des Daches. Dabei stellte man fest, dass am Türmchen einiges zu reparieren war. „Ich bin sehr froh, dass das Dach vor dem ­Regen und Sturm vor Kurzem wieder in Ordnung gebracht wurde“, sagte Klaus Herden. Auch beim Sturm Kyrill habe man Glück gehabt. Die großen Bäume im Gelände stürzten nicht auf die Kapelle, sondern in die entgegengesetzte Richtung. Fotos im vom Förderverein ­gefertigten Buch machen das deutlich. Jetzt ist die kleinste Kirche Mitteldeutschlands wieder besser vor Regen und Sturm geschützt.

Am Tag des Ehrenamtes, den das Landratsamt des Saale-Orla-Kreises gestern in der Wisentahalle Schleiz organisierte, wurde das Projekt „Renovierung der Nikolauskapelle“, das vor über 20 Jahren mit viel ehrenamtlichem Einsatz begann, vorgestellt und gewürdigt.