Multivisionsshow in Schleiz

Der Grenzgänger vom Grünen Band

Schleiz.  Mario Goldstein startete bei Straßenreuth seine 1393 Kilometer lange Wanderung auf dem einstigen Todesstreifen.

Mario Goldstein hielt am Freitagabend in der Schleizer Wisentahalle seinen Multivisionsvortrag „Abenteuer Grünes Band - Vom Todesstreifen zur Lebenslinie".

Mario Goldstein hielt am Freitagabend in der Schleizer Wisentahalle seinen Multivisionsvortrag „Abenteuer Grünes Band - Vom Todesstreifen zur Lebenslinie".

Foto: Peter Cissek

„Fünf Stunden unterwegs und keinem einzigen Menschen begegnet. Wo hat man das in Deutschland schon“, fragt Mario Goldstein. Das Publikum am Freitagabend in der gut gefüllten Wisentahalle in Schleiz kennt die Antwort. Bei einer Wanderung auf dem Grünen Band entlang der früheren innerdeutschen Grenze. Die 1393 Kilometer lange und 100-tägige Tour ist ja Thema der Multivisionsshow, die der Plauener Vortragsreisende hält.

Mario Goldstein steht in jenen Wanderschuhen auf der Bühne, mit denen er sich auf sein Abenteuer begab. Am 13. Juli 2016 startete er mit Hund Sunny und einem 22 Kilogramm schweren Rucksack gefüllt mit Fotoausrüstung und Zelt. Los ging es am Dreifreistaatenstein bei Straßenreuth, weiter über das einst von der Grenze geteilte Dorf Mödlareuth nach Pottiga. Dort holte er bei Modistin Sandra Kaiser seinen Hut ab, den sie für seine Wanderung fertigte. Ihr Mann Manfred Kaiser spielte nicht nur vor der Multivisionsshow Stücke auf der Gitarre, sondern trägt wie Sänger Maik Müller zur musikalischen Untermalung der Fotos und Videos bei.

Der Weltenbummler Goldstein wurde ursprünglich vom BUND-Landesverband für die Wanderung auf dem 763 Kilometer langen Thüringer Abschnitt gewonnen, der vom Freistaat auf Initiative der Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) als Nationales Naturmonument ausgewiesen wurde. Goldstein zeigt Fotos und Videos von Landschaften und Nahaufnahmen von inzwischen seltenen Pflanzen, Insekten und Tieren, deren Laute das Publikum im Saal hören darf. Er erzählt von Menschen, denen er begegnete, lässt sie in Videosequenzen sprechen, beispielsweise über die „Aktion Ungeziefer“, bei der die DDR-Staatsmacht Menschen aus Grenzorten umsiedelte und ihre Häuser schleifte. Oder über gescheiterte Republikfluchten. Er selbst hatte zwei Fluchtversuche unternommen. Den ersten schon mit 14 Jahren, den zweiten mit 18. Beide scheiterten und brachten ihn ins Gefängnis. „Lange habe ich nicht darüber nachgedacht. Dafür braucht man Ruhe und Zeit. Und die hatte ich auf der Wanderung“, sagt der 50-Jährige.

Am 9. November um 19 Uhr hält Mario Goldstein seinen Multimediavortrag im Ausstellungsraum des Deutsch-Deutschen Museums in Mödlareuth.

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