Der Mann mit der Kamera, dem Igel und dem Blick fürs Detail

Schleiz.  Volles Haus im Café Ried’l am Schleizer Neumarkt beim Geschichts-Vortrag mit dem Titel: „Zum 100. Geburtstag von Heinz Tiersch“ am Donnerstag.

Er hatte immer ein Auge an der Kamera: Heinz Tiersch filmt in diesem Moment das Maibaumstellen auf dem Neumarkt. Das Bild stammt vom 30. April 2007. Am Montag in 14 Tagen, also am 27. Januar 2020, wäre der Schleizer 100 Jahre alt geworden.

Er hatte immer ein Auge an der Kamera: Heinz Tiersch filmt in diesem Moment das Maibaumstellen auf dem Neumarkt. Das Bild stammt vom 30. April 2007. Am Montag in 14 Tagen, also am 27. Januar 2020, wäre der Schleizer 100 Jahre alt geworden.

Foto: Juergen K. Klimpke / OTZ

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Donnerstagabend platzte das Café Ried’l am Neumarkt schier aus allen Nähten: Der Geschichts- und Heimatverein hatte eingeladen, die 170. Ausgabe der Vortragsreihe trug den Titel: „Zum 100. Geburtstag von Heinz Tiersch“. Es steht wohl für die nach wie vor vorhandene Popularität dieses unvergessenen Schleizers, dass grob geschätzt zwischen 60 und 70 Interessierte dabei sein wollten. Heinz Tiersch - in der Kreisstadt kannte man ihn als den Mann mit der Kamera und dem Igel, den bei seiner dokumentarischen Arbeit ein schier unglaublicher Blick fürs Detail auszeichnete, wäre am 27. Januar 2020 100 Jahre alt geworden. Der Nachwelt hat er einen „Schatz“ hinterlassen in Form von tausenden Fotos, ungezählten Metern Schmalfilm sowie sehr vielen Stunden Videofilm. Bewahrt wird dieses Erbe, das nach Aussage des Referenten Juergen K. Klimpke längst noch nicht vollständig aufgearbeitet ist, durch den Geschichts- und Heimatverein.

Eingangs betonte Klimpke unter anderem, dass die Hauptperson dieses Abends wohl nie der Fotograf gewesen sei, „der die großen Kunstfotos gemacht hat, sondern er hat eben dokumentiert“. Unwahrscheinlich wichtig sei dies aber gewesen, auch wenn mancher sicher mit Blick auf dieses oder jenes Bild gefragt habe: Warum hast Du das jetzt fotografiert? Die Antwort lieferte der Referent gleich selbst: „ In 20 Jahren ist es vielleicht mal ein wichtiges Detail.“ Und eben diese Details spielten am Donnerstag im Ried’l immer wieder eine Rolle: Egal ob es sich dabei um die „Lössauer Scheunen“ an der heutigen Greizer Straße handelte, um den Fußabstreicher am Rathaus oder ganz einfach um das Schild mit der Aufschrift: „Heute ab 17.50 Uhr geschlossen!“ an einem Schleizer Geschäft.

Nahtlos ging es hinein in das Schaffen von Heinz Tiersch, an dessen 90. Geburtstag wurde dieses mit einer Ausstellung seiner Bilder in der Kleinen Galerie der „Alten Münze“ sowie einer Feier gewürdigt. „Er ist ja im Kulturbund immer aktiv gewesen. War dort in der Arbeitsgruppe Fotografie, zusammen mit Hubert Fichtelmann und vielen anderen“, so Juergen K. Klimpke. Zeugnis dieser Ausstellung damals war eine Aufnahme, die den Jubilar auf einem Sofa sitzend zeigt, flankiert von Renate Klein und OTZ-Redakteurin Judith Albig.

Heinz Tiersch ist sicher nicht nur dem Vorsitzenden des Geschichts- und Heimatvereins als ein unglaublich vielseitig interessierter Zeitgenosse in Erinnerung. „Es gibt eigentlich nichts, was er nicht gemacht hat - bis auf sich mit dem Computer zu beschäftigen. An einen Computer hat er sich nie herangewagt, aber ansonsten hat ihn alles interessiert.“ Selbst wenn sich Guntmar Schwarz vom MSC bei ihm nach einer Prognose für das Wetter zum Schleizer Dreieckrennen erkundigte, gab es immer eine Antwort. Denn auch das hat Heinz Tiersch beobachtet.

Ein Murmeln ging durch die Runde, als Juergen K. Klimpke „das Bild“ auf der Leinwand zeigte. Zu sehen war dort „der Heinz mit einem seiner Igel“. Zwei dieser Tiere hat der Schleizer aufgezogen, die ja auch bei ihm Winterschlaf gemacht haben und viel mit ihm unterwegs waren.

Der zweite Teil dieses Abends gehörte den „bewegten Bildern“, die Heinz Tiersch zunächst mittels Schmalfilmkamera und dann per Videokamera fertigte. Gezeigt wurden Filmsequenzen, die vor nunmehr 30 Jahren entstanden sind. Inhaltlich ging es dabei unter anderem um den Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober, die Eröffnung des Weka-Zeltes am 22. November und um den Bau der Holzbrücke am Komtursteig im Jahr 1990.

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