Der Schleizer Neumarkt und seine Bäume

Schleiz.  Der Schleizer Hobbyhistoriker Juergen K. Klimpke bietet eine geschichtliche Betrachtung, weil wieder Bäume am Neumarkt gefällt werden sollen.

Eine Lithografie von 1890 zeigt die Bäume auf dem Schleizer Neumarkt.

Eine Lithografie von 1890 zeigt die Bäume auf dem Schleizer Neumarkt.

Foto: Repro: Archiv/Juergen K. Klimpke/Lith.artist. Institut v. C. Bollmann, Gera

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Die Stadtverwaltung will vier Bäume auf dem Schleizer Neumarkt entfernen, weil diese geschädigt sind. Das verkündete Bürgermeister Marko Bias (CDU) jüngst zur Stadtratssitzung, wie diese Zeitung am Montag berichtete. Das Vorhaben regte seinen Vorgänger und Hobbyhistoriker Juergen K. Klimpke zu einer historischen Betrachtung über Bäume auf dem Neumarkt an.

Einer der 13 Bäume auf dem Schleizer Neumarkt ist bereits weg

Einer der 13 Bäume ist bereits weg. „Zwei, die ganz hinten beim Spielwarengeschäft Fichtelmann stehen, zeigen bereits einen starken Pilzbefall. Diese Bäume sind krank und es wird besser sein, diese zu ersetzen. Die Bäume auf dem Neumarkt sind schon immer ein Politikum“, so Juergen K. Klimpke (SPD). Und es war nicht nur unter seiner Bürgermeister-Vorgängerin Heidemarie Walther (damals FDP) der Stadt ein Anliegen, viele Bäume auf dem Neumarkt anzupflanzen. Schon bevor man den Bassin als letzten Rest des Stadtteiches endgültig zugeschüttet und damit den Neumarkt geschaffen hatte, gab es Stimmen für die Anpflanzung von Bäumen auf dem neuen Platz, erinnert der Schleizer Historiker.

Wie Juergen K. Klimpke in Unterlagen fand, schrieb 1865 ein Leser des Schleizer Wochenblattes: „Und nun, lieber Leser, stelle dir den Platz einmal als vollendet vor, stelle dich einmal an Ried’ls Haus oder an die Münze. Wenn du ein wenig Phantasie hast, so denkst du dir die Wagenburg, welche den Teich außerhalb der ihn umschließenden Ketten umfängt, weg, und du musst gestehen, es ist ein schöner, ein großartiger Platz. Er wird mit Bäumen bepflanzt, in einigen Jahren wandeln wir im kühlen Schatten grüner Linden …“

Die Bäume kamen. In die Mitte des neu geschaffenen Platzes wurden sechs kreisförmig angeordnete Kastanien gepflanzt. Um diese herum setzte man einige der eisernen Pfeiler, welche einst auf der Mauer des Bassins standen und verband diese als Abgrenzung zum restlichen Platz wieder mit den wuchtigen Ketten, die ebenfalls den Bassin umgrenzten. Die letzten dieser Ketten wurden 2005 beim Neubau der Roten Brücke aus dem Stadtbild entfernt, weiß Juergen K. Klimpke zu berichten.

In einem Leserbrief im Schleizer Wochenblatt vom 26. Juli 1884 bittet ein Bürger darum, diese Kastanien unbedingt zu erhalten. Sie seien ein Treffpunkt der Bürger und beliebter Spielplatz der Kinder. Hintergrund seines Anliegens war der Plan der Stadtverwaltung, den Neumarkt anzuschütten und ihm eine ebene Oberfläche zu geben. Dies wird vermutlich kurz darauf geschehen sein, worauf anhand vorhandener Fotos geschlossen werden kann, so Klimpke. Als man damals den Neumarkt anschüttete und ihm damit eine ebenere Oberfläche gab, verschwanden diese Kastanien trotzdem. Ein Baum blieb in der Mitte stehen. Allerdings pflanzte man als Ersatz rings um den gesamten Neumarkt Linden, wie eine Lithografie aus der Zeit um 1890 zeigt.

1904 wurde ein Teil der Linden entfernt

Doch die neuen Baumreihen wurden schon bald immer lichter. Bereits kurz nach 1900 waren alle Bäume auf der Süd- und vor 1910 auch die der Nordseite wieder entfernt worden. 1904 wurde ein Teil der Linden an der Westseite wegen der Bauarbeiten an den Häusern Neumarkt 15-17 entfernt, nach 1912 aber durch Neuanpflanzungen wieder ersetzt, geht aus Klimpkes Unterlagen hervor. Die Bäume der Westseite und an der Alten Münze verschwanden nach 1957, als sich der Neumarkt zum Busbahnhof entwickelte, da die auf der Straße stehenden Bäume störten. Die Linden der Ostseite blieben größtenteils erhalten und wurden im Zuge der Neugestaltung des Platzes Anfang Februar 2010 beseitigt. Als neuen Baumschmuck erhielt der Platz zwölf zehn Jahre alte Japanische Zierkirschen – fünf auf der West- und sieben auf der Ostseite. „Keine zehn Jahre später, am 20. Januar 2020 musste der erste dieser Bäume bereits wieder entfernt werden. Weitere werden folgen müssen. Es bleibt die Hoffnung, dass sie durch widerstandsfähigere Bäume ersetzt und stets fachgerecht gepflegt werden“, meint Juergen K. Klimpke, der Mitglied des Stadtrates ist.

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