Die Bratsche im Mittelpunkt

Hirschberg.  In der Hirschberger Villa Novalis hat am Sonntag die diesjährige Konzertsaison mit einem oft verkannten Instrument begonnen.

Die Bratsche als Soloinstrument führte Julian Schwab(Viola) unter Begleitung von Patrick Hevr(Klavier)

Die Bratsche als Soloinstrument führte Julian Schwab(Viola) unter Begleitung von Patrick Hevr(Klavier)

Foto: Roland Barwinsky

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Am späten Sonntagnachmittag startete die Hirschberger Villa Novalis in die diesjährige Konzertsaison. Im Mittelpunkt stand die Bratsche. Dieses, auch als Viola bezeichnete Instrument, wird manchmal leider nur „en passant“ wahrgenommen. Ist es doch im großen Orchester eher etwas „eingebaut“ zwischen Cello und Geige zu finden. Als Mittler zwischen den beiden Klangpolen eignet sie sich aber hervorragend. Denn sie klingt recht weich, lieblich, dunkelschön und voll, zuweilen melancholisch, bei Bedarf rauchig.

Wie einfach so pure plus tönende Bratschenfaszination entstehen kann, zeigte im Kulturhaus brillant Julian Schwab, der hervorragend von Patrik Hevr am Klavier unterstützt wurde. Eine Menge Innovation hatte sich das Duo schon bei der Auswahl des Repertoires für diese Aufführung auferlegt. Zuhörer marschierten mit allen Sinnen und umgehend sowie ohne Zeitverluste in recht angenehme Traumwelten.

Als Paradebeispiel dafür eigneten sich vorab ausgewählte „Märchenbilder“ von Robert Schumann (1810-1856). Der in Zwickau geborene Romantiker führte dieses Werk einige Jahre vor seinem frühen Tod auf. Mit Hilfe unterschiedlichster Noten-Geschwindigkeiten wurden Gefühlssituationen stets greifbar, erreichten mühelos die Zuhörerreihen. Zumal die Viola ihren einzigartigen Charakter breit entfaltete. Insbesondere durch enorme Anstrengungen des Aufführenden steigerte sich der Hörgenuss eigentlich im Minutentakt. Und die am Klavier entstehenden Töne befeuerten quasi noch diese an sich schon extrem kribbelnde Virtuosität.

Moderne klassische Momente voller Feinheit, Eleganz und Schönheit entstanden unmittelbar danach bei einem Werk von Béla Bartók (1881-1945). Nicht wenige Kritiker erkannten in Bartóks Spätwerk einen recht gewagten Spagat zwischen Sanftmut und Sarkasmus.

Musikkenner in der Villa Novalis lobten am Sonntag vor allem harmonisch wirkende Reihenfolgen, klug durchdachte Abläufe. Gehörten doch die ausgewählten und ebenfalls öffentlich gewordenen Stücke von Alexandre Glasunow (1865-1936), Carl Stamitz (1745-1801) und Paul Hindemith (1895-1963) selbstverständlich in unterschiedlichste zeitgeschichtliche und damit auch kulturelle Epochen. Zugleich unterstrichen sie eindrucksvoll, welchen Stellenwert eine Bratsche als Soloinstrument einnehmen kann. Unweit der Saale funktionierte dies jedenfalls an einem nasskalten Januartag ohne irgendwelche erkennbaren Verluste.

Am 23. Februar lädt die Villa Novalis zu einem Klavierabend mit Manfred Schmid(Berlin).

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren