Dudens Geschichte als Tanz in Schleiz

Renate Klein
| Lesedauer: 4 Minuten
Buchstaben werden mit Körperarbeit dargestellt

Buchstaben werden mit Körperarbeit dargestellt

Foto: Renate Klein

Schleiz.  Große und kleine Tänzerinnen zeigen auf der Bühne ihr Können. Dabei floss auch so manche Träne:

Trotz nahezu unerträglicher Hitze strömten am Samstagnachmittag Menschen in die Schleizer Wisentahalle. Nach einem kurzen Stopp vor dem Eis-Wagen genoss man die angenehme Kühle in der Halle. Im Künstlerraum neben der Bühne zappelten viele Füße von jungen Aktiven. Lampenfieber war angesagt bei rund 100 Tänzerinnen verschiedener Altersklassen. Sie hatten in der Oberland-Musikschule „La Ballerina“ in Göttengrün fleißig für das Dudenballet geübt.

Auch wenn sie aufgeregt waren konnten die jungen Tänzerinnen doch endlich wieder in der Öffentlichkeit zeigen, was sie können. Was sie zeigten, war fulminant. „Das ist unglaublich für unsere ländliche Gegend. So etwas findet man sonst nur in Großstädten“, sagte Ilona Mertens aus Triptis, die zu Gast war.

Mit vielen Ideen hatte Tanzpädagogin Kristin Pätz, Leiterin der Oberland- Ballettschule „La Ballerina“, die Geschichte von Konrad Duden und dem „Schleizer Duden“ in Choreographien umgesetzt und mit ihren Schülerinnen eingeübt. Nach jeder Szene schwollen die Beifallsstürme für die kleinen und größeren Künstler im Ballettröckchen nahezu zum Orkan an.

Alles begann mit Konrad Duden, alias Peter Brendel aus Saalburg, im Gehrock mit Zylinder. Würdevoll spazierte seine große Gestalt durch die gesamte Handlung der Ballettaufführung. Auszüge aus Dudens Leben und Wirken lasen Schüler und Schülerinnen aus dem Schleizer Gymnasium vor. Sie zitierten bekannte Persönlichkeiten.

Buchstaben spielen besondere Rolle

Sophia Weißflach und Diego Hellfritsch vom Gymnasium führten gekonnt durch das Programm, das nicht nur mit den verschiedenen Tänzen, sondern auch mit einfallsreichen und aufwendig gestalteten Kostümen brillierte.

Natürlich spielten die Buchstaben eine besondere Rolle. Unter anderem wurden sie von einer Gruppe mit artistischem Können körperlich dargestellt. So manche Träne floss, als die Kleinsten sich bemühten sorgsam ihre Abstände einzuhalten und die Tänze sauber darzubieten. Ebenso rührte der Schluss: Die Großen tanzten in weißen Kleidern mit weißen Schirmen in ihrer Mitte eine Geigerin. Dargestellt wurde dabei der Ausblick in die Zukunft.

Die ursprüngliche Idee hatte Manfred Eckstein von den „Dudenkern“ beim Schleizer Geschichts- und Heimatverein. Er begrüßte die Gäste in der Wisentahalle zu diesem gelungenen Höhepunkt und Abschluss der Dudenwoche. Seine Dankesworte galten allen, die zum Gelingen des Abends beigetragen hatten, auch den Sponsoren, vorrangig der Sparkasse. „Es ist etwas Großes entstanden“, sagte er.

Ministerpräsident Bodo Ramelow konnte als Schirmherr nicht teilnehmen, aber er schickte eine Videobotschaft mit Dankesworten und guten Wünschen, die eingespielt wurden. Roland Wetzel, Schatzmeister der Dudenker, machte auf den immensen Aufwand, den so eine Aufführung braucht, aufmerksam und bat um eine Spende in die Box, denn Eintritt hatten die Veranstalter nicht kassiert.

Tanzpädagogin arbeitete ehrenamtlich neben Beruf mit Kindern

Gemeinsam mit dem „Verein deutscher Sprache“ hatten „Dudenker“ die Dudenwoche organisiert und gestaltet. Am Ende des Dudenballetts kamen Ehrengäste und begeisterte Menschen aus dem Publikum und dankten Kristin Pätz für ihre Leistung. Es sei eigentlich nicht zu fassen, dass es die Tanzpädagogin neben ihrem Beruf schafft, ehrenamtlich so vielen Kindern eine freudbetonte und sinnvolle Betätigung und gleichzeitig Ausbildung zu ermöglichen, meinten viele. Kristin Pätz dankte allen Mitstreitern und auch Eltern der Tanzschüler.

Die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Schleiz berichteten in der kleinen Runde am Ende über ihre Sorgen. Wie in vielen anderen Vereinen mangelt es ihnen an Nachwuchs. Wer Lust verspürt, sich für geschichtliche Belange der Region einzusetzen oder auch, wer sich für die deutsche Sprache interessiert, kann sich in der Schleizer Stadtinformation melden unter Telefon: 03663/428 735 oder
dudenker@rhutheneum-schleiz.de.

Das Dudenballett wird noch einmal aufgeführt am 3. September, 16 Uhr, im Naturpark Göttengrün. Eintritt ist frei.