E-Roller-Experiment: Dreharbeiten mit der Schleizer Feuerwehr

Schleiz  Ein Filmteam hatte die Schleizer Feuerwehr gefragt, ob sie spontan den Brand eines E-Rollers nachstellen könnten, um für das TV-Magazin „Explosiv“ einen Beitrag zu drehen. So ging das Experiment aus.

Das Kamerateam filmt den Brand des Elektrorollers, den Stadtbrandmeister Ronny Schuberth hält. Maik Elschner (l.) steht mit einem Feuerlöscher bereit.

Das Kamerateam filmt den Brand des Elektrorollers, den Stadtbrandmeister Ronny Schuberth hält. Maik Elschner (l.) steht mit einem Feuerlöscher bereit.

Foto: Oliver Nowak

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Wie brandgefährlich ein beschädigter Lithium-Ionen-Akku ist, konnten am Donnerstagnachmittag zwei SPD-Politikerinnen und ein Kamerateam von RTL bei der Schleizer Feuerwehr erleben.

Eigentlich wollte sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Kaiser mit ihrer Parteifreundin und Landtags-Direktkandidatin Christel Werner nur über die Arbeit und Nöte der Schleizer Feuerwehr unterhalten. Wie sich eine Stützpunktfeuerwehr auf neue Gefahren im Rahmen der Ausbildung vorbereitet, konnten sie mit eigenen Augen beobachten. Denn ein Filmteam hatte kurz zuvor die Schleizer Feuerwehr gefragt, ob sie spontan den Brand eines E-Rollers nachstellen könnten, um für das TV-Magazin „Explosiv“ einen Beitrag zu drehen. Am Mittwoch war in München ein solcher Roller mit Elektroantrieb beim Ladevorgang des Akkus in einer Wohnung in Brand geraten, wodurch zehn Menschen verletzt wurden.

Der vom Kamerateam mitgebrachte Roller wurde im ersten Versuch absichtlich falsch geladen. Statt einer Spannung von 24 Volt wurde der Akku mit 230 Volt geladen – wie es bei einem defekten Ladenetzteil vorkommen könnte. Außer, dass die Sicherung des Feuerwehrgerätehauses heraussprang, passierte jedoch nichts.

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In einem zweiten Versuch wurde dann die Beschädigung des Stromspeichers – der so viel Energie fasst wie zehn große Mobiltelefone – simuliert. Denn durch Stürze, Erschütterungen und Verarbeitungsfehler können die Membrane, welche die Pole innerhalb des Akkus trennen, beschädigt werden. Um dies nachzustellen, wurden mit einer Bohrmaschine drei Löcher durch das Trittbrett des Rollers in den Stromspeicher gebohrt. Schon nach wenigen Sekunden stieg weißer Rauch auf, der stetig mehr wurde. Nach ein paar Minuten schien die Reaktion innerhalb des Stromspeichers abzuklingen, woraufhin zwei weitere Löcher gebohrt wurden.

Daraufhin kontrollierte Stadtbrandmeister Ronny Schuberth mit einer Thermalscan-Wärmebildkamera die Temperaturentwicklung innerhalb des Akkus. Zeigte das Messgerät zuerst nur 45 Grad Celsius an, als weißer Rauch aufstieg, waren es wenige Momente später mehr als 600 Grad Celsius, als sich die Rauchgase explosionsartig entzündeten. In wenigen Augenblicken stand das gesamte Gerät in Flammen. Mit einem Schaumlöscher wurde der Brand daraufhin gelöscht. Die chemische Reaktion im Stromspeicher konnte dabei allerdings nicht beendet werden. „Wenn so ein Akku anfängt zu qualmen, ist der Brand nicht mehr aufzuhalten“, erklärte Stadtbrandmeister Schuberth. Daher warnt er, jegliche Geräte, die über solche Stromspeicher verfügen, in der Nähe von brennbaren Material zu lagern. „Ein Keller ist kein geeigneter Ort zur Aufbewahrung, weil der Rauch nach oben steigt und Rettungswege unbrauchbar machen kann“, rät Schuberth. Am geeignetsten sei wohl eine Garage oder ein Schuppen. Sollte beobachtet werden, dass aus einem akkubetriebenen Gerät Rauch aufsteigt, sollte in jedem Fall die Feuerwehr alarmiert werden. Wenn ohne Eigengefährdung möglich, sollte versucht werden, das Gerät ins Freie zu bringen. „Sollte aus einem Elektroauto Rauch aufsteigen, muss sofort das Weite gesucht werden, weil die Gefahr einer Knallgasexplosion unmittelbar besteht“, erklärt der Stadtbrandmeister.

Christel Werner und Elisabeth Kaiser zeigten sich beeindruckt von dem Ausbildungsengagement. Sie unterstrichen aber auch, dass mehr Möglichkeiten geschaffen werden müssten, die Freiwilligen Feuerwehren zu unterstützen. Zum Beispiel durch neue Strukturen, in denen die Freiwilligen Feuerwehren einen eigenen Vertreter abseits von Gewerkschaft und Feuerwehrverband zur Politik erhielten. Besonders wichtig sei jedoch, dass Einsatzkräfte, die viel Arbeit in den Freiwilligen Feuerwehren leisten, entlastet werden. Stadtbrandmeister von Stützpunktfeuerwehren hätten nicht nur enorme Verantwortung, sondern auch riesigen Verwaltungsaufwand und leisten ihren Dienst dabei komplett ehrenamtlich. Dabei stießen sie an ihre Grenzen. Eine Teilanstellung bei der Stadt sollte neben dem Hauptberuf möglich gemacht werden. Dies scheitere an Qualifikationsvoraussetzungen und gesetzlichen Regelungen. „Ich bin ganz klar dafür, dass eine besondere Qualifikation eingeführt werden kann, um eine Anstellung über die jeweilige Stadt zu ermöglichen. Wenn Lehrer als Quereinsteiger angestellt werden können, so muss doch auch für den Feuerwehrbereich eine Lösung gefunden werden“, sagt die SPD-Landtags-Direktkandidatin des Saale-Orla-Kreises.

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