Eine märchenhafte Weltreise für Jasmin

Altengesees  Thüringen hilft: Ferien sind für die Menschen mit Behinderung vom Christopherushof in Altengesees etwas ganz Besonderes, etwa für die 23-jährige Jasmin.

Gruppenfoto vor Schloss Moritzburg, der Kulisse für den Weihnachtsfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Jasmin sitzt in der Mitte.

Gruppenfoto vor Schloss Moritzburg, der Kulisse für den Weihnachtsfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Jasmin sitzt in der Mitte.

Foto: Jennifer Binder

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Zwinger, Moritzburg, die Bastei in der Sächsischen Schweiz, Kino und Zoo – was nach einem gewöhnlichen Touristenprogramm in Dresden klingt, war für die kleine Reisegruppe vom Christopherushof in Altengesees in der Nähe von Bad Lobenstein, einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, nicht nur eine kleine Weltreise mit therapeutischem Charakter, sondern auch eine ganze besondere Erfahrung. Denn nur selten können solche Ausflüge stattfinden – solch aufwendige Reisen noch seltener.

„Dabei ist das Sammeln neuer Erfahrungen abseits der gewohnten Strukturen für die behinderten Menschen total wichtig“, erklärt Jennifer Binder vom begleitenden Dienst.

Der 23-jährigen Jasmin tat die Fahrt nach Dresden besonders gut. Sie ist körperlich und geistig behindert, muss rund um die Uhr versorgt werden. Zu Hause erledigt das ihre alleinerziehende Mutter, an drei Tagen in der Woche die Betreuerin in der Werkstatt. Die Welt außerhalb von Altengesees hat Jasmin bislang kaum gesehen. Auch für ihre Mutter war die ungewohnte Auszeit eine Erholung, ihr letzter Urlaub liegt 20 Jahre zurück.

Doch die Finanzierung der Reise stand für Jasmin lange Zeit auf der Kippe: Denn die Mutter ist vollzeitig mit der Pflege beschäftigt, die 23-Jährige selbst verdient in der Werkstatt kein Geld – für Reisen gibt es in der schmalen Haushaltskasse kein Budget. Deshalb übernahm „Thüringen hilft“ die Reisekosten für Jasmin.

Vor den Nächten hatte Jasmins Mutter die Betreuer gewarnt, denn ihre Tochter hat gewöhnlich einen sehr unruhigen Schlaf, schreit oft stundenlang. „Doch ab der zweiten Nacht in der Jugendherberge schlief Jasmin wieder durch – ein Zeichen dafür, dass es ihr sehr gut ging“, folgerte Jennifer Binder, die sich mit ihr das Zimmer teilte. Doch nicht nur bei Jasmin, auch beim Rest der Gruppe bemerkten die Betreuerinnen die Ausgeglichenheit und Freude. Beim Besuch im Hygienemuseum in der Dresdener Altstadt konnten sie die Eindrücke der verschiedenen Sinne auf sich wirken lassen, um den Körper, die Gedanken, Gefühle und das eigene Ich neu wahrzunehmen.

Weberei, Molkerei und ein eigener Hofladen

Das Programm wurde auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Teilnehmer abgestimmt – so besuchte die Gruppe die Kinderausstellung des Museums und konnte die dortigen Angebote auch wahrnehmen.

Die paar Tage Urlaub waren für alle eine Entlastung. Umso bedauerlicher, dass keine regelmäßigen Reisen für die Werkstatt-Teilnehmer möglich sind. Seit mehr als 90 Jahren bemüht sich die Einrichtung in Altengesees – mit wechselnden Schwerpunkten – um die Förderung von Menschen mit Einschränkungen und Behinderungen, um ihnen das Gefühl einer Gemeinschaft zu geben. Rund 160 Menschen mit leichten und schweren Behinderungen helfen unter anderem in der Bäckerei, der Weberei, Molkerei oder Töpferei und stehen auch zum Verkauf der hergestellten Produkte im Hofladen.

Die freundliche, offene Einrichtung bietet für Menschen wie Jasmin die Möglichkeit einer ganztägigen Betreuung mit den unterschiedlichsten Aufgaben in kreativen Bereichen, etwa dem Zeichnen. Neuerdings entstehen dort viele Bilder mit Dresdner Motiven.

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