Meinung: Entbinden in Bayern und Sachsen

Peter Cissek über die Folgen der Geburtsstationsschließung in Schleiz

Peter Cissek 

Peter Cissek 

Foto: Peter Cissek

Es wird sie bald nicht mehr geben: Kinder, die im Saale-Orla-Kreis geboren werden.

Im Jahr 2001 wurde die Geburtshilfe-Abteilung des nicht mehr existenten Krankenhauses Ebersdorf geschlossen, im Sommer 2005 folgte dann auch die Gynäkologie in der Thüringen-Klinik in Pößneck. Wenn jetzt niemand die Pläne der Greizer Entscheidungsträger durchkreuzt, wird in wenigen Tagen die Geburtsstation im Kreiskrankenhaus Schleiz ebenfalls für immer schließen.

Falls die Geschäftsführung des Kreiskrankenhauses Greiz, zu dem die Schleizer Klinik gehört, und deren Aufsichtsratsvorsitzende und Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) glauben, dass werdende Mütter aus dem Saale-Orla-Kreis künftig zur Entbindung nach Greiz ausweichen, werden sie eines Besseren belehrt. Je nach territorialer Lage im Saale-Orla-Kreis werden die Frauen die Geburtsstationen in Saalfeld, Jena, Gera, Plauen, Naila oder Hof bevorzugen. Denn Nähe zählt.

Die künftigen Kinder der Region Schleiz und Bad Lobenstein werden - abgesehen von Hausgeburten - nicht mehr in Thüringen, sondern in Sachsen und Bayern geboren. Politiker, die schon seit einiger Zeit aus anderen Gründen einen zweiten Geburtenrückgang in der Region seit der Wiedervereinigung Deutschlands befürchten, werden bald Bestätigung finden. Es gibt junge Eltern, die jetzt schon sagen: Wenn die Geburtsstation in Schleiz schließt, wollen sie kein weiteres Kind mehr.