Interessengruppe Waldumbau statt Waldstilllegung: Friederike nur die halbe Wahrheit

Rodacherbrunn  Mitglieder der Interessengruppe „Waldumbau statt Waldstilllegung“ widersprechen Darstellungen der BVVG

BVVG-Referent Udo Millow kratzt Rinde von einem Baum, unter der sich der Borkenkäfer schon eingenistet hat. Die Forstbewirtschaftung in dem „Treuhandwald“ steht in der Dauerkritik benachbarter Privatwaldbesitzer. In deren Revieren sei der Anfall von Käferholz wegen rechtzeitiger Beseitigung deutlich geringer, heißt es.

BVVG-Referent Udo Millow kratzt Rinde von einem Baum, unter der sich der Borkenkäfer schon eingenistet hat. Die Forstbewirtschaftung in dem „Treuhandwald“ steht in der Dauerkritik benachbarter Privatwaldbesitzer. In deren Revieren sei der Anfall von Käferholz wegen rechtzeitiger Beseitigung deutlich geringer, heißt es.

Foto: Peter Hagen

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Mitglieder der Interessengruppe „Waldumbau statt Waldstilllegung“ widersprechen der Auffassung von Vertretern der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), wonach der akute ­aktuelle Käferbefall im Raum Rodacherbrunn seinen Ausgangspunkt im Orkan „Friederike“ im Januar 2018 hätte.

„Das ist nur die halbe Wahrheit“, heißt es in einer Mitteilung der Interessengruppe. Richtig sei es vielmehr, „dass bei rechtzeitiger und wirksamer Borkenkäferbekämpfung der Holzschaden bei weitem geringer ausgefallen wäre.“ Als Beleg dafür wird unter anderem eine Waldbegehung von Mai dieses Jahres genannt, bei dem am Forstort „Mittelberg“ im BVVG-Revier ein Käferherd mit 50 Festmeter Stehendbefall festgestellt worden sei. Dieser habe aus Windwürfen vom Herbst 2018 gestammt und sei nicht aufgearbeitet beziehungsweise beseitigt worden. „Durch die Nichtbearbeitung waren am gleichen Forstort ,Mittelberg‘ bereits vier Monate später zirka 500 Festmeter Käferholz Stehendbefall erkennbar“, verdeutlicht Siegfried Schmieder von der Interessengruppe. Der ehemalige Erste hauptamtliche Beigeordnete des Landrats im Saale-Orla-Kreis engagiert sich als Bewohner der benachbarten oberfränkischen Region in der Interessengruppe und verweist auch auf den Forstort „Brand“ bei Grumbach, ebenfalls im BVVG-Revier, wo die Situation ähnlich gewesen sei, leider aber nicht dokumentiert worden wäre. „Klar ist, dass bei frühzeitigem Einschreiten gegen den Borkenkäferbefall der heute immens sichtbare Holzschaden weitaus geringer wäre“, ist Schmieder überzeugt. „Es würde sich dort auch heute noch kein Harvester bewegen, wenn sich nicht so viele Leute engagiert hätten“, meint Schmieder unter Verweis auf die Interessengruppe. In den angrenzenden Privatwaldrevieren sei lediglich ein Stehendbefall von 15 Prozent aufgetreten, weil dort sofort gehandelt worden wäre.

Angezweifelt werden von der Interessengemeinschaft Aussagen der BVVG-Vertreter bezüglich des Frischholzeinschlags. Bei einem Vor-Ort-Termin mit unserer Zeitung war erklärt worden, dass angesichts der niedrigen Marktpreise schon seit vorigem Jahr kein Frischholz mehr geerntet werde. Im Mai dieses Jahres habe man bei Titschendorf jedoch ein Polter mit zirka 1400 Festmetern vorgefunden, in dem sich nach Einschätzung von Forstfachleuten mindestens 60 Prozent Frischholz zwischen dem Käferholz befunden habe.

Bezweifelt wird der Effekt von Borkenkäferfallen, die im BVVG-Revier zum Einsatz kommen. „Egal, welche Borkenkäferfallen man verwendet, diese sind lediglich zum Monitoring geeignet, aber nicht zu einer richtigen Käferbekämpfung“, widersprechen die Mitglieder der Interessengemeinschaft den Auffassungen der BVVG-Vertreter. Zu diesem Urteil komme man aufgrund von Langzeiterfahrungen. „Stehendbefall rechtzeitig zu erkennen und das befallene Holz aus dem Wald zu fahren ist wesentlich effektiver, als irgendeine Falle“, heißt es in der Mitteilung der Interessen­gemeinschaft. Zudem seien die genutzten Trinet-Fallen, bei denen Gifte verwendet werden, in einem Trinkwassereinzugs­gebiet nicht unumstritten.

„Sicherlich hat niemand nach solchen extremen trockenen Jahren eine Patentlösung für die Zukunft“, erklärt die Interessengemeinschaft, „aber den Forstschutz sollte man schon im Frühjahr beginnen. Und das mit aller Konsequenz.“ Dann wäre, so die Auffassung, der jetzt eingetretene Schaden von 12.000 bis 13.000 Festmeter um ein Vielfaches geringer ausgefallen, zeigt man sich unter Verweis auf die benachbarten Privatwälder überzeugt.

Am 25. September hatte sich unsere Zeitung mit Vertretern der BVVG vor Ort getroffen, um über die öffentliche Kritik an der Forstbewirtschaftung im sogenannten Treuhandwald zu reden. Leider hatten es die BVVG-Vertreter dabei abgelehnt, Vertreter aus den benachbarten ­Privatwäldern zu diesem Termin hinzuzuziehen.

Die Interessengruppe wendet sich mit einer Online-Petition gegen die geplante Waldstilllegung bei Rodacherbrunn.

Die Unterzeichnung ist noch bis 18. Oktober möglich unter www.petitionen-landtag.thueringen.de/petitions/1685

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