Gefell schickt Schwerlastverkehr bald zurück auf die Autobahn

Gefell.  Der Durchbruch im jahrelangen Kampf um eine Sperrung der Ortsdurchfahrt Gefell für den Schwerlastdurchgangsverkehr steht bevor.

Mehr als 250 Menschen hatten sich am 25. September 2019 im Marktbereich der Stadt Gefell versammelt, um gegen den Schwerlastverkehr zu demonstrieren. 

Mehr als 250 Menschen hatten sich am 25. September 2019 im Marktbereich der Stadt Gefell versammelt, um gegen den Schwerlastverkehr zu demonstrieren. 

Foto: Archiv/Sophie Filipiak

Die jahrelangen Bemühungen der Bürgerinitiative und Stadt Gefell um Sperrung der Ortsdurchfahrt für schwere Lkw und Unterbrechung der Mautausweichstrecke stehen kurz vor dem Durchbruch. Das teilt der Hirschberger AfD-Landtagsabgeordnete Uwe Thrum mit, der sich auf Antworten seiner Anfragen bei zuständigen Behörden beruft. Jedoch sei das Verfahren der Behörden untereinander noch nicht ganz abgeschlossen. Darauf wiesen sowohl das Landratsamt Saale-Orla als auch Bürgermeister Marcel Zapf (VuB) auf Anfrage hin.

Landesamt für Sperrung von schweren Lkw in Gefell

In einer von Uwe Thrum an die Pressemitteilung gehängte verkehrsrechtliche Anordnung bestätigt das Landesamt für Bau und Verkehr vom 8. September 2020 den Antrag der Stadt Gefell. So hält die Straßenverkehrsbehörde die Sperrung des etwa 550 Meter langen innerörtlichen Bereiches der Bundesstraße 2 zwischen der Hofer Straße 20 und der Schleizer Straße 38 für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen mit dem Zusatzzeichen „Anlieger frei“ für erforderlich. Das Landesamt bestätigt in dem Schreiben, dass die Entscheidung folgerichtig aus der Straßenverkehrsordnung hergeleitet wurde und die Zumutbarkeit der Umleitung nachvollziehbar dargestellt wurde.

Der Entwurf der Anordnung stammt von der Unteren Straßenverkehrsbehörde und wurde zur abschließenden Anhörung an weitere Behörden übergeben. „Meine Anfragen an das Thüringer Landesverwaltungsamt und an das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr ergaben, dass beide Behörden der verkehrsrechtlichen Anordnung eine Zustimmung erteilen. Während meines Besuchs der Polizeiinspektion Saale-Orla im September teilte mir Polizeioberrat Thomas Lenk mit, dass auch er eine Sperrung befürwortet, jedoch die Nachbarbundesländer noch befragt würden. Eine Kontrolle der verkehrsrechtlichen Anordnung scheint sich auf Grund des Personalmangels bei der Polizei ebenfalls als schwierig zu gestalten“, teilte Uwe Thrum mit.

Wie die Pressestelle des Landratsamtes in Schleiz wies der Gefeller Bürgermeister Marcel Zapf darauf hin, dass noch kein Bescheid erlassen wurde. Jedoch zeigte sich auch Zapf sehr optimistisch, dass es zur Sperrung der Ortsdurchfahrt für Lkw über 7,5 Tonnen kommen werde. Im ersten Quartal nächsten Jahres werde ein von der Stadt Gefell finanziertes Monitoring vorgenommen. „Bei dieser Untersuchung sollen die Verkehrsströme anfangs ohne und später mit Vollsperrung des Schwerlastdurchgangsverkehrs gemessen werden, um zu dokumentieren, ob die Änderung den gewünschten Effekt bringt. Das wird am Anfang einige Zeit dauern, bis die Änderung in den Navigationsgeräten wirksam wird und sich die Lkw-Fahrer daran gewöhnt haben, die Autobahn anstatt unserer Ortsdurchfahrt zu nutzen“, sagte Marcel Zapf am Freitag. Er gehe davon aus, dass es nach der erneuten Auswertung bei der Sperrung für den Schwerlastdurchgangsverkehr bleiben werde.

Lkw-Mautpreller kürzen ab und fahren durch Orte

Der Gefeller Bürgermeister zeigte sich verwundert, dass der AfD-Landtagsabgeordnete Uwe Thrum scheinbar wieder einmal versuche, den Bürgern zu suggerieren, dass er eine Aktie an dem Erfolg habe. „Durch das Engagement von Stadtrat, Bürgerinitiative, Stadtverwaltung und Landratsamt wurde der jetzige Sachstand erreicht. Er hat weder an Arbeitsgesprächen teilgenommen, noch sinnvolle und rechtlich umsetzbare Vorschläge eingebracht, um eine Verbesserung der Situation für die Bürger zu erreichen. Außer Anfragen zu stellen, hat Uwe Thrum nichts zu der Thematik beigetragen“, erklärte Marcel Zapf.

Ähnlich sieht das auch Janine Egelkraut von der Bürgerinitiative für eine sichere und lebenswerte Stadt Gefell. „Wir distanzieren uns von Uwe Thrum. Aktiver Unterstützer seit 2018 ist eher Ralf Kalich“, womit Janine Egelkraut den Linke-Landtagsabgeordneten aus Blankenstein meint. Ein wichtiger Schritt im Prozess der Entscheidungsfindung zur Durchsetzung der geforderten Autobahnlösung sei das im Oktober 2019 von der Bürgerinitiative in Gefell organisierte verkehrspolitische Forum mit dem damaligen Staatssekretär Klaus Sühl (Linke), Vertretern des Landesverwaltungsamtes Weimar, des Landesamtes für Bau und Verkehr, Bürgermeistern, Stadträten und BI-Mitgliedern. Nach einer intensiven Diskussion wurden vom Ministerium ergänzende Untersuchungen zur vorliegenden Verträglichkeitsanalyse der Stadt Gefell beauftragt.

Viele Lastwagenfahrer nutzen als Mautpreller bislang die Abkürzung von der A72 nahe des oberfränkischen ­Töpen zur A9 bei Gefell oder zu den Großsägewerken in Ullersreuth, Blankenstein und Friesau. Nicht wenige fahren parallel zur Autobahn bis Schleiz oder Dittersdorf weiter. Dabei passieren zahlreiche Lastwagen auch Töpen, Dobareuth und Zollgrün. Nach Angaben von Bürgermeister Zapf fahren täglich bis zu 1800 Lkw durch Gefell. Zu Stoßzeiten sei jedes dritte Fahrzeug ein Lastwagen. Die Mitglieder der Gefeller Bürgerinitiative kooperieren im Kampf gegen den innerörtlichen Schwerverkehr nicht nur mit den Bürgerinitiativen aus Zollgrün und Töpen, sondern auch mit den Kommunalpolitikern jener Orte. Auf diese Weise konnten sie eine Geschwindkeitsbegrenzung für Lkw in Gefell und Zollgrün auf 30 km/h erreichen.

Janine Egelkraut hofft seitens der Bürgerinitiative, dass es recht bald zur Sperrung der Ortsdurchfahrt für schwere Lkw kommt. Denn wenn das neue Logistikzentrum des Onlinehändlers Amazon nahe Hof eröffne, würde die Verkehrsbelastung in Gefell noch weiter steigen, befürchtet sie.