Gehälter im Krankenhaus Schleiz seit über einem Jahrzehnt eingefroren

Schleiz.  Das Schleizer Krankenhaus hat zu wenig Personal. Grund dafür scheinen auch die vergleichsweise sehr geringen Löhne zu sein. Nach der jüngsten Betriebsversammlung packen Angestellte aus Frust aus.

Im Schleizer Krankenhaus ist aufgrund des Personalmangels bereits eine Station seit Sommer geschlossen.

Im Schleizer Krankenhaus ist aufgrund des Personalmangels bereits eine Station seit Sommer geschlossen.

Foto: Oliver Nowak

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Personalmangel, eine geschlossene Station, Aufnahmestopps und seit mehr als zehn Jahren eingefrorene Gehälter. Beim Schleizer Krankenhaus läuft es offensichtlich alles andere als rund. Nach der jüngsten Betriebsversammlung packen Angestellte aus Frust über ihren Arbeitgeber aus.

Beschäftigte des Schleizer Krankenhauses, die in den Vorruhestand gehen könnten, sollten sich mit der Geschäftsführung in Verbindung setzen. So soll es zumindest auf der Betriebsversammlung der Kreiskrankenhaus Schleiz Gesellschaft am Donnerstag, 19. Dezember, von Geschäftsführer Peter Gottschalk der Belegschaft geheißen haben. Und: Zudem seien die wirtschaftlichen Zahlen sehr schlecht, sodass auch im kommenden Jahr nicht mit einer Tarifanpassung zu rechnen sei. Dabei wurden die Gehälter für das Pflegepersonal nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVöD) im Jahr 2008 eingefroren.

Lediglich 3,3 Prozent mehr Gehalt gab es für die Pflegepersonal, nachdem Georg Detter Anfang des Jahres zum neuen Geschäftsführer bestellt wurde. Seine Zeit als Geschäftsführer beim Kreiskrankenhaus Schleiz, dem Medizinische Versorgungszentrum Greiz (MVZ) – Poliklinik Greiz und dem Kreiskrankenhaus Greiz dauerte jedoch nur kurz. Am 1. Februar begann Georg Detter als neuer Geschäftsführer, im September verließ er den Posten wieder.

Neuer Geschäftsführer soll Kreiskrankenhaus Greiz sanieren

Vom Lohn in anderen Krankenhäusern abgehängt

Dabei sehe es in anderen Häusern deutlich besser aus. In Greiz werde voll nach dem TVöD bezahlt, das Pflegepersonal in Saalfeld, Pößneck und Rudolstadt bekämen immerhin rund 80 Prozent des Tariflohnes. Im Kreiskrankenhaus Schleiz sind es umgerechnet gut 63 Prozent. Verdienstabrechnungen vom Pflegepersonal, die der Redaktion vorliegen sowie die Gehaltstabellen der Tarifverträge für den Öffentlichen Dienst aus dem Jahr 2008 bis 2019 zeigen schwarz auf weiß, wie es um das Grundgehalt des Pflegepersonal bestellt ist.

Im Jahr 2008 bekamen diese in der Entgeltgruppe 8 je nach Stufe zwischen 2000 Euro und 2650 Euro Brutto sowie Pflegekräfte mit spezieller Fachausbildung in der Entgeltgruppe 9 zwischen 2410 Euro und 2650 Euro Bruttogehalt. So ist es beinahe auch noch heute.

Lediglich die 3,3-prozentige Erhöhung unter der Geschäftsführung von Georg Detter kam dieses Jahr dazu. Der aktuelle TVöD hingegen sieht eigentlich für die Entgeltgruppe 8 je nach Stufe zwischen gut 2972 Euro und 3661 Euro Brutto vor. Für Pflegekräfte mit spezieller Fachausbildung in der Entgeltgruppe 9 sind es zwischen 3230 Euro und 3810 Euro Bruttogehalt.

Station aufgrund Personalmangel in Schleiz geschlossen

Was daraus resultiert, zeigen die Stellenausschreibungen des Kreiskrankenhaus: Personalmangel. Gesundheits- und Krankenpfleger sind für die Klinik der Chirurgie, die Klinik der Inneren Medizin, die Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie, die Notfallaufnahme und den Funktionsdienst OP ausgeschrieben. Das Krankenhaus in Greiz hingegen hat keine einzige Stelle in der Pflege ausgeschrieben.

Auch die Dienstpläne des Pflegepersonals sind dem entsprechend. Zwischen zehn und 20 Prozent Überstunden sind die Regel. Diese Überstunden sollen als Freizeitausgleich abgebummelt werden. Oft sind diese Überstunden schon im normalen Dienstplan eingetragen. Und dennoch hat das Schleizer Krankenhaus so wenige Pflegekräfte, dass eine der zwei Stationen für die innere Medizin geschlossen ist – seit Sommer. Oft muss das Schleizer Krankenhaus einzelne Stationen oder auch das gesamte Haus bei der Rettungsleitstelle abmelden, weil keine Aufnahmekapazitäten mehr vorhanden sind.

Die Gründe dafür sind unterschiedlich, teils ist die Bettenkapazität ausgeschöpft, teils nicht genügend ärztliches Personal oder Pflegekräfte verfügbar. Besonders die Wochenenden sollen davon vermehrt betroffen sein. Das Kreiskrankenhaus Schleiz hat alleine für die Innere Medizin zum nächstmöglichen Zeitpunkt Stellen für den Chefarzt, Oberarzt und Facharzt ausgeschrieben. Die Klinik für Chirurgie sucht darüber hinaus ab sofort einen Arzt in Weiterbildung.

Stellungnahme lässt auf sich warten

Eine Presseanfrage von Montag mit elf Fragen ließ die Kreiskrankenhaus Greiz GmbH bislang unbeantwortet. Stattdessen bat die Assistenz der Geschäftsführung um zeitlichen Aufschub. Am Freitag meldete sich daraufhin die Pressestelle des Landkreises Greiz und erklärte, die Fragen erst im kommenden Jahr zu beantworten. Auf Nachfrage begründete Ilona Roth von der Pressestelle des Landkreises Greiz, dass die Geschäftsführung der Kreiskrankenhaus Greiz GmbH erst wieder im kommenden Jahr zu sprechen sei.

Da die Greizer Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) Aufsichtsratsvorsitzende der Kreiskrankenhaus Greiz GmbH, habe die Pressestelle des Landkreises über die spätere Beantwortung der Fragen informiert. Zudem schreib die Pressestelle in ihrer Mitteilung: „Betriebsversammlungen sind interne Veranstaltungen und was dort gesagt wird, soll auch intern bleiben.“

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