Goldene Kugel thront wieder auf Kirche in Friedebach

Friedebach.  Etwa 60 Anwesende feiern das Turmknopffest. Im Zuge der Kirchensanierung in Friedebach ist nun die goldglänzende Kugel wieder an ihrem Platz.

Pastorin Ute Thalmann (Mitte) freut sich über den restaurierten Turmknopf.

Pastorin Ute Thalmann (Mitte) freut sich über den restaurierten Turmknopf.

Foto: Marcus Cislak

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„Ich bin mehr als glücklich“, sagt der Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, Volker Müller. Er kletterte mit einigen anderen, darunter Pastorin Ute Thalmann, Bürgermeister Jonas Chudasch und Schmiedemeister Ralf Gerhardt, hunderte Stufen an der Friedebacher Kirche empor, um den frischpolierten Turmknopf und die Wetterfahne dem Gebäude wieder aufzusetzen. In etwa 30 Metern Höhe montierten die Arbeiter die kupfernen Objekte auf dem weithin sichtbaren Turm. Stück für Stück werde nun das Gerüst wieder abgebaut, welches den Turm umschließt. „Der Turmschaft wird ab kommender Woche saniert“, informierte Gerhardt.

Zu dem kleinen Fest am Fuße des Gotteshauses kamen am Donnerstagnachmittag etwa 60 Gäste, um die im Knopf eingeschlossene Kupferhülse zu befüllen. Eine Tageszeitung, ein Schriftstück, Gedenkmünzen und eine mutmaßliche Gewehrkugel, die beim vorherigen Öffnen der metallenen Kugel gefunden wurde, sind darin wohlbehütet und luftdicht eingeschlossen worden. „Der Inhalt ist für die nachfolgenden Generationen gedacht“, kommentiert Pastorin Thalmann das Zeremoniell. In unregelmäßigen Abständen werden im Zuge von Sanierungen die Turmknöpfe geöffnet und neu befüllt. Letztmalig sei dies wohl laut Kirchenchronik 1864 gewesen. Im Zuge der jetzigen Arbeiten war am 14. September 2019 der Turmknopf abgenommen worden. Zum Vorschein kam eine alte, leere Weinflasche mit einem verwitterten, unleserlichen Dokument und der glänzenden Kupferkugel.

Es sei eine wunderschöner Turmknopf geworden, lobt der Krölpaer Heiner Pfeifer. „Die Männer um Schmiedemeister Gerhardt aus Knau haben sehr gute Arbeit geleistet“, sagte er. Er besuche gern die Kirche, die eine besondere familiäre Atmosphäre vermittele. „Ich komme regelmäßig zur Silvesterandacht hierher“, Der Kirchenrat Müller stimmt ihm nickend zu und ergänzte dankbar: „Es ist alle Ehren wert, dass auch in die kleinen Kirchen in den Dörfern investiert wird.“

Die Sanierungen rund um das Kirchenschiffdach und den Turm selbst koste etwa 164.000 Euro, sagte Ute Thalmann. Aus verschiedenen Fördertöpfen sei eine stattliche Summe zusammen kommen, die sich unter anderem aus Lottomitteln des Landes Thüringen, dem Amt für Denkmalpflege und dem Kirchenkreis Schleiz. „Die Kirchengemeinde Friedebach musste auch tief in die Tasche greifen“, fügte Volker Müller an.

2006 und 2007 wurde bereits das Äußere des Gotteshauses in Friedebach saniert. „Wir wünschen uns noch eine Innenraumsanierung“, sagte die Pastorin. Die barocke Gestaltung sei zum Teil noch gut erhalten, doch hätte schon bessere Tage gesehen.

Bereits 1071 wird Friedebach als Teil der Saalfelder Benediktinerabtei erwähnt. 1422 existierte wohl eine gotische Kapelle. 1715 – 1717 wurde der sakrale Bau erweitert und erhielt das heute bekannte Äußere. 1716 fand bereits ihre Einweihung statt. 1864 sei sie wieder umfangreich saniert worden. Als ungewöhnlich werden die beiden Figuren von König David und Johann Sebastian Bach – als Symbole der Kirchenmusik – bezeichnet. Sie seien Zeugen dafür, dass ein Schüler Bachs einst Lehrer in Friedebach war, wo er, wie damals üblich, auch den Kantorenposten einnahm. Im Turm hängen drei Glocken, eine aus Bronze, gegossen in den 1920er Jahren, die beiden anderen aus Stahl datieren 1954 in Apolda.

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