Bahnunglück mit Schwerverletzen – 100 Rettungskräfte bei Großübung in Blankenstein im Einsatz

Blankenstein  Großübung von Feuerwehren und Deutschem Roten Kreuz auf dem Gelände der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal.

An der Gefahrgutübung auf dem Gelände der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal nehmen mehr als 100 Feuerwehr- und Rettungskräfte teil.

An der Gefahrgutübung auf dem Gelände der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal nehmen mehr als 100 Feuerwehr- und Rettungskräfte teil.

Foto: Oliver Nowak

Mehr als 100 Feuerwehr- und Rettungskräfte haben am Sonnabend eine Großübung auf dem Gelände der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal (ZPR) in Blankenstein absolviert.

Das Szenario zu dieser Großübung war dabei eine Verkettung unglücklicher Umstände: Bei Rangierarbeiten sprang ein Zug aus den Schienen, riss einem Mann Arm und Bein ab. Ein Behälter mit Wasserstoff stürzte beim Unglück die Böschung hinab und schlug zwei Lecks. Zeitgleich stürzten drei Mitarbeiter bei Wartungsarbeiten an der Ozonanlage durch den Einsturz einer Mauer von ihrem Gerüst. Ein Feuer brach aus und drohte sich den Hang zu den Bahngleisen heraufzubrennen. Die Werkfeuerwehr der ZPR erkannte in dieser Gemengelage schnell, dass sie allein dem Szenario nicht Herr werden könne und alarmierte daraufhin den Gefahrgutzug des Landkreises Saale Orla und weitere örtlich Feuerwehren. Während die Werksfeuerwehr, die Feuerwehren aus Blankenberg, Blankenstein, Bad Lobenstein, Harra, Birkenhügel und der Betreuungszug des DRK Blankenberg sich um die Brandbekämpfung und Rettung der teils Schwerverletzten kümmerten, rückte aus dem gesamten Saale-Orla-Kreis die Einheiten des Gefahrgutzuges in kurzen zeitlichen Abständen an.

Die Schadstoff Mess- und Spürtechnik stellten die Wehren aus Hirschberg, Triptis und Wurzbach bereit. Für die Dekontamination von Feuerwehrtechnik und -kräften sowie gegebenenfalls nicht am Einsatz beteiligten Menschen bauten die freiwilligen Feuerwehren aus Bad Lobenstein und Neustadt ihre Dekontaminationsstrecke auf. Die Erkundung und den Einsatz am Leck geschlagenen Gefahrgutbehälter übernahmen die Mitglieder der Feuerwehren Triptis und Neustadt unter Federführung der Stützpunktfeuerwehr Schleiz. Diese bereitete die Lageentschärfung am Gefahrgutbehälter vor, indem sie zwei Teams von jeweils zwei Mann mit schweren Chemieschutzanzügen ausrüstete.

Aus zwei Lecks tritt Wasserstoffperoxid aus

Die unter Atemschutz in den bewegungseinschränkenden schweren Chemieschutzanzügen agierenden Einsatzkräfte erkundeten zuerst die Lage im Gefahrenbereich, um welchen eine Bannmeile von zuerst 50 Meter, dann 80 Meter gezogen wurde. Aufsteigende gefährliche Dämpfe wurden bereits kurz nach dem Unglück durch Sprühnebelwände konstant niedergeschlagen. Das verseuchte Oberflächenwasser in ein dafür vorgesehenes Auffangbecken des Werkes geleitet. Am Gefahrgutbehälter stellten die Schleizer Einsatzkräfte zwei Lecks fest. Zum einen war ein Leitungsrohr am Behälter abgerissen, zum anderen klaffte ein Riss in der Außenwand des Behälters. Nachdem das notwendige Material herangeschafft worden war, erfolgten die Abdichtungsarbeiten. Mit einem Holzhammer, Holzpflock und Hanfballen gingen die ersten zwei Einsatzkräfte zuerst gegen das Leck am abgebrochenen Rohr vor.

Im Anschluss stieß das zweite Team in ihren schweren Chemieschutzanzügen hinzu. Zudem legten die Einsatzkräfte ein Dichtkissen über den Riss und fixierten ihn mit Spanngurten, die um den gesamten Behälter geschlungen wurden. Sobald die Lecks am Wasserstoffperoxid-Tank verschlossen waren, machten sich die Einsatzkräfte zur Dekontaminierungsstrecke auf. Dort angekommen wurden sie einzeln zuerst grob in ihren Chemieschutzanzügen abgespritzt und im Anschluss in einer Dekontaminierungskabine gründlich abgewaschen und abgeschrubbt. Daraufhin wurden sie an der Grenze zum Dekontaminierungsbereich aus ihren Chemieschutzanzügen befreit.

Gesamteinsatzleiter Jörg Philipp von der Werksfeuerwehr der ZPR wertete die Großübung als Erfolg, gab er zur Abschlussbesprechung im Blankensteiner Hammersaal bekannt. Die Zusammenarbeit des Gefahrgutzuges Saale-Orla sowie der weiteren beteiligten Feuerwehren habe gut funktioniert. Details könnten zwar noch verbessert werden, doch alle Beteiligten seien der Lage Herr geworden.

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