Hilfe bei Rohrbruch: Zwei junge Frauen erobern in Schleiz eine Männerdomäne

Schleiz  Erstmals erlernen zwei junge Frauen einen handwerklichen Beruf beim Zweckverband Wasser/Abwasser „Obere Saale“ Schleiz

Mit Helene Dumke (l.) und Anna Metzner lernen beim Zweckverband Wasser/Abwasser „Obere Saale“ Schleiz erstmals junge Frauen einen handwerklichen Beruf. Sie wollen Fachkraft für Wasserversorgungstechnik werden.

Mit Helene Dumke (l.) und Anna Metzner lernen beim Zweckverband Wasser/Abwasser „Obere Saale“ Schleiz erstmals junge Frauen einen handwerklichen Beruf. Sie wollen Fachkraft für Wasserversorgungstechnik werden.

Foto: Peter Cissek

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Erstmals steigen zwei junge Frauen in die Männerdomäne beim Zweckverband Wasser/Abwasser „Obere Saale“ Schleiz, also in einen Handwerksberuf ein.

Sie starten die dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Wasserversorgungstechnik. „Das hat nichts mit Frauenquote zu tun. Diese beiden Mädels waren einfach die besten Bewerber“, sagte Geschäftsleiter Ralf Engelmann.

Helene Dumke aus Magdala hat nach ihrem Abitur in Milda ein Medienkultur-Studium in Weimar aufgenommen, aber recht bald gemerkt: „Das ist nichts für mich. Das ist mir alles zu theoretisch. Ich möchte einen Job, der abwechslungsreich ist, der mir Spaß macht“, sagt 21-Jährige. Sie nutzte die Zeit, um Praktika in verschiedenen Bereichen zu machen. Helene Dumke holte sich einen Einblick in die Tätigkeiten eines ­Lebensmitteltechnikers, eines Tierwirtes in der Rinderhaltung, eines Glasapparatebauers und einer Fachkraft für Abwassertechnik. „Die Arbeit im technischen Bereich der Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung hat mir am meisten gefallen. Deshalb habe ich mich bei drei Betrieben der Branche beworben. Aus Schleiz habe ich eine Zusage erhalten“, freute sich Helene Dumke, die in dieser Woche mit der Ausbildung beim Zweckverband in Schleiz begann.

Wie die Magdalaerin ist Anna Metzner aus dem Schleizer Ortsteil Grochwitz kein Typ für aufgeklebte, lange Fingernägel, auch nicht für Arbeiten im Büro. „Zuhause auf dem Dorf muss man mit anpacken. Meine Familie hat Wald, da musste ich mithelfen, bin auch schon Traktor gefahren“, erzählt die 19-Jährige, die ihr Abitur am Schleizer Duden-Gymnasium gemacht hat. Daheim hat sie vier Mopeds in der Garage stehen, an denen sie bei Bedarf auch herumschraubt. „Ich habe während der Schulzeit mehrere Praktika in Betrieben gemacht und war auch drei Mal beim Zweckverband in Schleiz. Hier hat mir die Arbeit am besten gefallen, weshalb ich mich auch um eine Ausbildungsstelle beworben habe. Denn ich bin sehr heimatverbunden und wollte in der Nähe bleiben“, erklärt Anna Metzner. Ihr gefalle es in der waldreichen Stauseeregion sehr gut. „Man kann mal in eine Großstadt fahren, aber leben möchte ich dort nicht“, sagt die Grochwitzerin.

Vor beiden jungen Frauen steht eine dreijährige Ausbildung: Die Theorie werden ­Dumke und Metzner am Staat­lichen Berufsbildungszentrum Weimar absolvieren, die praktische Ausbildung beim Schleizer Wasserzweckverband und dem Bildungszentrum Ostthüringen in Gera. Die Fachkraft für Wasserversorgungstechnik plant beispielsweise den Einbau von Armaturen und Fördereinrichtungen, führt Berechnungen zum Rohrleitungssystem durch und wählt die erforderlichen Werkstoffe und Dichtmittel aus.

„Unser Ziel ist es, die Lehr­linge nach erfolgreichem ­Abschluss ihrer Ausbildung als Mitarbeiterinnen zu übernehmen. Denn in absehbarer Zeit werden zwei Kollegen in den Ruhestand gehen, für die wir ­geeigneten Ersatz brauchen“, sagte Stefan Käckenmeister, ­Bereichsleiter Trinkwasser beim Schleizer Zweckverband. Zu den Arbeiten, die in den nächsten Jahren erlernt und später eigenständig ausgeführt werden müssen, gehört zum Beispiel die Rohrbruchsuche und die Beauftragung eines Bauunternehmens zwecks Reparatur. Aber auch Hausanschlüsse erstellen, Versorgungseinrichtungen und elektrische Anlagen bedienen und instand halten gehört zu den Aufgaben einer Fachkraft für Wasserversorgungstechnik. „Wir sind daran interessiert, dass unsere Mitarbeiter recht umfangreich ausgebildet sind, immerhin müssen sie auch Bereitschaftsdienste übernehmen“, sagt Stefan Käcken­meister.

Und wie kam die Wahl des Ausbildungsberufes im Freundeskreis und bei früheren Mitschülern an? „Was macht Ihr da überhaupt“, heißt die erste Frage. Der finale Satz meist: „Für mich wäre das aber nichts.“

Für Helene Dumke und Anna Metzner aber schon. Sie sind ­sicher, den richtigen Ausbildungsberuf gewählt zu haben.

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