Hirschberg: Summende Vögelchen in Konzert integriert

Roland Barwinsky
| Lesedauer: 2 Minuten
Frank Bartsch (Trompete, Flügelhorn, Mundharmonika) und Ulrich Thiem (Cello) gastierten am Sonntagabend auf dem Freigelände der Hirschberger Villa Novalis.

Frank Bartsch (Trompete, Flügelhorn, Mundharmonika) und Ulrich Thiem (Cello) gastierten am Sonntagabend auf dem Freigelände der Hirschberger Villa Novalis.

Foto: Roland Barwinsky

Hirschberg.  Musikduo lässt vor der Hirschberger Villa Novalis Trompete, Flügelhorn und Cello erklingen.

Gibt es eigentlich den idealen Standort für den echten musikalischen Hörgenuss? Genau mit dieser, auch aus philosophischen Gesichtspunkten interessanten Frage beschäftigten sich am Sonntagabend zwei Aufführende auf dem Freigelände der Villa Novalis intensiv. Frank Bartsch (Trompete, Flügelhorn) postierte sich kurzerhand vor die Hauswand und erkannte dort eine bessere Akustik. Partner Ulrich Thiem (Cello) blieb auf seinem Platz und versuchte weiterhin brillant mit dem Cello ringsum in den hochgewachsenen Bäumen summende Vögelchen bestens in den Ablauf zu integrieren.

Klassisches und Improvisationen

Egal, das auftretende Duo bot jederzeit vorzügliche stilistische Grenzwanderungen. Das Repertoire lebte unstrittig sowie durchweg zwischen dem Spannungsfeld einstiger recht festgezurrter Klassikvorgaben und dem Gedankenspiel freier Improvisationen mit Noten. Das galt insbesondere in den Momenten, als die Sparte Freejazz obsiegte.

Thiem enterte zwischendurch mehrfach Säulen wie Blues oder Gospel en passant und sang gelegentlich. Frank Bartsch, übrigens ein konzertierender Seiteneinsteiger mit fundierter ingenieurtechnischer Ausbildung, wechselte fast wie bestens trainierte Staffelläufer seine Instrumente. Als er zwischendurch zur Mundharmonika griff, gewann flugs eine Prise Nostalgie. Beim Repertoire konnte selbstverständlich nur reichlich Fantasie für beste Handschriften sorgen. Zwischen swingbeladenen Kompositionen eines George Gershwin und „Eine feste Burg ist unsere Gott“ – der weithin bekannten Bach-Kantate mit lutherischen Wurzeln – gab es an diesem Abend nur den klitzekleinen Abstand einiger Minuten. Köstlich zugleich die Moderation. Als die Gäste elanvoll einen „Waltzer“ mit „tz“ ankündigten, bedeutete dies einfach nur die Verkündung musikalischer Luftfracht garniert mit praller Lebensfreude. Untermalt haben dies viele Stücke, wo nicht nur die Namen witzig klangen, sondern die zugleich für wohltuende Geschwindigkeitsschübe sorgten. Genauso so sollte es sein. Fazit: Ein blumiger Notencocktail für vollumfängliche Reaktivierung der Lebensfreude recht amüsiert Zuhörender.