Fördermöglichkeit wird genutzt

Im Raum Tanna sollen 372 Hektar Wald gekalkt werden

Tanna.  Bei frostigem Wetter soll im Januar oder Februar 2020 der Hubschrauber fliegen. Die Waldgebiete werden gesperrt.

Archivfoto: Ein Helikopter vom Typ AS 350 verstreut aus einem am Haken hängenden Silo Kalk über einem Waldgebiet.

Archivfoto: Ein Helikopter vom Typ AS 350 verstreut aus einem am Haken hängenden Silo Kalk über einem Waldgebiet.

Foto: Stefan Thomas / dpa

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Bei trockenem frostigem Wetter soll im Januar oder Februar 2020 im Raum Tanna der Wald per Hubschrauber gekalkt werden. Dabei handelt es sich um eine Waldfläche von insgesamt 372 Hektar. Die Forstbetriebsgemeinschaft Obere Saale nutzt die Fördermöglichkeiten des Landes, um die Wälder ihrer Mitglieder zu schützen. Sollten weitere Fördergelder fließen, könnte im Anschluss ein ähnlich großes Waldgebiet südlich von Tanna gekalkt werden. Das teilte Eike-Bernhard Siefarth vom gleichnamigen Forstdienstleistungsunternehmen aus dem ostwestfälischen Warburg mit.

„Die Waldkalkung ist notwendig, da noch immer die Schadstoffe, die man Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts als Ursache für das Waldsterben ausgemacht hat, wirksam sind. Die Böden haben ein Langzeitgedächtnis. Jahrzehnte lang wurden Schadstoffe aus Kraftwerken, Autoabgasen und Hausbrand in den Böden angesammelt. Sie führten als äußeres Zeichen zur Vergilbung vom Blättern und Nadeln und später zu deren Abfallen. Die Baumkronen verlichteten, teilweise starben Bäume ganz. Die Stürme und die Trockenheit verursachen im Wald erhebliche Schäden und Stress. Die Feinwurzeln werden geschädigt, die Bäume können dadurch schlechter Wasser und Nährstoffe aufnehmen und sind nicht mehr so gut im Waldboden verankert“, erklärte der Diplom-Forstingenieur.

Grundwasser sonst in Gefahr

Waldkalkung verbessere den Zustand des Waldbodens und der Bodenlebewesen. Die Durchlüftung und Durchwurzelung werde gefördert, so Eike-Bernhard Siefarth, der aus Thüringen stammt. Sein Forstdienstleistungsunternehmen sei mit der Planung und Genehmigung von Waldkalkungen beschäftigt.

„Der Grad der Verlichtung der Baumkronen wird noch heute bundesweit nach einem einheitlichen Muster erfasst. Die Zahlen des Waldzustandsberichtes belegen, dass die Bäume noch immer unter den eingetragenen Schadstoffen leiden. Die Belaubung beziehungsweise Benadelung der Bäume ist oftmals heute noch schlechter als in den 1980er Jahren. Doch das Waldsterben beziehungsweise der Waldzustand, wie es nunmehr verharmlosend heißt, ist kein Thema mehr in der breiten Öffentlichkeit. Die Waldschäden und die durch die Schadstoffe verursachten Bodenbelastungen gehen uns alle an“, warnt Siefarth. Die in den Böden angesammelten Säuren bewirken die Bildung eines so genannten Horizontes, der bei weiter eintreffenden Säuren immer tiefer in Richtung Grundwasserspiegel wandert. Im Zuge dieser Versauerungsfront werden in den Böden vorhandene Schadstoffe und Schwermetalle gelöst und gelangen bei Erreichen des Grundwasserspiegels ins Wasser. Durch die Ausbringung von Kalk auf die Waldböden sollen die immer noch vorhanden und weiterhin eintreffenden Säuren abgepuffert werden, der Säurefront soll sozusagen der Nachschub genommen werden, um ein weiteres Fortschreiten in Richtung Grundwasser zu verhindern. Zudem sollen die Bäume wieder in die Lage versetzt werden, die Nährstoffe, die sie benötigen, aufzunehmen.

Ausgebracht wird ein kohlensaurer Magnesiumkalk mit einer Dosis von 3000 Kilogramm pro Hektar. Der Kalk wird per Lkw an die Landeplätze gefahren, dort werden etwa 1000 Kilogramm pro Turn in den Streukübel gefüllt und der Hubschrauber verteilt diese Menge GPS-gesteuert über die zu kalkenden Waldflächen. Pro Kübel werden maximal 90 Sekunden benötigt, so werden Tagesleistungen von bis zu 300 Tonnen erreicht. „Der Kalk ist in keiner Weise gesundheitsschädlich, er staubt jedoch. Aus Sicherheitsgründen sind während der Maßnahme die Waldgebiete gesperrt und dürfen nicht betreten werden“, erklärte Siefarth.

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