Im Tännig Wandern und Bergbaugeschichte in Einem

Lemnitzhammer/Bad Lobenstein  Passionierte Hobby-Geologen wollen die Vergangenheit des Bad Lobensteiner Tännig mit einem möglichen Themenwanderweg stärker in den öffentlichen Fokus rücken

Sepp Lipfert aus Bad Lobenstein setzt sich für einen besonderen Lehrpfad über den ­Bergbau im Tännig ein. 

Sepp Lipfert aus Bad Lobenstein setzt sich für einen besonderen Lehrpfad über den ­Bergbau im Tännig ein. 

Foto: Sophie Filipiak

Fast sanft streicht der Wind durch die Blätter und Nadeln der Bäume, hier und da schimmert silbern die Saale durch die Stämme hindurch. Ruhe und Natur pur erwarten die Besucher heutzutage im Gebiet des Bad Lobensteiner Tännig. So friedlich ging es dort aber nicht immer zu, schließlich war das Areal bis vor gut hundert Jahren das Zentrum des ehemaligen Lobenstein-Hirschberger-Bergbau- Distrikts.

Einige Infotafeln, unter anderem in Lemnitzhammer, weisen auf diese Geschichte hin. Den passionierten Hobby-Geologen Claus Walkowiak aus Harra und Sepp Lipfert aus Bad Lobenstein ist das aber zu wenig. Sie wollen die Geschichte des Bergbaus, der Verhüttung und Verarbeitung von Erzen im Tännig stärker in den Fokus rücken.

Die Idee, einen solchen Lehrpfad einzurichten, hatten die beiden Männer bereits vor Ostern. Claus Walkowiak hat schon einige Erfahrung in solchen Dingen: Gemeinsam mit Frank Spörl und Helmut Wirth hat er bei der Verwirklichung der Wanderblume in Harra mitgeholfen. Jeder Wanderweg hat dort eine eigene ausführliche Infotafel, die nicht nur die wichtigsten Daten zur Geschichte der Region enthält, sondern auch ein Höhenprofil, Tipps, in welchem Monat man dort am besten wandern kann und die wichtigsten Tourdaten. Zudem helfen QR-Codes den Wanderern dabei, sich nicht zu verlaufen.

Hinweisschilder finden sich nahe Lemnitzhammer eigentlich genug, schließlich tangiert der Euregio-Egrensis-Fernradweg das Gebiet des Bad Lobensteiner Tännig. Diese Verbindung zwischen Lemnitzhammer und der Anbindung zur B90 bei Saaldorf wurde 2015 eingeweiht. Entlang des Weges finden sich auch vier Infotafeln zu dem ehemaligen Bergbaugebiet. Experte Carsten A. Dunkel hatte dabei mitgeholfen, eine detaillierte Karte der Stollen in dem Areal zu fertigen. Jedoch orientiert sich der Radweg an der ­Saale, der Kern des ehemaligen Bergbaugebiets wird eher umfahren.

Claus Walkowiak und Sepp Lipfert haben schon einige Ideen für einen Rundwanderweg, der an den wichtigsten Punkten, wie den Pechofner Schacht, entlang führt. „Als möglicher Ausgangspunkt könnte der Parkplatz bei Klein Friesa an der B 90 genutzt werden“, so Claus Walkowiak.

Die Wege könnten mit besonderen Schildern ausgewiesen werden, natürlich mit Schlägel und Eisen als Symbol für den Bergbau. Noch ist alles in der Findungsphase. Die beiden Männer haben sich auch schon an die Stadtverwaltung in Bad Lobenstein gewandt. „Es ist wichtig, die ersten Schritte zu machen“, betont Sepp Lipfert. Geführte Wanderungen sind in den bisherigen Planungen natürlich inbegriffen.

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war der größte Teil der Bevölkerung in diesem Gebiet im Bergbau, in der Verarbeitung der gewonnen Erze und bei der Flößerei, also dem Transport von Baumstämmen auf der Saale, beschäftigt. 1327 wurde der Bergbau im Gebiet des Tännig erstmals urkundlich erwähnt. Lemnitzhammer etablierte sich schnell als Standort für ein Schmelz- und Hammerwerk. Der 30-jährige Krieg (1618 bis 1648) hinterließ auch im Tännig seine Spuren. Es fehlte an Material und vor allem Personal. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es ein kurzes Aufleben des Bergbaus in der Region, der aber nicht lange anhielt. 1924 endete der Grubenbetrieb im Gebiet des Tännig.

Meine Meinung: Sophie Filipiak über Denkanstöße von Bürgern

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